HWWI Update 04 2012

Staat und Wirtschaft

It's the economy, stupid! - Aber wie?

by Torben Kuhlenkasper

Welche Faktoren beeinflussen die Beliebtheit von US-Präsidenten und bestimmen das Wählerverhalten in den USA? Eine neue Studie des HWWI an der Schnittstelle zwischen Ökonomie, Statistik und Politik erlaubt eine genaue Bewertung und Quantifizierung von Clintons Ausspruch „It's the economy, stupid!“ mithilfe modernster ökonometrischer Methoden.

Wenn das amerikanische Volk im Vier-Jahres-Rhythmus aufgerufen ist, einen neuen Präsidenten zu wählen oder dem Amtsinhaber erneut das Vertrauen auszusprechen, geht dem Urnengang häufig ein besonders intensiver Vor- und Hauptwahlkampf voraus. Die Kandidatinnen und Kandidaten von Demokraten und Republikanern versuchen, mit einer Vielzahl von Themen bei Wählerinnen und Wählern um Anerkennung zu werben. Doch nicht nur in Zeiten des Wahlkampfes spielt die Anerkennung der Arbeit des amtierenden Präsidenten eine große Rolle. Meinungsumfragen evaluieren regelmäßig die Beliebtheit der Person im Oval Office. Die makroökonomische Situation der USA gehört dabei genauso zu den relevanten Themen wie militärische Konflikte sowie andere innen- und außenpolitische Themen.



Bill Clinton, der 1993 als Herausforderer der Demokraten gegen den Amtsinhaber George H. W. Bush antrat
, stellte die Bedeutung der wirtschaftlichen Situation mit seinem markanten Ausspruch „It's the economy, stupid!“ heraus. Er hat die Wahl gewonnen. Aber: Was beeinflusst die Zustimmung der Bevölkerung zur Arbeit des jeweiligen Präsidenten? Und: Wie beeinflusst die wirtschaftliche Situation das Wählerverhalten? Eine neue Studie des HWWI geht diesen Fragen nach (siehe Kasten). Im Fokus stehen dabei die makroökonomisch bedeutenden Indikatoren Inflation, Arbeitslosigkeit und Staatskonsum sowie ihre Auswirkungen auf die Beliebtheit des amerikanischen Staatsoberhauptes. Ausgangspunkt der Analyse sind Befragungen des Gallup-Instituts. Darin wird monatlich evaluiert, wie groß der Anteil in der Bevölkerung ist, der der Arbeit des Präsidenten zustimmt und mit ihr zufrieden ist.

Bisherige Untersuchungen zur Beliebtheit des Präsidenten sind durch strikte Annahmen gekennzeichnet, wie der Einfluß von Ereignissen und Faktoren, auf die Zustimmungsrate quantifiziert werden kann. Insbesondere die Annahme, die genannten makroökonomischen Variablen üben einen linearen Einfluß im zugrunde gelegten Modell, ist häufig anzutreffen, jedoch ist sie auch nicht minder fragwürdig. Die HWWI-Studie setzt hier an und „lockert“ die a-priori zu treffenden Annahmen bezüglich der Modellstruktur und erlaubt eine flexiblere und somit auch genauere Analyse. Die zum Einsatz kommende fortgeschrittene statistische Regressionstechnik erlaubt eine datengesteuerte Analyse der Einfluß nehmenden Effekte und gibt neue Einblicke in ein komplexes Wechselspiel.

Verschiedene Einzelereignisse, wie der Watergate-Skandal (stark negativer Effekt), der erste Irak-Krieg (stark positiver Effekt) und die Terroranschläge vom 11. September 2001 (stark positiver Effekt) haben die erwarteten Auswirkungen auf die Beliebtheit der jeweiligen Staatsoberhäupter. Auch innen- und außenpolitische Ereignisse wirken auf die Anerkennung der Präsidenten, was bereits aus politikwissenschaftlicher Sicht hinlänglich untersucht und veröffentlicht worden ist.

Mithilfe der verwendeten modernen Schätztechniken kann jedoch ein gemeinsamer Effekt von Inflation, Arbeitslosigkeit und Staatskonsum geschätzt werden. So führen in Zeiten hoher Inflationsraten Konjunkturprogramme zu einer steigenden Sympathie des Präsidenten in der Bevölkerung, während eine Erhöhung der Staatsausgaben in Zeiten moderater Preissteigerungen und Arbeitslosigkeit auf wenig Gegenliebe stößt. Die obige Tabelle faßt die durchschnittlichen Zustimmungsraten in der Bevölkerung sowie die relevanten ökonomischen Variablen für die Präsidenten von Dwight D. Eisenhower bis George W. Bush zusammen.


Studie

Berlemann, M.; Enkelmann, S.; Kuhlenkasper, T. (2012): Unraveling the complexity of U.S. presidential approval − A multi-dimensional semi-parametric approach, HWWI Research Paper 118, Hamburg.