Konjunktur

Aufschwung in Deutschland hält weiter an

06.03.2018 | Pressemitteilung | von Jörg Hinze, Henning Vöpel
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Aktuelle HWWI-Konjunkturprognose

- HWWI belässt Wachstumsprognose für 2018 bei 2,1 Prozent 
- Zyklische Abschwächung in 2019 auf 1,6 Prozent
- Arbeitsmarkt nahe Vollbeschäftigung

(Hamburg, 06. März 2018) Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der Wirtschaftsentwicklung für 2018/2019 in Deutschland nach Vorlage der gesamtwirtschaftlichen Ergebnisse für 2017 überarbeitet. Für das reale Bruttoinlandsprodukt wird unverändert gegen-über der Jahresendprognose 2017 für 2018 von einem Wachstum von 2,1 Prozent und für 2019 von einem von 1,6 Prozent ausgegangen. Die Arbeitsmarktsituation wird sich unter diesen Bedingungen weiter verbessern und mehr und mehr der Vollbeschäftigung annähern. Die Inflationsrate für die Verbraucherpreise hatte bereits im Verlauf von 2017 zeitweilig die 2-Prozent-Marke erreicht und wird dies nach einem basisbedingten leichten Rückgang in den ersten Monaten dieses Jahres wieder tun.

Im Detail
Die deutsche Wirtschaft befindet sich nun schon seit 2014 in einem dynamischen, kräftigen Aufschwung – und ein Ende ist von fundamentaler Seite her vorläufig nicht zu erkennen. Wie sich die externen, vor allem weltpolitischen Risiken entwickeln, ist ohnehin kaum vorhersehbar. Sicherlich nehmen in einigen Bereichen, wie in der Bauwirtschaft, die Anspannungen zu. Doch die Investitionstätigkeit der Unternehmen hat zugenommen und verhindert eine Überhitzung der Wirtschaft, und auch seitens der Politik  sind – zumindest im Prognosezeitraum 2018/2019 – keine bremsenden Maßnahmen zu erwarten. Im Verlauf von  2017 hat sich die Konjunktur sogar noch günstiger entwickelt als es die jahresdurchschnittliche Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 2,2 Prozent widerspiegelt. Nachdem zuvor die wichtigsten Wachstumsimpulse von der Inlandsnachfrage kamen, haben zuletzt auch die Exporte wieder kräftig expandiert. Unter diesen günstigen Bedingungen wurden neue Beschäftigungshöchststände erreicht; die Arbeitslosenrate hat sich nahezu der Vollbeschäftigungsmarke von 5 Prozent angenähert. Die Inflationsrate für die Verbraucherpreise bewegt sich seit Monaten zwischen 1 ½ und 2 Prozent.

Der Aufschwung hat eine breite Basis und dürfte sich mit nur wenig nach-lassendem Tempo fortsetzen. Dafür sprechen eine Reihe fundamentaler Faktoren. Die hohe Kapazitätsauslastung und günstige Finanzierungsbedingungen stimulieren die Investitions- und die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen. Die Beschäftigungsausweitung und etwas höhere Tarifabschlüsse werden über steigende Einkommen weiterhin den privaten Verbrauch stützen. Die Bautätigkeit wird nicht nur angesichts der dank nach wie vor günstiger Zinsen hohen Nachfrage im Wohnungsbau, sondern zunehmend auch vom Wirtschaftsbau sowie aufgrund der guten Finanzlage des Staates auch im öffentlichen Bau, nicht zuletzt in die Infrastruktur, hoch bleiben. Die wieder gefestigtere Weltwirtschaft erhöht zudem die Auslandsnachfrage und Exporte. Gleichwohl werden, da die gute Binnenkonjunktur auch die Importe erhöht, netto vom Außenbeitrag kaum Wachstumsimpulse kommen. Alles in allem dürfte sich folglich der Aufschwung fortsetzen und auch zyklisch bedingt wohl nur wenig an Dynamik verlieren. Im Jahresdurchschnitt 2018 dürfte die deutsche Wirtschaft erneut um gut 2 Prozent wachsen. Die Beschäftigung wird dabei weiter zügig zunehmen, die Arbeitslosenrate dürfte im weiteren Jahresverlauf knapp unter die 5-Prozent-Marke sinken. Die Inflationsrate der Verbraucherpreise wird sich nach einem basisbedingten Rückgang in den ersten Monaten dieses Jahres wieder der 2-Prozent- Marke annähern.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem klassischen zyklischen Aufschwung. Die deutsche Wirtschaft wächst nach unserer Vorausschätzung für 2018 dann schon im fünften Jahr stärker als der Potenzialpfad. Mit einer zyklischen Verlangsamung der Konjunkturdynamik ist folglich zu rechnen. Ausgehend von den Investitionen, deren gegenwärtig hohe Dynamik mit zunehmender Anpassung der Kapazitäten sich verringern wird, werden in der Folge auch der Anstieg der Beschäftigung und damit der der Einkommen und der des privaten Verbrauchs nachlassen. Dieser Prozess dürfte 2018 allmählich einsetzen und sich dann deutlicher in der jahresdurchschnittlichen Wachstumsrate von 2019 niederschlagen, die auf 1,6 Prozent veranschlagt wird. Die Beschäftigungszunahme würde sich verlangsamen, die Arbeitslosigkeit gleichwohl weiter sinken, auch im Jahresdurchschnitt unter die Vollbeschäftigungsmarke von 5 Prozent. Der Preisauftrieb würde bei dieser Konjunkturentwicklung auf gut 2 Prozent anziehen. Die auslaufende Sonderkonjunktur ist von der neuen Bundesregierung hinsichtlich der Finanzierung ihrer Agenda einzubeziehen. 

Die Risiken für eine anhaltend positive Entwicklung der Wirtschaft liegen vornehmlich auf externer Seite. Aktuell auszumachen sind von Seiten der Politik die Konflikte um Nordkorea und im Nahen Osten. Wirtschaftspolitisch geht momentan gewisse Unsicherheit von der Geldpolitik in den USA aus; bereits in jüngster Zeit sind die Zinsen auch hierzulande merklich angezogen. Bei einer höheren Inflationsentwicklung dürfte der Druck auf die Zentralbanken zunehmen. Politische Risiken gehen ferner von möglicherweise beginnenden Handelskonflikten aus. 

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Vollständige Darstellung der makroökonomischen Aggregate (PDF)

Autoren

Jörg Hinze
Prof. Dr. Henning Vöpel