MITTELSTANDSFORSCHUNG, STANDORTWETTBEWERB UND FDI

Immer wieder wird die besondere Bedeutung des Mittelstands für die deutsche Wirtschaft hervorgehoben. Diese Bedeutung wird zumeist an der großen Zahl der zur mittelständischen Wirtschaft zu zählenden Unternehmen, dem hohen von diesen Unternehmen erzielten Umsatz und ihrem hohen Beschäftigtenanteil festgemacht. Auch wenn die große Bedeutung des Mittelstands unbestritten ist, herrscht doch ein erheblicher Mangel an belastbarem Zahlenmaterial zur Größe und Bedeutung des Mittelstands.

Der Kompetenzbereich Weltwirtschaft beschäftigt sich einerseits mit der Frage, wie die Größe und Bedeutung des Mittelstands adäquat gemessen werden kann. Darüber hinaus werden für den Mittelstand besonders wichtige Aspekte wie die Unternehmensnachfolgeproblematik oder die Standortwahl beleuchtet.

Aus Sicht der Wirtschaftspolitik kommt Standortentscheidungen von Unternehmen eine besonders wichtige Rolle zu, weil Entscheidungen zugunsten eines bestimmten Standorts für die entsprechende Region mit einem Ausbau oder zumindest der Sicherung der Zahl von verfügbaren Arbeitsplätzen verbunden sind. Neben diesen direkten Beschäftigungseffekten von Standortentscheidungen ist mit einer Reihe von indirekten Effekten zu rechnen. So wirken sich Neuansiedlungs- oder Bleibeentscheidungen zumeist auch auf die regional angesiedelten Zulieferer aus und ziehen somit unter Umständen sogar weitere positive Ansiedlungsentscheidungen nach sich. Auch im Bereich unternehmensnaher Dienstleistungen können Beschäftigungsgewinne in der Region erzielt werden. Mit der regionalen Beschäftigung steigt zudem die lokale Kaufkraft, was positive Nachfrageeffekte und damit zusätzliche expansive Impulse nach sich ziehen kann.

Standen die Regionen innerhalb eines Landes untereinander schon immer im Wettbewerb um Unternehmensansiedlungen, so hat die internationale Dimension dieses Wettbewerbs im Zuge der fortschreitenden Globalisierung im letzten Jahrzehnt ganz erheblich zugenommen und wird auch in der Zukunft vermutlich noch weiter ansteigen. Durch verringerte Transportkosten infolge einer verbesserten Infrastruktur kann sich zudem die Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland lohnen. Die enorm verbesserten Kommunikationsmöglichkeiten machen auch die Verlagerung von verschiedenen  Dienstleistungen möglich. Durch diese Entwicklungen sind internationale Standortentscheidungen nicht mehr allein für Großunternehmen, sondern zunehmend auch für kleinere Unternehmen strategische Optionen.

Eine Region kann im nationalen und internationalen Standortwettbewerb nur bestehen, wenn sie im Hinblick auf für Unternehmen relevante Standortfaktoren attraktiv ist. Unternehmen werden sich nur dann für einen Standort entscheiden, wenn die Standortfaktoren einer Region besonders viel versprechend sind. Auch wenn die relevanten Standortfaktoren naturgemäß von Unternehmen zu Unternehmen differieren, so ist doch davon auszugehen, dass Regionen mit einem besonders guten Mix an Standortfaktoren im Standortwettbewerb überdurchschnittlich erfolgreich sind und besonders viele Unternehmen attrahieren.

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich der Kompetenzbereich Weltwirtschaft intensiv mit Fragen des Standortwettbewerbs und der Analyse der Determinanten internationaler Direktinvestitionen. Insbesondere wird analysiert, welche Faktoren die Standortqualität einer Region ausmachen und wie diese durch wirtschaftpolitische Maßnahmen beeinflusst werden können. Gleichzeitig können die Ergebnisse dazu genutzt werden, verschiedene Standorte zu bewerten und miteinander zu vergleichen.

Ausgewählte Publikationen zum Thema:

  • Michael Berlemann, Sabine Engelmann, Michaela Fuchs, Matthias Göthel, Beate Grundig, Carsten Pohl, Joachim Ragnitz & Marcel Thum (2008): Die wirtschaftliche Entwicklung der neuen Bundesländer im internationalen Standortvergleich, ifo Dresden Studie, Nr. 43, ifo Institut für Wirtschaftsforschung, München.
  • Michael Berlemann & Matthias Göthel (2008): Determinanten der internationalen Standortwahl von Unternehmen - Ergebnisse einer empirischen Analyse, in: ifo Dresden berichtet, 16. Jg., Heft 4.
  • Michael Berlemann, Sabine Engelmann, Christian Leßmann und Heinz Schmalholz (2007): Unternehmensnachfolge im sächsischen Handwerk, in: ifo Dresden berichtet, 14. Jg. Heft 2, S. 14-24.
  • Michael Berlemann, Sabine Engelmann, Christian Leßmann, Heinz Schmalholz, Henner Spelsberg und Hendrik Weber (2007): Unternehmensnachfolge im sächsischen Mittelstand, in: ifo Dresden berichtet, 14. Jg. Heft 1, S. 15-28.
  • Michael Berlemann, Sabine Engelmann, Christian Leßmann, Heinz Schmalholz, Henner Spelsberg und Hendrik Weber (2007): Unternehmensnachfolge im sächsischen Mittelstand, ifo Dresden studie, Nr. 40, ifo Institut für Wirtschaftsforschung, Dresden.
  • Michael Berlemann & Jane Tilgner (2007): Determinanten der innerdeutschen Standortwahl von Unternehmen - Ergebnisse einer empirischen Analyse, in: ifo Dresden berichtet, 15. Jg., Heft 3, S. 14-22.
  • Michael Berlemann & Jane Tilgner (2006): Determinanten der Standortwahl von Unternehmen - Ein Literaturüberblick, in: ifo Dresden berichtet, 13. Jg., Heft 6, S. 14-24.
  • Michael Berlemann, Sabine Engelmann, Christian Leßmann, Heinz Schmalholz, Henner Spelsberg und Hendrik Weber (2006): Sächsischer Mittelstandsbericht 2005 / 2006. Hrsg.: Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit, Dresden.

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