Pressemitteilung

05. August 2013

Hohe Ölpreise lassen den HWWI-Rohstoffpreisindex steigen

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist im Juli im Vergleich zum Juni um 4,0 % gestiegen. Auf Euro-Basis erhöhte sich der Gesamtindex um 4,9 %. Verglichen mit dem Niveau des Vorjahres notierte der Index um 5,1 % (in Euro: -1,3 %) höher. Getrieben wurde der Anstieg vor allem durch stark angewachsene Rohölpreise. Der Rohstoffpreisindex ohne Energie sank im Juli um 1,5 % (in Euro: -0,7 %). Energierohstoffe stiegen im Teilindex im Vergleich zum Vormonat um 5,1 % (in Euro: +6,0 %) an. Industrierohstoffe blieben im Index mit einer positiven Veränderung von 0,3 % (in Euro: +1,1 %) weitgehend stabil. Dabei fielen zwar die Preise für Agrarrohstoffe und NE-Metalle im vergangenen Monat, wurden aber im Industrierohstoff-Teilindex durch Preissteigerungen von Eisenerz überkompensiert. Insbesondere die Preise für Nahrungs- und Genussmittel sanken hingegen im vergangenen Monat kräftig und der Teilindex auf US-Dollar-Basis notierte um 5,4 % geringer. Derselbe Indexwert auf Euro-Basis sank um 4,6 %.

Die Preise für Rohöl stiegen im vergangenen Monat mit durchschnittlich 5,6 % (in Euro: +6,5 %) im Vergleich zum Juni stark an. Vor allem die für den amerikanischen Markt zentrale Sorte WTI verteuert sich erheblich. Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich der Preis im Monatsdurchschnitt an der Rohölbörse in Cushing (Oklahoma) um über 9,2 % (in Euro: +10,1 %). Anfang Juli übersprang der Kurs erstmals seit Mai 2012 wieder die Marke von 100 U-Dollar pro Barrel und erreichte Mitte des Monats mit 108 US-Dollar pro Barrel den höchsten Stand seit 16 Monaten. Ausgelöst wurde der Preisanstieg von überraschend abgesunkenen Lagerbeständen an der amerikanischen Rohölbörse, guten amerikanischen Arbeitsmarktdaten sowie durch Angebotsrisiken auf dem Weltölmarkt. So ließ vor allem der politische Umsturz in Ägypten, durch das der für den Ölhandel wichtige Sueskanal fließt, die Ölpreise auf dem Weltmarkt steigen. Auch die Nordseeölsorte Brent verteuerte ich im Zuge dieser geopolitischen Spannungen zur Mitte des Monats mit knapp 110 US-Dollar pro Barrel auf seinen höchsten Stand seit März dieses Jahres. Mit einem durchschnittlichen Plus von 4,8 % (in Euro: +5,7 %) im Juli hatte der Preisanstieg jedoch nicht dasselbe Ausmaß wie beim WTI-Öl. Dadurch verringerte sich der Preisunterschied, der sogenannte Brent-WTI-Spread, zwischenzeitlich so stark, wie in den letzten 32 Monaten nicht mehr. Seit ungefähr drei Jahren wurde die Nordseesorte Brent auf dem Weltmarkt teurer gehandelt als das eigentlich qualitativ leicht bessere Pendant aus US-amerikanischer Förderung, das wegen der Inlandslage des Umschlagpunktes in Cushing und den dortigen Transportengpässen durch zu geringe Pipelinekapazitäten jahrelang Preisabschläge hinnehmen musste. Der Spread betrug zeitweise weniger als 1 US-Dollar, vergrößerte sich aber zum Monatsende wieder. Zwar sanken die Preise nach schwachen Konjunkturdaten aus China in der letzten Juliwoche wieder leicht, jedoch notierten die Rohölpreise weiterhin auf hohem Niveau.

Wie im vorangegangenen Monat blieben die Metallmärkte auch im Juli unter Druck. Belastet wurden die Preise von Angebotsüberschüssen, den trüberen Konjunkturaussichten der Schwellenländer und insbesondere den chinesischen Wirtschaftsaussichten. Der Index für NE-Metalle sank im Juli um 2,3 % (in Euro: -1,5 %) und damit den fünften Monat in Folge. Verglichen mit dem Vorjahresmonat notierte der Index damit auf einem um 7,0 % (in Euro: -12,6 %) gesunkenen Niveau. Die fundamentale Ursache dafür ist in erster Linie in weltweiten Angebotsüberschüssen bei nahezu allen Industriemetallen zu finden. Das World Bureau of Metal Statistics (WBMS) sieht diesen Überhang derzeit bei allen Industriemetallen mit Ausnahme von Blei. In den vergangenen Hochpreisphasen wurden viele neue Minenprojekte realisiert; die daraus resultierenden derzeitigen Überkapazitäten drücken die Metallpreise. Die Preisrückgänge im vergangenen Monat verliefen dabei nicht linear. Kurzfristig sorgten Arbitragemöglichkeiten zwischen der Londoner Metallbörse (LME) und dem Handelsplatz in Shanghai (SHFE) sowie opportunistische Einkäufe bei gefallenen Preisen für zwischenzeitliche Preisausschläge. Langfristig entscheidend waren jedoch die durch Angebotsüberschuss und schwacher Nachfrage geprägten Fundamentaldaten. Sowohl Nickel als auch Kupfer erreichten zwischenzeitlich ein 4-Jahrestief. Der seit fünf Monaten beständige Abwärtstrend bei Eisenerz wurde hingegen gestoppt. Durch eine bessere als erwartete Stahlnachfrage zog der Preis für Eisenerz im Juli um durchschnittlich 10,6 % (in Euro: +11,5 %) deutlich an.

Der Index für Nahrungs- und Genussmittel verringerte sich im Vergleich zum Monat Juni stark um 5,4 % (in Euro: -4,6 %). Die kommende, gemeinhin als Rekordsaison eingeschätzte, Erntezeit hat begonnen. Optimale Wetterbedingungen im Juli unterstützten diese Einschätzungen zusätzlich. So rechnet das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) für diese Erntesaison beispielsweise mit knapp 14 Mrd. Buschel Mais nach letztjährig geernteten 10,8 Mrd. Bushel. Mais fiel im Juli dadurch zeitweise auf ein 33-Monats-Tief und notierte im Monatsdurchschnitt bei 5,28 US-Dollar/Bushel. Auch bei Soja drückte die entspannte Angebotslage den Preis nach unten. Die hohe Verfügbarkeit in Folge der prognostizierten Rekordernte ließ den Preis im Monatsdurchschnitt um 5,9 % (in Euro: -5,1 %) sinken. Auch Weizen verbilligte sich; wenn auch nicht im gleichen Ausmaß wie andere Agrarrohstoffe. Chinesische Importe von US-Weizen erhöhten sich wegen durch schwere Regenstürme geminderter Ernten in der Volksrepublik und stützten damit den Preis etwas. Der Teilindex für Getreide sank im Juli um 13,5 % (in Euro: -12,8 %); Ölsaaten sanken um 3,4 % (in Euro: -2,6 %).

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH.

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