Staatsfinanzen: ein Thema auch für junge Menschen

Projekt der politischen Bildungsarbeit

Die Finanz- und Haushaltslage von Bund, Ländern und Gemeinden in Deutschland ist dramatisch. Selbst die „Nettozahler“ im Länderfinanzausgleich wie Bayern, Hessen, Baden-Württemberg und Hamburg weisen inzwischen enorme Schuldenberge auf. Die Verschuldung der öffentlichen Hand einschließlich der Sozialversicherungsträger hat sich in den letzten drei Jahrzehnten mehr als verdreifacht. Die Handlungsmöglichkeiten der Politik sind dadurch schon heute stark eingeschränkt. In der Öffentlichkeit werden die Auswirkungen der staatlichen Verschuldung meist nur in ihren Folgen für die Bundesrepublik als Ganzes diskutiert. Welche Bedeutung dieses Thema inzwischen auch für die Länder hat, wird hingegen oft vernachlässigt. Selbst Hamburg, das ein hohes Pro-Kopf-Einkommen und eine hohe Steuerkraft im Ländervergleich aufweist, steht inzwischen vor gewaltigen finanziellen Herausforderungen.

Die Schulden von heute sind die Steuern und Abgaben von morgen, denn die Zins- und Tilgungslasten der Kredite, die der Staat heute aufnimmt, müssen in  den folgenden Jahren und Jahrzehnten geschultert werden. Damit werden die jüngeren Generationen zu Leidtragenden der gegenwärtigen Defizitpolitik von Bund und Ländern, denn sie werden später höhere Steuern und Abgaben zahlen müssen, um die heutigen Ausgaben zu finanzieren. So wird ihnen jede Chance genommen, in Zukunft auch nur annähernd die heute als selbstverständlich geltenden Leistungen des Staates nutzen zu können.

Das Interesse der jungen Generationen an dieser brisanten Zukunftsfrage ist jedoch nur gering. Öffentliche Finanz- und Haushaltspolitik gilt unter Jugendlichen entweder als hoch kompliziert, langweilig oder dröge. Dass die gegenwärtige Haushaltspolitik die Gestaltungsmöglichkeiten ihrer eigenen Zukunft direkt beeinflusst, ist jungen Menschen oft nicht bewusst.

Welche Ziele verfolgen wir mit dem Projekt?

Das Projekt "Hamburgs Staatsfinanzen – Entwicklung und Zukunft" soll

  • ein ausgeprägtes Problembewusstsein für die Haushaltslage Hamburgs schaffen –  vor allem bei jüngeren Menschen ab 16 Jahren;
  • Grundlagenwissen über finanzwissenschaftliche Themen vermitteln – z. B.: Welche Aufgaben haben Staat, Länder und Kommunen? Welche Einnahmen und Ausgaben haben die verschiedenen Gebietskörperschaften? Wie wird ein Haushalts- und Finanzplan aufgestellt? Welche Risiken birgt eine fortschreitende Verschuldung? Welche Kriterien sind bei der Budgetaufstellung zu beachten?
  • Denkanstöße geben und Einsichten fördern für notwendige Veränderungen in der Hamburger Haushaltspolitik;
  • das politische Bewusstsein und die kommunikative Kompetenz stärken;
  • die breite Öffentlichkeit für finanz- und haushaltspolitische Fragen sensibilisieren.

Was sind die wesentlichen Bestandteile des Projekts?

Das Projekt ist mehrstufig angelegt und hat zwei zentrale Bestandteile:

  • Entwicklung eines Simulationsspiels für Schüler und junge Erwachsene, das solides finanzwirtschaftliches und haushaltspolitisches Wissen vermittelt und den neusten Standards der politischen und ökonomischen Bildungsarbeit entspricht. Dabei sollen vor allem die methodisch-didaktischen Aspekte einer eigenständigen politischen Urteilsbildung von Schülerinnen und Schülern berücksichtigt werden. 
  • Veröffentlichung des Buches „Merkur, Macht und Moneten“ von Uwe Bahnsen, das eine verständliche Darstellung und Analyse der Entwicklung der Hamburger Finanz- und Haushaltslage seit Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Gegenwart enthält. Historisch interessierte Leser finden hier umfassende und detaillierte Erläuterungen der haushaltspolitischen Abstimmungsprozesse in verschiedenen Zeitperioden.

Das Buch zum Projekt

Uwe Bahnsen: Merkur, Macht und Moneten – Ein Streifzug durch die Hamburger Staatsfinanzen

Dieser Streifzug durch sechs Jahrzehnte hamburgischer Staatsfinanzen schildert Höhen und Tiefen, Siege und Niederlagen in der Haushaltspolitik der Freien Hansestadt. Uwe Bahnsen untersucht, wie es dazu kommen konnte, dass Hamburg, eine Metropole mit einer gewaltigen Kasse, jahrzehntelang über seine Verhältnisse lebte und sich einen Schuldenberg aufbürdete, dessen Folgen der Stadt die Luft abzuschnüren drohen. Und er geht der Frage nach, welche Lehren heute aus den vergangenen Jahrzehnten gezogen werden können.

Uwe Bahnsen, Jahrgang 1934, in Hamburg geboren und aufgewachsen, hat in der Hansestadt Volkswirtschaft und Geschichte studiert und ist seit 1958 Journalist, seit 1975 Hamburg-Korrespondent der „Welt“ mit den Schwerpunkten Politik und Wirtschaft, Autor zahlreicher zeithistorischer und stadtgeschichtlicher Veröffentlichungen, darunter „Die Katakombe“ über das Ende in der Berliner Reichskanzlei 1945 und die Doppelbiographie „Die Weichmanns in Hamburg“. (Quelle: Verlagstext)

Das Buch ist seit Dezember 2006 im Buchhandel und der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg erhältlich.

Kooperationspartner

Das Projekt „Hamburgs Staatsfinanzen – Entwicklung und Zukunft“ ist eine Public-Private-Partnership zwischen der Behörde für Bildung und Sport und dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI). Das HWWI hat gleichzeitig die zentrale Federführung des Projektes übernommen. Fachlich wird das HWWI von der Landeszentrale für politische Bildung und der Finanzbehörde unterstützt. Weitere wichtige Kooperationspartner und Förderer sind das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg und die „Zeit“-Stiftung. Die Zusammensetzung des Projektteams und die Kooperation der genannten Institutionen gewährleisten eine breit angelegte Aufarbeitung der Thematik.

Das Projekt „Hamburgs Staatsfinanzen – Entwicklung und Zukunft“ wurde im Dezember 2005 von der Finanzbehörde der Stadt Hamburg und dem HWWI initiiert. Projektstart war im März 2006.

Projektbeirat

Das auf drei Jahre angelegte Projekt „Hamburgs Staatsfinanzen – Entwicklung und Zukunft“ wird von einem Projektbeirat begleitet. Diesem Beirat gehören an:

Jens Peter Dehne, Direktor am Rechnungshof der Freien und Hansestadt Hamburg 

Rüdiger Kruse, finanz- und haushaltspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft

Dr. Wilfried Maier, kultur- sowie finanz- und haushaltspolitischer Sprecher der GAL-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft

Frank Neubauer, Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler Hamburg

Ralf Niedmers (CDU), Vorsitzender des Haushaltsausschusses der Hamburgischen Bürgerschaft

Matthias Schwark, Geschäftsführer der Patriotischen Gesellschaft von 1765

Walter Zuckerer, finanz- und haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft

Die Geschäftsführung wird durch die Finanzbehörde sichergestellt.

Ansprechpartnerin

Dörte Nitt-Drießelmann
Telefon
+49 (0)40 34 05 76 - 664
Fax
+49 (0)40 34 05 76 - 776

Planspiel - FidZ

Schwerpunkt des Projekts "Hamburgs Staatsfinanzen – Entwicklung und Zukunft" war die Entwicklung des Planspiels "FidZ", mit dem Jugendliche und junge Erwachsene für die Grundlagen, Funktionsweisen und Auswirkungen staatlicher Finanz- und Haushaltspolitik sensibilisiert werden sollen. Für FidZ existiert eine eigene Homepage. Dort finden Sie umfassende Informationen über das Spiel.

www.fidz.org