Pressemitteilung

10. December 2013

Moderater Aufschwung setzt sich 2014 fort

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland aktualisiert. Angesicht der bislang weitgehend wie prognostiziert eingetretenen Entwicklung sowie unveränderter Rahmenbedingungen wird für 2013 weiterhin mit einem Wirtschaftswachstum von ½ % und für 2014 mit einem von 1 ½ bis 2 % gerechnet. Die deutsche Wirtschaft hat sich nach der Schwächephase im Winterhalbjahr 2012/13 wieder erholt und ist zum Wachstum zurückgekehrt. Dabei kamen die Wachstumsimpulse zuletzt ausschließlich von der Binnenkonjunktur. Die Unternehmensinvestitionen haben sich weiter stabilisiert und konnten erneut zum Wachstum beitragen. Negative Effekte kamen hingegen vom Außenhandel. Die Exporte haben sich das Jahr über relativ schwach entwickelt. Frühindikatoren weisen darauf hin, dass sich die konjunkturelle Aufwärtsbewegung auch im vierten Quartal fortsetzt.

Der Arbeitsmarkt zeigte sich das ganze Jahr über in guter Verfassung. So waren die Unternehmen trotz der zeitweiligen Schwäche bestrebt, ihre Beschäftigung aufrecht zu erhalten. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich nur geringfügig erhöht. Die Tarifverdienste haben im letzten Quartal etwas stärker zugenommen, lagen deutlich über der Inflationsrate (zuletzt: 1,3 %) und führten somit zu Kaufkraftgewinnen bei den privaten Haushalten. Insgesamt haben die positive Beschäftigungsentwicklung und die steigenden Reallöhne zu einer kräftigen Erhöhung des privaten Konsums beigetragen. Die konjunkturelle Belebung spiegelt sich nunmehr in den Unternehmensinvestitionen wider. Mit verringerter Unsicherheit hin-sichtlich der Schuldenkrise im Euroraum haben auch die Investitionen wieder zugenommen. Gebremst wurde das Wachstum von der relativ schwachen Entwicklung der Exporte, die auf die geringere Nachfrage aus den Schwellenländern, die Krise wichtiger Handelspartner im Euroraum und die Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen ist.

„Nachdem sich die konjunkturelle Entwicklung 2013 stabilisieren konnte, sind die Voraussetzungen für einen moderaten Aufschwung im nächsten Jahr gegeben“, sagt Anja Rossen, Konjunkturexpertin am HWWI. Insgesamt rechnen wir für das Jahr 2013 nach wie vor mit einem moderaten Wirtschaftswachstum von 0,5 %. Im nächsten Jahr sollte sich das Expansionstempo etwas beschleunigen, so dass das Bruttoinlandsprodukt im Vorjahresvergleich mit 1,7 % deutlich zunehmen wird. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Schuldenkrise nicht wieder aufflammt und dass sich der Kongress in den Vereinig-ten Staaten Anfang nächsten Jahres auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze einigt. „Die zurzeit sehr expansive Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken der Industrieländer wird noch weit ins nächste Jahr Bestand haben. Unter diesen Bedingungen sollte die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr sowohl von der Binnenkonjunktur als auch von der Außenwirtschaft gestützt werden. Dieser Prozess könnte sich auch 2015 fortsetzen und zu Wachstumsraten auf ähnlichem Niveau wie 2014 führen.“, sagt Michael Bräuninger, Forschungsdirektor am HWWI.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt sollte sich im nächsten Jahr weiter verbessern. Während das Beschäftigungswachstum sich mit zunehmender Auslastung der Produktionskapazitäten fortsetzen sollte, wird sich die Zahl der Arbeitslosen wieder leicht verringern. Der Lohnanstieg sollte sich nächstes Jahr in ähnlichem Tempo fortsetzen. Gleichzeitig sollte der Preisdruck mit Beschleunigung der Konjunktur und steigenden Löhnen leicht zunehmen, aber weiterhin unter der 2 %-Stabilitätsmarke bleiben. „Der sich fortsetzende Anstieg der Realeinkommen spricht dafür, dass der private Konsum auch 2014 eine wichtige Stütze des Wirtschaftswachstums bleibt.“, sagt Anja Rossen. Die Investitionstätigkeit wird unter diesen konjunkturellen Bedingungen nächstes Jahr wieder an Fahrt aufnehmen. Dafür sprechen die weiterhin günstigen Finanzierungsbedingungen, die verringerte Unsicherheit im Euroraum und die anziehende Weltkonjunktur. Neben Ersatzinvestitionen werden Erweiterungsinvestitionen mehr und mehr eine Rolle spielen. Hohe Auftragsbestände und zunehmende Baugenehmigungen sprechen für eine Ausweitung sowohl der privaten als auch wieder der öffentlichen Bauinvestitionen. Gleichzeitig sollten auch die Exporte im nächsten Jahr wieder kräftiger expandieren. Wobei dieser Effekt durch die Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit etwas gebremst wird. Insgesamt wird sich ein positiver Effekt des Außenbeitrages ergeben.

Der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD ist ausgehandelt. Sollte die Regierungsbildung erfolgreich sein, ist damit zu rechnen, dass der Staatskonsum im nächsten Jahr anziehen wird. Auf der Ausgabenseite ergeben sich im Vergleich zum letzten Jahr deutlich kräftigere Zuwächse. Vor allem die Ausgaben für monetäre Sozialleistungen sollten zunehmen. Einmaleffekte wie die Abschaffung der Praxisgebühr oder dem Betreuungsgeld spielen im nächsten Jahr nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Staatseinnahmen sollten im nächsten Jahr wieder stärker zunehmen. Hierbei profitiert der Staat unter anderem von der kalten Progression. Gedämpft wird dieser Effekt lediglich von der erneuten Erhöhung des Grundfreibetrages bei der Einkommensteuer. Insgesamt wird der gesamtwirtschaftliche Finanzierungssaldo sowohl dieses als auch nächster Jahr leicht positiv sein.

Für die Prognose ergeben sich verschiedene Risiken: Insbesondere die wirtschaftliche Entwicklung in einigen Mitgliedsländern des Euroraumes steht noch immer auf „wackeligen Beinen“. Zudem könnte die bisherige Beruhigung auf den Finanzmärkten dazu führen, dass einige Regierungen in ihren Bemühungen bezüglich ihrer Reformen und der Haushaltskonsolidierung nachlassen. Sollte sich der Kongress in den Vereinigten Staaten im Januar nicht auf eine neuerliche Anhebung der Schuldenobergrenze einigen, wären auch mit negativen Effekten für die Weltwirtschaft zu rechnen. Sowohl in den USA als auch in Europa besteht ein gewisses Risiko, dass ein schlecht kommunizierter Ausstieg aus der unkonventionellen Geldpolitik, zu einer erneuten Verunsicherung auf den Finanzmärkten führen könnte. „Inzwischen wäre es aber auch möglich, dass die Strukturanpassungen im Euroraum zu einer deutlich schnelleren Erholung führen, als hier unterstellt.“, sagt Michael Bräuninger. Dann würden sich über den Außenhandel stärkere positive Effekte für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ergeben. Binnenwirtschaftlich stellt die noch nicht abgeschlossene Regierungsbildung ein Risiko dar.

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