Dauerhaft ungleich – berufsspezifische Lebenserwerbseinkommen von Frauen und Männern in Deutschland

Zuwendungsgeber: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
Laufzeit: April 2015 - August 2016
Status: abgeschlossen

Publikation: HWWI Policy Paper 98

Kurzbeschreibung:

Die Einkommensungleichheit der Geschlechter wird üblicherweise anhand der geschlechtsspezifischen Lohnlücke gemessen. Diese liegt aktuell bei 21%. Die Erwerbsbiografie hat daran einen nennenswerten Anteil, was auf die Bedeutung der Lebensverlaufsperspektive verweist: Die zeitpunktbezogen und im Bevölkerungsquerschnitt ermittelte Lohnlücke stellt nur eine Komponente der Ungleichheit dar. Allein auf sie zu fokussieren hieße, die Ungleichheit, die sich über das gesamt Erwerbsleben ergibt, zu unterzeichnen. Im Rahmen dieses Projekts werden Indikatoren entwickelt, die die Ungleichheit der Erwerbseinkommen der Geschlechter über den Erwerbsverlauf erfassen. Dabei wird zwischen 21 Berufssegmenten unterschieden. Da Personen verschiedene Berufe in ihrem Erwerbsleben ausüben können, erfolgt die Zuordnung der Personen zu einem Beruf über das Konzept des Hauptberufs. Die Studie verwendet Informationen von 93.722 Frauen und Männern der Jahrgänge 1950-64 aus der Stichprobe der Integrierten Arbeitsmarktbiografien (SIAB).

Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen über die Erwerbsspanne hinweg in der Tat um ein Vielfaches höhere Einkommenseinbußen hinnehmen müssen als es die Momentaufnahme des ‚Gender Pay Gap‘ nahelegt. Der mittlere ‚Gender Lifetime Earnings Gap‘ ist mit 49,8% mehr als doppelt so hoch. Frauen mit familienbedingten Auszeiten erleiden bis zum Simulationshorizont im Alter 45 beträchtliche Einkommensverluste gegenüber durchgängig vollzeitbeschäftigten Frauen gleicher Bildung im selben Beruf. Die Unterbrechungseffekte sind im Umfang weitaus höher als die Geschlechtereffekte. Dennoch bestehen auch zwischen durchgängig vollzeitbeschäftigten Frauen und Männern nennenswerte Einkommensunterschiede. Schließlich bestimmt auch die Berufswahl die Einkommensentwicklung der Männer und Frauen. Ein gender-untypisches Berufswahlverhalten junger Frauen führt jedoch nicht generell zu höheren Fraueneinkommen. Im Gegenteil: Insbesondere in sozialpflegerischen Berufen können Frauen, die auf Unterbrechungen ihrer Vollzeitbeschäftigung weitgehend verzichten, höhere Einkommen als Männer und zudem höhere Einkommen als Frauen in männerdominierten gewerblichen Berufen erzielen.

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