Konjunktur

Aktuelle HWWI-Konjunkturprognose im Juni 2017

07.06.2017 | Pressemitteilung | von Jörg Hinze, Henning Vöpel

Wirtschaft in Deutschland auf Wachstumskurs

- Guter Start der Konjunktur in diesem Jahr
- Wirtschaft wächst 2017 um 1,3 Prozent, kalenderbereinigt um 1,6 Prozent

(Hamburg, 07. Juni 2017) Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der Wirtschaftsentwicklung in Deutschland nach gutem Jahresstart 2017 angehoben. Eine wegen des milden Winterwetters hohe Bautätigkeit sowie ein hoher Außenbeitrag bei trotz guter Binnenkonjunktur schwachen Importen sorgten im ersten Quartal 2017 für eine außerordentliche Zunahme des Bruttoinlandsprodukts. Das dürfte im weiteren Jahresverlauf teilweise korrigiert werden. Für das Wirtschaftswachstum wird für 2017 nunmehr mit 1,3 Prozent und für 2018 weiterhin mit 1,6 Prozent gerechnet. Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bleibt weiterhin positiv; allerdings sank zuletzt die Arbeitsproduktivität. Der Preisanstieg bewegt sich nach der Energieverteuerung inzwischen nahe der 2-Prozent-Marke.

 

Im Detail

Die deutsche Wirtschaft ist gut ins Jahr 2017 gestartet. Dazu haben alle Verwendungsaggregate beigetragen. Dabei wurde die Bautätigkeit allerdings durch die milde Witterung besonders begünstigt. Und der Außenbeitrag nahm nicht zuletzt deshalb deutlich zu, weil die Importe trotz günstiger Binnenkonjunktur schwächelten. Selbst der private Konsum nahm trotz verstärkter Teuerung spürbar zu. Das lag auch daran, dass die  Beschäftigung – und damit die Einkommen – weiter kräftig ausgeweitet wurde; und zwar so stark, dass sogar die Arbeitsproduktivität sank. Zur Stimmungsbesserung in den letzten Monaten trug zudem die Verringerung der politischen Risiken, insbesondere in Europa, bei.

Der Aufschwung dürfte sich im weiteren Verlauf dieses Jahres fortsetzen, wenn auch nicht im Tempo der ersten Monate. Die zu erwartende „Normalisierung“ der Bautätigkeit und beim Außenbeitrag haben für sich gesehen einen vorübergehenden leichten Dämpfungseffekt. Auch wird die Beschäftigung – und damit die Einkommen – kaum im bisherigen Tempo weiter zunehmen. Die Bauinvestitionen, insbesondere im Wohnungsbau, werden angesichts der niedrigen Zinsen weiter gut laufen und das Investitionsklima in den Unternehmen dürfte sich angesichts des europafreundlichen Ausgangs der Wahlen in einigen Nachbarländern etwas aufhellen, wenngleich die protektionistischen Äußerungen speziell aus den USA einem deutlicheren Investitionsschub entgegenstehen. Der Anstieg der staatlichen Konsumausgaben hat sich bereits dem verringerten Flüchtlingszustrom angepasst. Alles in allem wird die deutsche Wirtschaft daher etwa auf seinen Wachstumstrend, der aktuell bei gut 1 ½ Prozent liegt, zurückkehren. Wegen des in diesem Jahr stark negativen Kalendereffekts (-0,3 Prozent) wird die jahresdurchschnittliche Wachstumsrate lediglich 1,3 Prozent betragen.

Die Arbeitsmarktsituation wird sich weiter positiv entwickeln. Die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt dürfte zwar langsamer zunehmen, doch der Anstieg der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten dürfte weiterhin darüber liegen, nicht zuletzt weil geringfügige Beschäftigungsverhältnisse bei guter Konjunktur umgewandelt werden. Die Inflationsrate der Verbraucherpreise hat sich nach dem Wiederanstieg der Öl- und anderer Rohstoffpreise bei 2 Prozent eingependelt. Bei zu erwartender Stabilisierung der Preise auf den Vorstufen werden die Verbraucherpreise weiter etwa in dem Tempo steigen.

In den ersten Monaten dieses Jahres haben sich die durch die Politik bedingten Unsicherheiten für die Wirtschaft zum Teil bereits aufgeklärt. Für Verunsicherung sorgt aber nach wie vor der unklare wirtschaftspolitische Kurs der US Regierung; hier wird davon ausgegangen, dass die Auswirkungen gemäßigter ausfallen als bestimmte Äußerungen befürchtet lassen könnten. Dann würden sich die Unsicherheit und damit die Zurückhaltung bei den Unternehmensinvestitionen sowie die dämpfenden Einflüsse im Außenhandel weiter verringern. Die konjunkturelle Dynamik könnte dann 2018 wieder etwas zulegen, und das reale Bruttoinlandsprodukt würde im Jahresdurchschnitt 2018 um 1,6 Prozent wachsen. Die Inflationsrate der Verbraucherpreise dürfte sich bei 2 Prozent halten.

Die Risiken haben sich für die deutsche Wirtschaft durch die europafreundlichen Wahlausgänge in den Niederlanden und Frankreich reduziert und die Auswirkungen des Brexit sind durch die lange Verhandlungsdauer großteils erst einmal aufgeschoben. Was die USA betrifft, bleibt aber weiterhin nur zu hoffen, dass sich die Politik an den Realitäten orientiert. In einigen Schwellenländern scheint sich zwar die Wirtschaft zu beleben, die zwei größten Volkswirtschaften, China und USA, haben momentan aber eher Mühe, das bisherige Wachstumstempo zu halten. In den USA scheint die eingeleitete Zinswende bereits erste Bremsspuren zu zeigen. Insgesamt sind die Chancen für eine günstigere Entwicklung als hier beschrieben und die Risiken für eine schlechtere etwa ausgeglichen.


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Vollständige Darstellung der makroökonomischen Aggregate

Autoren

Jörg Hinze
Prof. Dr. Henning Vöpel