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Hamburg, Städte und Regionen

Die Bevölkerung, aber auch Unternehmen, Produktionsfaktoren und infrastrukturelle Einrichtungen sind ungleichmäßig im Raum verteilt. So gibt es auf der einen Seite Millionenstädte und städtische Großräume, in denen sich Einwohner und Unternehmen auf wenigen Quadratkilometern zusammenballen. Auf der anderen Seite existieren wenig verdichtete, dünn besiedelte Regionen, in denen nur wenige Unternehmen ansässig sind. Während die schon heute bedeutenden Regionen und Agglomerationsräume zukünftig wachsen und weitere Arbeitskräfte sowie Kapital anziehen werden, schrumpfen andere Regionen und verlieren damit ihre wirtschaftliche Basis.

Im Zuge des demografischen Wandels und der Globalisierung der Wirtschaft wird sich der Standortwettbewerb zwischen den Städten und Regionen nicht nur in Deutschland sondern weltweit weiter verschärfen. Die beobachtbaren räumlichen Entwicklungsprozesse stellen Stadt- und Regionalpolitik vor immense Herausforderungen. Welche Auswirkungen sind zu erwarten? Wo liegen die zukünftigen Chancen, wo die bedeutenden Probleme einzelner Städte und Regionen? Auf welche Fragen müssen Politiker, Unternehmen oder Verbände vordringlich Antworten finden? Mit welchen Analysen und Empfehlungen kann ihnen die Stadt- und Regionalökonomie dabei helfen?

Stadtökonomie

Städtische Räume gewinnen national wie international als attraktive Wohnorte und als eng vernetzte, innovative und kreative Produktionsstandorte an Bedeutung. Dabei führt das hohe Tempo der Urbanisierung zu einem intensiven Wettbewerb um die begrenzten städtischen Ressourcen und Angebote. Dieses zeigt sich beispielsweise in Form von Wohnungsmangel und Gentrifizierung, Umweltbelastungen oder überlasteter Infrastruktur.

Fragen zur Stadtentwicklung und des urbanen Lebens betrachtet der Forschungsbereich aus volkswirtschaftlicher Perspektive: Die Stadtökonomie analysiert die Nutzung des knappen städtischen Raumes wie auch die Wechselwirkungen, die sich für private und öffentliche Haushalte, Unternehmen, Politiker und Behörden infolge der dichten Besiedelungen und der Vielfalt der Akteure in Städten und ihrem Umland ergeben. Dazu gehören beispielsweise Fragen zum Ausweis von Gewerbe-, Wohn- und Freizeitflächen, zur Entwicklung der Immobilienmärkte sowie zur Bewertung geplanter Infrastrukturprojekte oder Stadtentwicklungsmaßnahmen.

Basis der Untersuchungen des Forschungsbereichs sind umfangreiche Datenanalysen und empirisch gestützte Modelle, die die städtischen Marktprozesse abbilden und die Abschätzung der Wirkungen langfristiger Trends und Politikmaßnahmen ermöglichen.

Regionalökonomie

In der Regionalökonomie stehen strukturelle Gegebenheiten und wirtschaftliche Entwicklungen auf regionaler Ebene im Fokus. Dabei verfügt das HWWI über besondere Expertise für den norddeutschen Raum sowie die großen deutschen Metropolregionen. Auf europäischer Ebene stehen der Nord- und Ostseeraum im Zentrum der Analysen.

Basierend auf Analysen spezifischer Standortfaktoren - wie etwa der demografischen Entwicklung, der Verfügbarkeit und Qualifikation von Arbeitskräften, der Innovationsintensität, der Erreichbarkeit oder auch der Lebensqualität - werden die Wettbewerbsfähigkeit und die damit einhergehenden künftigen Wachstumspotenziale einer Region ermittelt. Darüber hinaus zählen die Bereitstellung von Infrastrukturen, die Entwicklung spezifischer Branchen und Cluster sowie die Situation des Mittelstands und der Existenzgründer zu den klassischen regionalökonomischen Fragestellungen.

Unsere Analysen erfolgen auf Basis fundierter empirischer Auswertungen der amtlichen Statistiken und verfügbarer Forschungsdatensätze sowie eigener ökonomischer Modelle. Um ein möglichst umfassendes Bild der aktuellen Situation, Trends und Herausforderungen in einer Region zu erhalten, führt das HWWI auch eigene Erhebungen und Umfragen durch. Unter Einbezug der maßgeblichen Akteure werden zudem Handlungsempfehlungen an Politik und Wirtschaft formuliert. Daneben evaluiert das HWWI bereits bestehende regionalpolitische Strategien und Programme auf allen Körperschaftsebenen.

Forschungsbereiche

Standortbestimmung und Entwicklungspotenziale von Städten und Regionen

Für die Standortanalyse deutscher Städte und (Metropol-)Regionen werden Standortbedingungen untersucht und auf ihre Zukunftsfähigkeit hin bewertet. Der Vergleich zentraler Entwicklungstrends mit denen erfolgreicher Städte und Regionen ermöglicht die Ableitung von spezifischen Handlungsansätzen zur Stärkung der Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit.

Regionale Entwicklungsunterschiede sind das Resultat einer Vielzahl unterschiedlich ausgeprägter regionsspezifischer Standortfaktoren und verlaufen in sich selbst verstärkenden Wachstums- beziehungsweise Schrumpfungsprozessen. Neben den spezifischen Standortfaktoren einer Stadt oder Region müssen daher auch globale und nationale makroökonomischen Entwicklungen in die Analyse einbezogen werden, um Wachstumspotentiale zu ermitteln und Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Schrumpfende Regionen stellen die Politik vor besondere Aufgaben. Insbesondere die Sicherung einer flächendeckenden Daseinsversorgung – z.B. der Zugang zu Schulen und Ärzten – und Infrastruktur – wird zur Herausforderung. Die Entwicklung ist in vielen Regionen zwar nicht aufzuhalten, jedoch müssen Zukunftskonzepte entwickelt werden, wie negative Folgen für die verbleibende Bevölkerung abgemildert werden können, bzw. welche alternativen zukünftigen Entwicklungspfade Chancen versprechen.


Mobilität und Infrastruktur

Zentrale Voraussetzung für Mobilität in Städten und Regionen ist die (Verkehrs-) Infrastruktur und der Ausbau des Personennahverkehrs. Sie entscheiden darüber, wie schnell, wie oft und wie pünktlich Güter und Personen von einem Ort zu einem anderen gebracht werden können. Zuverlässigkeit ist entscheidend für die Planbarkeit und Durchführung von Transporten und damit wichtige Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit von Städten und ganzen Regionen. Neben der Verkehrsinfrastruktur werden auch sonstige Infrastruktureinrichtungen in die Betrachtung einbezogen.


Immobilien

Immobilienmärkte sind von zentraler Bedeutung für Städte und Regionen. Immobilien bilden nicht nur die bedeutendste Vermögensklasse in Städten und Regionen, attraktive und erschwingliche Immobilienangebote sind zudem ein entscheidender Standortfaktor für die Ansiedlung neuer Unternehmen und qualifizierter Arbeitskräfte.

Das HWWI hat langjährige Erfahrung bei der ökonomischen Analyse der Immobilienmärkte. Mit dem HWWI-Wohnungsmarktmodell können regionale Entwicklungen der Wohnungs- und Häusermärkte, z.B. die Nachfrage- und Angebotsentwicklung sowie die Preisentwicklung, analysiert und projiziert werden. Ein weiterer Ansatz sind (hedonische) Preisanalysen, mit deren Hilfe die Auswirkungen orts- oder quartierspezifischer Charakteristika auf die Immobilienpreise ermittelt werden können.


Branchenprofile

Die wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt oder Region wird maßgeblich durch ihre Branchenstruktur beeinflusst. Eine hohe regionale Konzentration dynamischer Branchen oder ein passender Branchenmix erhöht die Wachstumspotenziale. Umgekehrt wird die lokale Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit einer Branche von den gegebenen Standortbedingungen, wie beispielsweise der Verfügbarkeit geeigneter Mitarbeiter oder dem Angebot von spezifischen Infrastrukturen, sowie ihrer spezifischer Strukturmerkmale am Standort bestimmt. Darüber hinaus hängt das lokale Entwicklungspotenzial einer Branche von langfristigen, globalen Branchentrends ab, die am Standort nicht beeinflusst werden können.

Um die Situation sowie die möglichen Entwicklungsperspektiven einer Branche zu analysieren, müssen sowohl die spezifischen Eigenschaften eines Standorts als auch relevante, lokale Branchenmerkmale und globale Branchentrends in die Betrachtung einbezogen werden. Eine Möglichkeit zur Untersuchung der Bedeutung einer Branche für einen regionalen Wirtschaftsraum stellt eine Analyse der branchenübergreifenden Vorleistungsverflechtung dar. So können beispielsweise zusätzlich zur Branchenentwicklung auch indirekte und induzierte Einkommens- und Beschäftigungseffekte in anderen Branchen bestimmt werden.


Mittelstand und Existenzgründung im Fokus

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) leisten vielerorts einen entscheidenden Beitrag zur zukunftsorientierten wirtschaftlichen Entwicklung einer Stadt oder Region. In vielen Städten und insbesondere in ländlichen Räumen ist die mittelständische Wirtschaft Hauptträger von Beschäftigung und Ausbildung. Existenzgründungen stärken die regionale Innovationskraft und schaffen zukunftsfähige Beschäftigung in der Region.

Der Mittelstand steht durch die Globalisierung unter hohem Wettbewerbsdruck. Um die Wachstums- und Beschäftigungspotenziale von KMU voll ausschöpfen zu können, bedarf es mittelstandsgerechter Rahmenbedingungen sowie einer gezielten und problemadäquaten Förderung. Beides setzt fundierte und fortlaufende Analysen über Lage und die besonderen Anforderungen der mittelständischen Wirtschaft voraus.

Forschungsleitung

Prof. Dr. Alkis Henri Otto

Tel.:  +49 (0)40 34 05 76 - 332

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