Pressemitteilung

05. September 2014

Sinkende Ölpreise lösten einen Rückgang beim HWWI-Rohstoffpreisindex aus

Im August ist der HWWI-Rohstoffpreisindex im Vergleich zum Monatsdurchschnitt Juli auf US-Dollar-Basis um 4,2 % und in Euro um 2,6 % gesunken. Zu dem Rückgang beim Index trugen vor allem die niedrigeren Ölpreise bei. Aber auch Getreide verbilligte sich weiter um 3,5 % (in Euro: -1,8 %). Damit notiert Getreide in beiden Währungen um nahezu 19 % niedriger als noch vor einem Jahr. Während der Index für „Eisenerz und Stahlschrott“ um 1,7 % sank, verbilligten sich die „Agrarischen Rohstoffe“ um 0,9 % (in Euro: +0,8 %). Gegen den Trend sinkender Rohstoffpreise entwickelte sich der Index für NE-Metalle, der um 1,3 % (in Euro: +3 %) anstieg. Doch in dem Index entwickelten sich die Metalle sehr unterschiedlich. Während sich Aluminium um 4,4 % (in Euro: +6,2 %) verteuerte, gingen die Preise von Nickel, Kupfer und Zinn zurück.

Im Laufe des August waren starke Preisrückgänge beim Rohöl zu verzeichnen. Zeitweise lag der Preis für die europäische Leitsorte Brent unter der psychologischen Marke von 100 US-Dollar pro Barrel, während er Anfang Juli noch bei über 110 US-Dollar gelegen hatte. Im Vergleich zum Monatsdurchschnitt Juli notierte Brent-Öl im August um 5 % (in Euro: -3,4 %) niedriger. Die US-amerikanische Leitsorte WTI verbilligte sich sogar um 6,4 % (in Euro: -4,8 %). Sowohl Sorgen um die weltweite Konjunktur als auch die gestiegene US-amerikanische Rohölproduktion drückten den Ölpreis nach unten. Da die USA mehr eigenes Rohöl fördern, reduziert sich ihre Nachfrage auf dem internationalen Ölmarkt. Das von den USA nicht mehr abgenommene Rohöl wird mit einem Preisnachlass auf dem globalen Markt angeboten. Damit sanken die Ölpreise trotz der unsicheren Lage im Nahen Osten, in Nordafrika und in Nigeria. Die Risiken rund um die kriegerischen Auseinandersetzungen im Irak und Libyen traten dabei in den Hintergrund. Auch das Auftreten des Ebola-Virus in der nigerianischen Hafenstadt Port Harcourt – von dort wird ein großer Teil des Rohöls aus dem Nigerdelta verschifft – führte nicht dazu, dass die Ölpreise auf ihren Stand von Anfang August zurückkehrten. Nigeria, Libyen und der Irak sind wichtige Ölproduzenten innerhalb der OPEC. 

Zum Anstieg des Index für NE-Metalle im August trug vor allem Aluminium bei. Gegen Ende des Monats erreichte der Aluminiumpreis mit über 2.100 US-Dollar pro Tonne einen Jahreshöchststand. Zuletzt war das Leichtmetall im Februar 2013 so teuer. Seit Januar diesen Jahres stieg der Aluminiumpreis um 17,7 % (in Euro: +20,3 %) an. Die Preisanstiege bei Aluminium sind durch eine verstärkte Nachfrage zu erklären. Aufgrund seiner guten Leiteigenschaften und Leichtigkeit wird das Metall zunehmend von der Automobil- und Flugzeugindustrie, aber auch von der Elektronikbranche nachgefragt. Da gleichzeitig außerhalb Chinas Produktionskapazitäten reduziert wurden, wird in dem laufenden und nächsten Jahr mit einem Nachfrageüberschuss auf dem Aluminiummarkt gerechnet.

Nickel verbilligte sich um 2,5 % (in Euro: -0,8 %) und Eisenerz um 3,5 % (in Euro: -1,9 %). Im Mai hatte der Nickelpreis noch ein Zweijahreshoch von nahezu 22.000 US-Dollar pro Tonne erreicht. Seitdem ist der Preis um 12,9 % (in Euro: -9,5 %) gefallen. Gründe für den Preisrückgang sind auf Erwartungen zurückzuführen, dass Indonesien seine Exportbeschränkungen auf Nickelerze lockern und sich die chinesische Nickelnachfrage zunehmend abschwächen könnte. Auch der Eisenerzpreis sank aufgrund schwächerer Zahlen aus der chinesischen Industrie. China benötigt für sein Wirtschaftswachstum große Mengen an Eisenerz, vor allem für die Produktion von Stahl und ist weltweit der größte Eisenerzabnehmer. Zusätzlich drückte auf den Eisenerzpreis, dass in den letzten Monaten große Mengen an Eisenerz auf den Markt gebracht wurden, sodass der Eisenerzpreis auf ein Zweijahrestief fiel und im Monatsdurchschnitt bei 92,65 US-Dollar pro Tonne notierte. Im Vergleich zu dem Stand vor einem Jahr entspricht dies einem Minus von 32,3 %.

Der Index für Nahrungs- und Genussmitteln ist im letzten Monat um 2 % (in Euro: -0,3 %) gesunken. Dabei ist der Unterindex „Getreide“ um 3,5 % (in Euro: -1,8 %) und der für „Ölsaaten, Öle“ um 6,2 % (in Euro: -4,6 %) zurückgegangen, während sich die Genussmittel um 3,6 % (in Euro: +5,3 %) verteuerten. Die sehr guten Ernteerwartungen in den USA sind weiterhin der Hauptauslöser für die Preisrückgänge bei Sojabohnen um 10,2 % (in Euro: -8,7 %), bei Mais um 5,5 % (in Euro: -3,9 %) und bei Weizen um 2,7 % (in Euro: -1,1 %). Die Preisrückgänge beim Weizen fielen vergleichsweise gering aus, da Marktteilnehmer befürchteten, dass sich die ukrainischen Weizenexporte aufgrund der Auseinandersetzungen im Osten des Landes reduzieren könnten. Dies würde insbesondere dann drohen, wenn sich die Kämpfe auf den wichtigen Handelshafen Mariupol ausdehnen würden. Hinter Australien, Kanada, der EU, Russland und den USA ist die Ukraine der sechstgrößte Weizenexporteur. Kaffee verteuerte sich im Index um 6,9 % (in Euro: +8,7 %), weil Befürchtungen aufkamen, dass die Dürre in Brasilien zu Jahresbeginn stärker als zuvor angenommen die kommende Erntesaison beeinträchtigen könnte. Brasilen ist in der Welt das zentrale Anbauland für den hochwertigen Arabica-Kaffee.



Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH.

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