News overview

15. May 2013
HWWI Policy Paper

Wachsender Pflegebedarf in Hamburg – Situation erwerbstätiger Pflegender und Herausforderungen für Hamburger Unternehmen

by Christina Boll, Susanne Hensel-Börner, Malte Hoffmann, Nora Reich
Hamburg wird in den nächsten Jahrzehnten dem bundesweiten Trend zu einem Anstieg sowohl der Zahl der älteren Personen als auch deren Anteil an der Bevölkerung folgen. Während im Jahr 2010 334.000 Einwohner Hamburgs mindestens 65 Jahre alt waren, werden es im Jahr 2030 etwa 417.000 Personen sein. Da ältere Menschen ein erhöhtes Risiko für Pflegebedürftigkeit aufweisen, wird mit einer Zunahme an pflegebedürftigen Personen in Hamburg in den kommenden Jahrzehnten gerechnet. Im Jahr 2011 waren mehr als 47.000 Personen in Hamburg als pflegebedürftig registriert, von denen knapp 19.000 allein durch Angehörige gepflegt wurden. Diese Form der Pflege hat gegenüber der ambulanten Pflege und der stationären Dauerpflege in den letzten Jahren den stärksten Zuwachs erfahren. Bei konstanten Anteilen der Versorgungsformen wird sich die Zahl der allein durch Angehörige gepflegten Personen auf etwa 22.000 im Jahr 2030 erhöhen. Da Angehörige im erwerbsfähigen Alter vermehrt erwerbstätig sein werden, ist von einer Zunahme der Bedeutung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in Hamburg auszugehen. Weil eine mangelnde Vereinbarkeit mit negativen betrieblichen Auswirkungen verbunden ist, stellt sich für Hamburger Betriebe die Frage nach den Merkmalen pflegender Beschäftigter sowie nach Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf.
13. May 2013
HWWI Policy Paper

Marktchancen in Indien – Maritime Wirtschaft

by Franziska Biermann, Raphaela Cordes, Gunnar Geyer
Die deutschen Exporte Richtung Indien (10,38 Mrd. EUR) haben derzeit einen Anteil von 0,95 % an den gesamten deutschen Ausfuhren. Als Absatzmarkt spielt das Land, auch aufgrund des geringen Pro-Kopf Einkommens, noch eine vergleichsweise geringe Rolle. Dennoch ergeben sich mittel- bis langfristig große Wachstumschancen, vor allem aufgrund der Marktgröße und der noch geringen Marktsättigung. 68,7 % der 1.190 Mio. Einwohner (2010) lebt von weniger als zwei US-Dollar pro Tag. Allerdings hat sich in den Jahren von 2004 bis 2009 mit einem jährlichen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von durchschnittlich 8,5 % eine konsumstarke Ober- und Mittelschicht gebildet, die, auch wenn sie derzeit nur einen geringen Anteil der Bevölkerung ausmacht, einen großen potenziellen Absatzmarkt vor allem für die Konsumgüterindustrie und die Energiewirtschaft bietet.
9. May 2013
HWWI Standpunkt

Deutschland hat die Wahl

by Thomas Straubhaar
Deutschland steht vor der Wahl. Am 22. September wird der Bundestag neu bestellt. Zwei Themen werden die Entscheidung bestimmen: Soll Deutschland am Euro festhalten und sollen die Steuern erhöht werden? Nimmt man die Wahlprogramme der Opposition, müsste es um Deutschland ganz schlecht stehen. Nur ein abrupter Kurswechsel könne noch das Schlimmste verhindern. Nüchtern betrachtet, ist das Gegenteil richtig. Deutschland geht es besser als jemals zuvor seit der Wiedervereinigung. Für eine fundamentale Änderung weder in die eine Richtung - weg mit dem Euro,  noch in die andere - hin zu höheren Steuern, gibt es überzeugende Argumente.
7. May 2013
HWWI Standpunkt

„Spanische Verhältnisse“ in der Bundesliga – braucht der Fußball „Financial Fairplay“?

by Henning Vöpel
Mit Bayern München und Borussia Dortmund stehen in diesem Jahr erstmals zwei deutsche Vereine im Finale der Champions League - ein großer Erfolg für den deutschen Fußball und die Bundesliga. Doch nicht zufällig wird gleichzeitig eine Diskussion über „spanische Verhältnisse“ in der Bundesliga geführt: Werden Bayern und Dortmund – ­ähnlich wie Barcelona und Madrid in Spanien – auf Jahre hinaus die Meisterschaft unter sich ausmachen – und die Bundesliga dadurch langweilig? Schon in dieser Saison war die Meisterschaft in der Bundesliga früh entschieden und das Niveau hinter Bayern und Dortmund eher schwach. Stehen Ausgeglichenheit der nationalen Liga und Wettbewerbsfähigkeit in internationalen Wettbewerben in einem Zielkonflikt zueinander?
29. April 2013
HWWI Policy Paper

Altpapier: Preisentwicklungen und Preisindizes

by Michael Bräuninger, Arno Hantzsche, Friso Schlitte, Sven Schulze
Altpapier ist bereits seit Längerem ein gefragter Sekundärrohstoff. In der Papierproduktion kommt er in großem Umfang zum Einsatz und wird zugleich mittels etablierter Erfassungssysteme in Deutschland in hohem Maße getrennt von anderen Fraktionen zurückgeholt. Zwar unterliegen die Preise für die verschiedenen Altpapiersorten im Zeitablauf merklichen Schwankungen. Jedoch hat dies in der Vergangenheit der Rückholung und dem Recycling von Altpapier keinen Abbruch getan. Gegenstand der Studie sind die Preisentwicklungen ausgewählter Altpapiersorten und deren Abbildung in Preisindizes. Die Fragestellungen sind dabei, inwieweit diese Indizes die Preisentwicklungen gut abbilden, ob ihnen dies gleichermaßen gelingt oder ob es beobachtbare und im Laufe der Zeit veränderliche Abweichungen gibt.
26. April 2013
HWWI Standpunkt

Wer braucht (noch) den Euro?

by Thomas Straubhaar
In der Diskussion, ob Deutschland mit einem Festhalten am Euro oder mit einer Rückkehr zur D-Mark eine bessere Zukunft vor sich hat, dominiert die Meinung, der Euro habe seine Wertaufbewahrungsfunktion verloren. Man hat Angst, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis eine (Hyper-)Inflation das Geldvermögen vernichtet habe. Deshalb kaufen sich viele Deutsche Sachwerte, wie Immobilien, Gold oder Schmuck. Sie wollen sich gegen einen befürchteten Wertverlust ihres Geldes durch Inflation schützen. Nur so ist erklärbar, wieso der deutsche Aktienleitindex, der Dax, im letzten Jahr 30 Prozent zulegte, obwohl die Wirtschaft praktisch stagnierte und das Bruttoinlandprodukt um weniger als ein Prozent wuchs. Völlig vernachlässigt werden in der deutschen Diskussion die beiden anderen Geldfunktionen des Euro: die Vergleichs- und die Transaktionsfunktion.
26. April 2013
HWWI Update

Zehn Jahre Agenda 2010: Vollbeschäftigung ist keine Utopie

by Michael Bräuninger, Jochen Michaelis
Der Erfolg der vor zehn Jahren eingeleiteten Hartz-Reformen ist unter Ökonomen wenig umstritten. Auf politischer Ebene ist die größte bundesdeutsche Arbeitsmarktreform der Nachkriegszeit jedoch Objekt heftiger Auseinandersetzungen. Da es sich um einen bunten Strauß an Maßnahmen handelte, lohnt sich ein differenzierender Blick auf die einzelnen Bestandteile.
26. April 2013
HWWI Update

Wachstumsmarkt Medizintechnik

by Henning Vöpel
Die globale Nachfrage nach Gesundheit wird in den nächsten Jahren weiter steigen, infolge der eher moderat wachsenden Weltwirtschaft jedoch leicht gedämpft. Im Bereich der öffentlich finanzierten langlebigen Medizintechnik dürfte sich ein stärkerer Investitionszyklus herausbilden. Insbesondere Investitionen in neuere Produkte könnten vermehrt in die Zukunft verschoben werden. Dies sind die Ergebnisse einer HWWI-Studie im Auftrag der HSH Nordbank.
26. April 2013
HWWI Update

HWWI/Berenberg Städteranking 2013

by Mark-Oliver Teuber, Jan Wedemeier
Die Entwicklung der größten deutschen Städte gestaltet sich weiterhin positiv. Insbesondere Städte tragen aufgrund ihrer Sogwirkung auf hochqualifizierte Arbeitskräfte und Unternehmen aus dem In- und Ausland in erheblichem Maße zur deutschen Wettbewerbsfähigkeit bei. Im Jahr 2010 wurden 31,9 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts in den 30 größten Städten erwirtschaftet. Das HWWI/Berenberg Städteranking vergleicht im Jahr 2013 bereits zum dritten Mal die Entwicklung und Zukunftsfähigkeit dieser Städte.
25. April 2013
HWWI Policy Report

Die Bedeutung des industriellen Sektors in der Freien und Hansestadt Hamburg

by Julia Kowalewski, Mark-Oliver Teuber
Die Hamburger Industrieunternehmen sind ein bedeutender Faktor für die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen in der Hansestadt und dem gesamten Umland. Durch eine weitreichende Branchenvielfalt bildet die Hamburger Industrie den vollständigen Wertschöpfungsprozess ab. Zudem leistet sie einen wesentlichen Beitrag zu Einkommens-, Körperschafts- und Kommunalsteuern. Ein besonderer Schwerpunkt der Hansestadt liegt zum Beispiel im Bereich des Luft- und Raumfahrzeugbaus. Aber auch andere, teilweise stark exportorientierte Industrien, bilden einen wichtigen Baustein für die ökonomische Struktur Hamburgs. Der sich mit zunehmendem Tempo beschleunigende Ausbau der erneuerbaren Energien im Zuge der Energiewende ist ein besonderer Treiber für die weitere Entwicklung des entsprechenden Hamburger Industriezweiges. Die zukünftige Entwicklung der Industrie in Hamburg wird vor dem Hintergrund einer fortschreitenden Globalisierung stattfinden, in der insbesondere stark exportabhänge Branchen in erheblichem Maße von der weltwirtschaftlichen Entwicklung abhängig sind. Dabei wird die ökonomische Entwicklung in Hamburg entscheidend von dem Strukturwandel zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft, der zunehmenden Integration von Wirtschaftsräumen über Handel und Faktormobilität sowie dem demografischen Wandel beeinflusst. Im nationalen und internationalen Standortwettbewerb können Regionen vor allem von prosperierenden Zentren profitieren, die positive Effekte auf ihr Umland ausstrahlen. Diese Einflüsse gehen auf räumliche Verflechtungen, beispielsweise durch Arbeits- und Kapitalmobilität, den interregionalen Handel und Unternehmenskooperationen zurück. Somit hat neben Hamburg selbst auch die Metropolregion künftig gute Voraussetzungen von einer sich dynamisch entwickelnden Wirtschaft in der Hansestadt zu profitieren. Inwieweit die Industrieunternehmen von dieser Entwicklung betroffen sein werden, soll im Rahmen der vorliegenden Studie näher betrachtet werden.
12. April 2013
HWWI Standpunkt

Der lange Weg von Hamburg nach Skandinavien wird endlich kürzer

by Jan Wedemeier

Die so genannte Vogelfluglinie – die Verbindung zwischen Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen auf Seeland über Falster und Lolland nach Deutschland – feiert dieses Jahr ihr 50. Jubiläum. Heute ist die Vogelfluglinie mit ihren 300 km die direkteste Verkehrsverbindung zwischen Hamburg und Kopenhagen über die Ostsee, um Güter, Innovationen und Wissen zwischen den beiden Metropolregionen zu transferieren. Der Bau der Vogelfluglinie vor 50 Jahren hat die europäische Integration von Skandinavien nach Westeuropa damals stark vorangetrieben. Die räumliche Verknüpfung wurde schnell zu einem wichtigen Meilenstein im transeuropäischen Verkehrsnetz.

5. April 2013
HWWI Standpunkt

Der Staat hat genug - Wege zu mehr Gerechtigkeit

by Thomas Straubhaar
Der Staat braucht nicht mehr Geld. Er hat genug. Das ist nicht eine ideologische Forderung ewig gestriger Neoliberaler. Es ist die Meinung von über 90 Prozent der Deutschen Mitte März. Und es geht dabei nicht um den alten Streit „weniger Staat und mehr Markt“. Die Deutschen wollen einen besseren, leistungsfähigeren und gerechteren Staat. Mehr als 90 Prozent will, dass der Staat sein Geld klüger als bislang ausgibt und künftig vor allem mehr für Bildung investiert. Die Logik des gesunden Menschenverstands der Bevölkerung ist einfach: Allein schon knappe Mittel nicht zu verschwenden, sondern besser zu verwenden, sorgt für mehr Gerechtigkeit, weil dann mehr Geld für eine Umverteilung von reich zu arm zur Verfügung steht. Ob jung oder alt, ob Frau oder Mann, ob arm oder reich – alle müssen bessere Chancen haben, ihre Talente und Fähigkeiten einzubringen um aufzusteigen und damit nicht nur den individuellen, sondern auch den gesellschaftlichen Wohlstand zu steigern. Das zu ermöglichen, muss das Ziel staatlichen Handelns sein.
25. March 2013
HWWI Update

HWWI Thüringen: Erfolgreicher Start des Modellprojektes ThürReg

by Johannes Jaenicke
Wie können Langzeitarbeitslose und ältere Arbeitslose in bedarfsdeckende stabile Beschäftigungsverhältnisse vermittelt werden? Wie lässt sich eine verbesserte Berufsorientierung der Schüler erreichen und der Fachkräftebedarf in einer vom demographischen Wandel betroffenen Region sichern? Wie kann die Identifikation von innovativen Clustern für mehr Beschäftigung genutzt werden?
25. March 2013
HWWI Update

Chancen, aber auch Risiken für Aufschwung in Deutschland

by Jörg Hinze
Nach konjunktureller Abschwächung im Laufe von 2012 ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal spürbar gesunken. Die deutsche Wirtschaft ist damit mit einem negativen Überhang von -0,3 % ins Jahr 2013 gestartet. Hauptgrund für den Abschwung war die sich ausbreitende Rezession im Euroraum, der sich auch die deutsche Wirtschaft nicht entziehen konnte.
25. March 2013
HWWI Update

Zur Ökonomie von Klimawandel und Anpassung in Hamburg

by Julia Kowalewski, Sven Schulze
Nach herrschender wissenschaftlicher Meinung sind der Klimawandel und einige seiner Folgen mittlerweile nicht mehr abzuwenden. Neben dem weiter vorhandenen Bedarf zum Schutz des Klimas ergibt sich damit auch eine zunehmende Notwendigkeit zur Anpassung an den Klimawandel.
21. March 2013
HWWI Policy Paper

Unterwertige Beschäftigung von Akademikerinnen und Akademikern – Umfang, Ursachen, Einkommenseffekte und Beitrag zur geschlechtsspezifischen Lohnlücke

by Christina Boll, Julian Sebastian Leppin
Unter deutschen Akademikern und Akademikern existiert in nennenswertem Ausmaß unterwertige Beschäftigung in Form formaler Überqualifikation für den ausgeübten Job. Rund ein Drittel der Personen beiderlei Geschlechts war im Jahr 2010, gemessen am mittleren Bildungsniveau der beruflichen Vergleichsgruppe, überqualifiziert beschäftigt. Mit der Unterwertigkeit gehen Einkommenseinbußen einher, die für Akademikerinnen sogar noch höher ausfallen als für Akademiker. Nicht nur ist die Lohnstrafe unterwertiger Beschäftigung für Akademikerinnen höher, zugleich ist es auch die Lohnprämie adäquater Beschäftigung. Unterwertigkeit ist aus gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und individueller Sicht der Betroffenen nachteilig. Politik und Unternehmen müssen daher ein Interesse daran haben, den Umfang der Unterwertigkeit zu reduzieren.
21. March 2013
HWWI Standpunkt

Fracking in Deutschland: Ja, nein, vielleicht?

by Sven Schulze
Fracking wird in Deutschland derzeit intensiv diskutiert. Grundsätzlich handelt es sich bei diesem Hydraulic Fracturing um eine Methode zum Abbau von Gasvorkommen in Tongesteinsformationen. Diese werden mit einem Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien aufgebrochen, um an das Schiefergas zu gelangen. Kernpunkt der Diskussionen über das Fracking ist nun die Abwägung zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten.
13. March 2013
HWWI Policy Paper

Mit einer Agenda 2020 ist Vollbeschäftigung möglich!

by Thomas Straubhaar
Vor zehn Jahren, am 14. März 2003, hat Gerhard Schröder seine inzwischen legendäre Agenda 2010 auf den Weg gebracht. „Wir werden Leistungen des Staates kürzen, Eigenverantwortung fördern und mehr Eigenleistung von jedem Einzelnen abordern müssen“. Das waren die zentralen Anliegen seiner Reform. Damit Vollbeschäftigung tatsächlich erreicht wird, gilt es, mit einer Agenda 2020 noch einiges zu leisten. Die Arbeitsmarktpolitik muss somit darauf fokussiert werden, Ältere so gut wie Jüngere, Frauen so gut wie Männer und Menschen mit Migrationshintergrund so gut wie Menschen ohne Migrationshintergrund in das Erwerbsleben zu integrieren. Gelingt das, dann gelingt nicht nur Vollbeschäftigung. Dann verliert auch der Fachkräftemangel seine Grundlage. Denn gerade unter den heute noch Arbeitslosen, oder nur teilweise oder nicht ihren Möglichkeiten, Fähigkeiten und Erwartungen entsprechend Beschäftigten finden sich ungenutzte Potenziale, die drohende Lücken schließen können.
13. March 2013
HWWI Policy Paper

10 Jahre Hartz-Reformen

by Michael Bräuninger, Jochen Michaelis, Madlen Sode
Zur Erinnerung: Anfang 2002 wurde bekannt, dass bis zu 70% der angegebenen 3,9 Millionen Stellenvermittlungen der Bundesanstalt für Arbeit falsch waren. Als Reaktion ist seitens der Bundesregierung die Hartz-Kommission eingesetzt worden, um Vorschläge zur Neuorganisation der Arbeitsvermittlung vorzulegen. Unterstützend galt es Maßnahmen zur Verstärkung der Suchbereitschaft der Arbeitslosen zu entwickeln. Das Resultat sind die Hartz-Gesetze, die in drei Schritten – 2003 (Hartz I und II), 2004 (Hartz III) und 2005 (Hartz IV) – verabschiedet und implementiert worden sind. Die Reorganisation der Arbeitsvermittlung stand zwar zunächst im Mittelpunkt, jedoch haben die Hartz-Vorschläge eine immer größere Spannbreite entfaltet, sodass sie aus heutiger Sicht als bis dato umfassendste Reform des bundesdeutschen Arbeitsmarktes anzusehen sind. Es bietet sich an, eine Gruppierung der einzelnen Reformmaßnahmen nach ihrer primären Stoßrichtung – Arbeitsangebot, Arbeitsnachfrage, Matching – vorzunehmen. Bis zu Beginn der 2000er Jahre war es zumindest in der Politik herrschende Meinung, dass die Arbeitslosigkeit ein Angebotsüberschuss sei und daher die Therapie bei einer Steigerung der Nachfrage nach Arbeit (z.B. via expansiver Fiskalpolitik) oder bei einer Reduktion des Angebots (z.B. via Frühverrentung) anzusetzen habe. Mit den Hartz-Reformen hat diesbezüglich ein gewisser Paradigmenwechsel stattgefunden, der Glaube an die Funktionsfähigkeit der Marktkräfte auch auf dem Arbeitsmarkt ist zurückgekehrt. Durch Schaffung von Anreizen zur Arbeitsaufnahme, sei es durch Verminderungen des Reservationslohns oder durch eine bessere Vermittlung, würde es gelingen, die Arbeitslosigkeit abzubauen. Dies setzt das Vertrauen voraus, dass das zusätzliche Arbeitsangebot lohnsenkend wirken werde und die zum Zeitpunkt der Reform noch nicht vorhandenen Arbeitsplätze in Zukunft schon noch geschaffen werden. Es war politisch mutig, eine solche Hoffnung zu hegen, aber – die Zahlen legen das nahe –, es war richtig.
6. March 2013
HWWI Standpunkt

Abzocker-Initiative: Warum die Schweiz kein Vorbild ist!

by Thomas Straubhaar
Die Schweizer haben beschlossen, der Abzocke im Management einen Riegel vorzuschieben. Das ist für die deutsche Politik in einem Wahljahr ein Steilpass, eine gesetzliche Begrenzung von Vorstandsgehältern zu fordern. Eine deutsche Kopie schweizerischer Verhältnisse ist aber mehr als fragwürdig. Dafür besteht keine Notwendigkeit. Denn mit der Abzocker-Initiative werden gleichzeitig zwei Sachverhalte angesprochen, die sich in der Summe widersprechen: einmal werden den Aktionären mehr Rechte gewährt. Das ist richtig. Dann aber werden die Aktionäre gleich wieder entmündigt, in dem Ihnen vorgeschrieben werden soll, wie sie ihre Manager entlohnen dürfen und was dabei verboten sein soll. Das ist falsch. Die Aktionärsrechte erst zu stärken, um sie dann mit dem selben Gesetz wieder zu schwächen, kann keine sinnvolle Politik sein.
28. February 2013
HWWI Update

Dr. Christina Boll neue Forschungsdirektorin

by Christina Boll
27. February 2013
HWWI Standpunkt

Leute, beruhigt Euch: Es besteht kein Grund zur Panik!

by Thomas Straubhaar
Italien hat gewählt. Und Deutschland gerät in Panik. Aufgeregte Überschriften mit Reizworten wie „Chaos“, „Alarm“, „Blockade“, „Katastrophe“ oder schlicht „Krise“ prägen die Titel deutscher Medien. In Deutschland ist man sich einig. Nach den Wahlen in Italien gehen Europa, der Euro und damit auch Deutschland harten Zeiten entgegen. Diese Sorgen schießen weit übers Ziel hinaus. Die erfreulich stabile deutsche Wirtschaft wird von den italienischen Turbulenzen nicht gebremst werden.
27. February 2013
HWWI Update

Interdisziplinäres Projekt innogesi gestartet

by André Wolf
Jüngste Ereignisse wie der Hurricane Sandy im Oktober 2012 und der Stromausfall in München im November 2012 führen uns die Abhängigkeit unseres Wirtschaftens von der Funktionsfähigkeit kritischer Infrastruktur vor Augen. Forschung mit dem Ziel einer vergrößerten Versorgungssicherheit muss in einem umfassenden Rahmen erfolgen, der technische, rechtliche und wirtschaftliche Aspekte vereint. Vor diesem Hintergrund versucht das Forschungsprojekt innogesi neue Geschäftskonzepte im Bereich Sicherheit aus einer solchen interdisziplinären Sicht heraus zu entwickeln.
27. February 2013
HWWI Update

Die politische Ökonomie der US-amerikanischen Handels- und Zuwanderungspolitik

by Paola Conconi, Giovanni Facchini, Max Friedrich Steinhardt, Maurizio Zanardi
Bei den jüngsten Präsidentschaftswahlen in den USA hat das Thema Einwanderung erneut eine prominente Rolle gespielt. Während Barack Obama aktiv für eine liberale Zuwanderungspolitik warb, stellte sein republikanischer Widersacher Mitt Romney lange die Bekämpfung der illegalen Zuwanderung in den Mittelpunkt. Obwohl der Außenhandel ähnliche Auswirkungen auf den einheimischen Arbeitsmarkt haben kann wie Zuwanderung, vertreten die Republikaner auf diesem Feld – im Gegensatz zu den Demokraten – seit vielen Jahren eine sehr liberale Position. Eine neue Forschungsstudie greift die skizzierten Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten auf und analysiert die Außenhandels- und Zuwanderungspolitik der USA aus politökonomischer Perspektive.

27. February 2013
HWWI Update

Der Weg in eine europäische Fiskalunion

by Michael Bräuninger, Henning Vöpel
Die bisherigen Maßnahmen der Politik konnten keine nachhaltige Stabilisierung der Euro-Zone bewirken. Allein die Europäische Zentralbank war hinreichend handlungsfähig und konnte zumindest kurzfristig durch ihre Interventionen und insbesondere ihre Ankündigung, im Notfall „alles Erforderliche zu tun“, um den Euro zu stabilisieren, die Märkte beruhigen. Die strukturellen Ursachen sind damit aber nicht beseitigt. Im Gegenteil: Eine fiskalpolitische Lösung muss dringend gefunden werden. Richtig konzipiert ist eine Fiskalunion die einzige Alternative zu einer „Schulden- und Inflationsunion“, wie eine Gemeinschaftsstudie von PwC und HWWI zeigt. Die Euro-Zone braucht einen konjunkturellen Ausgleichsmechanismus und einen strukturellen Konvergenzprozess.
25. February 2013
HWWI Standpunkt

Das Phantom der deutschen Klassengesellschaft

by Thomas Straubhaar
Wer behauptet, dass Deutschland eine Klassengesellschaft sei, muss eine ziemlich verzerrte Wahrnehmung der Realität haben. Wer hat in Deutschland denn die Macht und das Sagen? Wer sitzt in Bundesregierung, Bundestag und in den Landesparlamenten? Weder gibt es Dynastien, noch wird Deutschland von den Reichen regiert. Im Gegenteil während in der Vergangenheit Reichtum und Macht auf das Engste miteinander verknüpft waren, setzt sich die politische Klasse der Bundesrepublik heutzutage gerade nicht aus den materiell besser gestellten Schichten, geschweige denn Reichen, zusammen.