Pressemitteilung

08. Juli 2014

Rohölpreise lassen den HWWI-Rohstoffpreisindex ansteigen

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist auf US-Dollar-Basis im Juni im Vergleich zum Vormonatsdurchschnitt um 1,7 % und in Euro bewertet um 2,8 % angestiegen. Hauptverantwortlich für den Anstieg waren die Ölpreise, die um 2,6 % (in Euro: +3,7 %) höher notierten. Die NE-Metalle verteuerten sich ebenfalls um 1,2 % (in Euro: +2,3 %). Die anderen Rohstoffe verbilligten sich hingegen. Dementsprechend sank der Index ohne Energie um 2,1 % (in Euro: -1 %). Besonders gaben dabei der Index für Getreide mit 8 % (in Euro: -7 %) und der Index für Eisenerz und Stahlschrott mit 7 % (in Euro: -6 %) nach.

Im Verlauf des Monats verschärfte sich die Lage im Irak, als Extremisten große Landesteile im Norden einnahmen. Zwischenzeitlich drohten sie mit einem Angriff auf die irakische Hauptstadt Bagdad. Im Zuge dessen sprang der Preis für die Ölsorte Brent auf ein Neunmonatshoch von über 115 US-Dollar pro Barrel. Hinter Saudi Arabien ist der Irak der zweitgrößte Ölproduzent innerhalb der OPEC. Zwar befindet sich der weitaus größte Teil der Ölförderanlagen im Süden des Iraks, doch die Möglichkeit einer weiteren Destabilisierung des Landes beunruhigte die Marktteilnehmer. Als sich die Lage im Irak wieder etwas entspannte, ging der Preis für Brentöl auf rund 112 US-Dollar pro Barrel zurück, was immer noch über dem Preisdurchschnitt in Höhe von rund 109 US-Dollar im Zeitraum von Anfang Januar bis Ende Juni 2014 liegt. Im Monatsdurchschnitt Juni lag der Brentölpreis bei 111,84 US-Dollar pro Barrel, während der Preis für Dubai-Öl bei 108,33 US-Dollar notierte. Dies entspricht einem Anstieg von 2 % bzw. 2,5 % im Vergleich zum Monat Mai.

Der Index für NE-Metalle stieg im Mai um 1,2 % (in Euro: +2,3 %). Die stärksten Preissteigerungen verzeichnete dabei Aluminium mit 4,8 % (in Euro: +5,9 %) und Zink mit 3,2 % (in Euro: +4,3 %). Die Preiserhöhungen beim Zink wurden durch ein Defizit auf dem Markt ausgelöst, nachdem jahrelang ein Angebotsüberschuss vorlag. Große Bergbaukonzerne reduzierten Kapazitäten und verzögerten die Eröffnung neuer Minen mit dem Ziel, das Angebot zu senken. Gleichzeitig bleibt die Zinknachfrage aufgrund der weiterhin starken weltweiten Nachfrage nach Autos oder Haushaltsgeräten hoch. Das geringere Angebot führte im Vergleich zu den letzten Jahren zu wesentlich niedrigeren Zinklagerbeständen an der Londoner Metallbörse. Beim Aluminium war ebenfalls die Angebotsseite verantwortlich für die Preissteigerung. Auch hier reduzierten Anbieter ihre Kapazitäten und der indonesische Ausfuhrbann auf Bauxit, aus dem hauptsächlich Aluminium produziert wird, stützte die Preise.

Im Juni ging der Nickelpreis um 4,7 % (in Euro: -3,7 %) zurück. Damit korrigierte der Nickelpreis weiter nach unten: Zwischen Januar 2014 und Mitte Mai war der Preis hauptsächlich wegen der indonesischen Ausfuhrbeschränkungen noch um gut 52 % (in Euro: +51,8 %) angestiegen. Beim Eisenerz setzten sich die Preisrückgänge der vergangenen Monate fort und es kostete weniger als 90 US-Dollar pro Tonne – so wenig wie zuletzt im September 2012. Der sinkende Eisenerzpreis im Mai hat dazu beigetragen, dass sich Eisenerz seit Jahresbeginn um nun rund 30 % in US-Dollar als auch in Euro bewertet verbilligt hat. Beim Eisenerz wirkte sich preisdämpfend aus, dass zusätzliche Mengen an Eisenerz besonders aus Australien auf dem internationalen Eisenerzmarkt angeboten wurden.

Der Teilindex für Nahrungs- und Genussmittel ist im Juni um 4,6 % (in Euro: -3,6 %) gesunken. Besonders haben die Getreidepreise nachgegeben. Gerste und Mais verbilligten sich um 8,8 % (in Euro: knapp -8 %), während die Preise für Weizen um 9 % (in Euro: -8 %) und für Sojabohnen um 3,2 % (in Euro: -2,1 %)  sanken. Gute Ernteprognosen in den USA lösten gegen Ende Juni starke Preisrückgänge bei Mais und Sojabohnen aus. Gleichzeitig geriet der Weizenpreis unter Abwärtsdruck, da das US-amerikanische Agrarministerium seine Schätzungen für die Anbauflächen beim Weizen in den USA anhob. Die Entwicklungen auf den US-amerikanischen Agrarmärkten spielen eine wichtige Rolle für die Preisbewegungen auf dem internationalen Markt, da die USA der weltweit größte Exporteur von Weizen und Mais sowie der zweitgrößte hinter Brasilien bei Sojabohnen sind.

Auch der Kaffeepreis gab im letzten Monat nach und sank um 7 % (in Euro: -6 %). Die Schäden an den Bäumen, die durch eine extreme Trockenheit Anfang des Jahres in Brasilien entstanden sind – dem Hauptanbauland für hochwertigen Arabica-Kaffee – scheinen geringer zu sein als zunächst befürchtet. In dem Zeitraum von Anfang Januar bis Ende April 2014 hatte sich der Index für Kaffee noch um 71 % (in Euro: 69 %) verteuert. Dagegen stieg im letzten Monat der Kakaopreis um 4,8 % (in Euro: +5,9 %) weiter an. In der zurückliegenden Zeit ersetzten die Bauern in der zentralen Anbauregion in Westafrika witterungsempfindliche Kakaobäume durch Kautschukbäume. Dies dürfte sich aber nun möglicherweise rächen, denn während der Kautschukpreis seit Anfang 2013 bis Ende Juni 2014 um 41,7 % (in Euro: -43,1 %) fiel, verzeichnete der Kakaopreis ein Plus von 39 % (in Euro: +35,7 %). Sorgen, dass das Angebot die steigende Nachfrage mittel- bis langfristig nicht mehr erfüllen kann, bestimmen den Kakaomarkt. „Die in den letzten Jahren stark zugenommene Nachfrage nach Schokolade aus Asien und Europa dürfte sich auch in den nächsten Jahren fortsetzten und den Kakaopreis unterstützen“, sagt Leon Leschus, Rohstoffexperte am HWWI. „Jedoch ist davon auszugehen, dass gestiegene Preise aufgrund einer höheren Nachfrage mittelfristig zu Reaktionen bei den Kakaobauern führen werden. Sie dürften ihre Angebotsmengen mithilfe eines verstärkten Einsatzes von Pilz- und Insektenvernichtungsmitteln erhöhen, was die Preisanstiege auf dem Kakaomarkt in der Folge begrenzen würde.“

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH.

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