Pressemitteilung

11. Dezember 2012

Rezession im Euroraum infiziert deutsche Konjunktur

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland aktualisiert. Das konjunkturelle Gesamtbild hat sich nicht wesentlich geändert. Wie erwartet, konnte sich die deutsche Wirtschaft nicht mehr der Eurokrise und der sich im Euroraum ausbreitenden Rezession entziehen. Im laufenden Quartal ist sogar mit einem Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts zu rechnen. Allerdings erwartet das HWWI keine Rezession. Vielmehr sollte sich die Konjunktur ab Jahresbeginn 2013 allmählich wiederbeleben und später auf einen moderaten Wachstumspfad zurückkehren. Für 2013 wird unverändert mit einem Wirtschaftswachstum von ½ % gerechnet, nach ¾ % für 2012. Die Risiken für eine ungünstigere Entwicklung bleiben angesichts der Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Eurokrise, des möglichen „fiscal cliff“ in den USA und der Spannungen in Nahost aber erheblich. Der Aufschwung am Arbeitsmarkt ist zunächst gestoppt, sollte im Laufe des kommenden Jahres aber ebenfalls wieder aufgenommen werden. Inflationsdruck wird unter diesen Bedingungen nicht aufkommen, der Verbraucherpreisanstieg daher zunächst knapp unter 2 % bleiben.

Nach gutem Start zu Jahresbeginn hat sich die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland im Laufe dieses Jahres mehr und mehr verlangsamt, im Schlussquartal ist sogar ein Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion zu erwarten. Hauptursache für diesen Abschwung war, dass sich die deutsche Wirtschaft immer weniger der im Euroraum ausbreitenden Rezession entziehen konnte. Die Nachfrage aus den Euroländern ist kräftig gesunken. Überdies verlor in anderen Regionen der Welt die Wirtschaft zeitweilig an Schwung. Die Verunsicherung durch die Eurokrise und die Verschlechterung der Konjunk-turerwartungen schlugen sich besonders in einer zurückhaltenden Investitionstätigkeit der Unternehmen nieder. Wenn dies alles nicht noch stärker die deutsche Konjunktur belastete, dann, weil die Exporte in die Länder außerhalb des Euroraums deutlich zunahmen. Überdies wurde weiter kräftig in den Wohnungsbau investiert. Die private Konsumnachfrage hat im abgelaufenen Jahr, gestützt durch die hohe Beschäftigung und stärker steigende Löhne, insgesamt moderat zugenommen. Die konjunkturelle Abschwächung macht sich inzwischen auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Der Anstieg der Beschäftigung ist ausgelaufen und die Arbeitslosigkeit hat leicht zugenommen.

Trotz des ungünstigen Jahresausklangs 2012 überwiegt für 2013 die Hoffnung auf eine Besserung der Konjunktur in Deutschland. Einige Stimmungsindikatoren haben sich stabilisiert und deuten auf eine Bodenbildung hin. Sicherlich gibt es nach wie vor erhebliche Risiken, wobei insbesondere die Eurokrise zu nennen wäre, des Weiteren das sogenannte „fiscal cliff“ in den USA. Für den Haushaltsstreit in den USA wird davon ausgegangen, dass die Parteien sich soweit einigen, dass das moderate Wachstum dort nicht abgebremst wird. In der Eurozone dürfte sich die Situation nach den Kreditzahlungen an Griechenland aufs Erste etwas entspannen und angesichts der Rezession in vielen Ländern werden diese vorläufig kaum neue Sparmaßnahmen ergreifen. Mit dem Nachlassen der kontraktiven Wirkungen früherer Maßnahmen sollten die rezessiven Tendenzen in der Eurozone abflauen und in der zweiten Jahreshälfte könnte dann eine allmähliche Wiederbelebung einsetzen. In anderen Regionen der Welt scheint die Wachstumsschwäche bereits überwunden.



Bei dieser Entwicklung der Weltwirtschaft werden im nächsten Jahr wieder zunehmende Impulse vom Welthandel kommen. Mit günstigeren Exportaussichten dürfte sich auch die Investitionszurückhaltung der Unternehmen auflösen. Zusammen mit nach dem diesjährigen Einbruch sich wieder stabilisierenden öffentlichen Investitionen dürften dann diese bislang kontraktiven Effekte von binnenwirtschaftlicher Seite wegfallen. Der private Konsum und der Wohnungsbau werden 2013 weiterhin stützend wirken. Die Kaufkraft der privaten Haushalte wird trotz leichter, aber wohl nur vorübergehender Beschäftigungsrück-gänge dank der Lohnsteigerungen insgesamt weiter zunehmen. Der starke Anstieg der Baugenehmigungen und Aufträge lässt eine Fortsetzung der regen Wohnungsbautätigkeit erwarten. Der Staat wird mit Blick auf die angestrebte Konsolidierung seine konsumtiven Ausgaben nur mäßig erhöhen. Da die Importe eher etwas stärker als die Exporte zunehmen, werden insgesamt gesehen die maßgeblichen Wachstumsbeiträge von der Binnennachfrage kommen.

Unter diesen Bedingungen wird sich die deutsche Konjunktur im ersten Halbjahr 2013 wieder allmählich beleben und im weiteren Jahresverlauf an Schwung gewinnen. Im Durchschnitt von 2013 wird das Wirtschaftswachstum wegen des gedämpften Jahresanfangsniveaus aber mit 0,5 % geringer sein als 2012
(0,8 %). Mit der konjunkturellen Erholung dürfte auch die Beschäftigung wieder zunehmen und die Arbeitslosigkeit sinken. Inflationsdruck wird unter diesen Bedingungen nicht aufkommen, der Verbraucherpreisanstieg daher zunächst unter der Stabilitätsmarke von 2 % bleiben.

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