Deutsche Wirtschaft trotzt der Euro-Krise

05.03.2012 | Pressemitteilung

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland aktualisiert und um das Jahr 2013 erweitert. Für 2012 wird unverändert mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 % gerechnet, für 2013 mit einem von 1 ½ %. Die guten binnenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen stützen die Konjunktur und mit einer Wiederbelebung der Auslandsnachfrage im Laufe des Jahres wird erwartet, dass die deutsche Wirtschaft nach dem schwachen Winterhalbjahr auf ihren Aufwärtstrend zurückkehrt. Die Risiken für eine ungünstigere Entwicklung bleiben allerdings erheblich. Die Perspektiven am Arbeitsmarkt bleiben günstig, auch wenn sich der bis zuletzt starke Anstieg der Beschäftigung nicht so fortsetzen dürfte. Der Preisauftrieb dürfte sich, vorausgesetzt die Ölpreise beruhigen sich wieder, abflauen und die Inflationsrate wieder unter 2 % sinken.

Während die Eurozone insgesamt auf dem Weg in die Rezession ist, sind die Perspektiven für die deutsche Konjunktur vergleichsweise positiv. Die deutsche Wirtschaft kann sich angesichts der engen Außenhandelsbeziehungen mit den Euroländern dem Negativtrend in vielen dieser Länder zwar nicht gänzlich entziehen. Die stabile Binnenwirtschaft, ausgebaute Handelsbeziehungen nach Übersee und nicht zuletzt die bereits in der Vergangenheit durchgeführten Reformen machen sie aber robust gegen die von den europäischen Krisenländern ausgehenden kontraktiven Effekte. So ist denn die deutsche Wirtschaft nach dem kräftigen Aufholprozess nach der vergangnen Finanzkrise im Winterhalbjahr 2011/2012 zwar in eine Wachstumsdelle gerutscht. Die stabile Binnennachfrage kompensiert aber weitgehend die schwächere Auslandsnachfrage und nach der Verabschiedung der jüngsten EU-Beschlüsse und mit dem Abklingen der dämpfenden Einflüsse von dieser Seite dürfte die deutsche Konjunktur schon bald wieder auf einen moderaten Expansionspfad zurückkehren.

Nach dem kräftigen Aufschwung bis Herbst vergangenen Jahres hat sich die deutsche Konjunktur im Winterhalbjahr merklich abgeschwächt. Wahrscheinlich ist das reale Bruttoinlandsprodukt infolge der stark zurückgegangenen Nachfrage aus den EU-Mitgliedsländern wie schon Ende letzten Jahres auch zu Beginn dieses Jahres geringfügig gesunken. Gleichwohl wurde die Beschäftigung noch ausgeweitet, die saisonbereinigte Arbeitslosenquote ist unter 7 % gesunken. Dadurch verbessert sich weiter die Einkommenssituation, was zum einen den privaten Konsum stützt und zum anderen bei historisch niedrigen Zinsen die Wohnungsbaunachfrage ankurbelt. Die Verunsicherung durch die Eurokrise belastet allerdings die Neigung der Unternehmen zu Investitionen; diese stagnierten zuletzt. Die Preisentwicklung hat durch die neuerliche Energieverteuerung im Moment wieder Auftrieb erhalten.




Die guten binnenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen stützen die deutsche Konjunktur. Und mit Beruhigung der Eurokrise nach den jüngsten Hilfsmaßnahmen für Griechenland dürften auch die kontraktiven Effekte von dieser Seite nachlassen. Das bedeutet, die Auslandsnachfrage aus der EU wird sich stabilisieren und die Unternehmen werden ihre Investitionen wieder erhöhen. Die Konjunktur in den USA entwickelt sich günstiger als noch vor einiger Zeit erwartet und China hat bereits Maßnahmen zur Festigung seiner Expansion ergriffen. Deshalb sind von der Auslandsnachfrage insgesamt auch bald wieder positive Impulse zu erwarten. Die deutsche Wirtschaft würde dann auf ihren, wenn auch nicht mehr so steilen Wachstumspfad zurückkehren. Die Beschäftigung würde weiter leicht ausgeweitet, zumal viele Unternehmen auch bei schwächerer Produktion ihre Fachbelegschaft halten. Der Preisauftrieb bliebe gering und würde knapp unter der Stabilitätsschwelle von 2 % bleiben.

Die Perspektiven für 2013 werden mehr noch als für dieses Jahr durch die weitere Entwicklung der Euro-Schuldenkrise bestimmt. Hier wurde unterstellt, dass bei den Problemländern die Einsicht eingekehrt ist, dass nur nachhaltige Reform- und Konsolidierungsmaßnahmen Vertrauen und Stabilität zurückgewinnen und die Basis für eine mittel- bis längerfristig wieder bessere Entwicklung legen können und diese entsprechend umsetzen. Das würde die Konjunktur im Euroraum in diesem Jahr spürbar dämpfen, für die Mehrzahl der Länder im nächsten Jahr aber von dem abgesenkten Niveau wieder Erholungspotenzial bieten. Das würde die für Deutschland im weiteren Verlauf dieses Jahres erwartete Aufwärtstendenz festigen, auch wenn die europaweiten Anpassungsprozesse die Konjunkturdynamik eindämmen. Unter solchen Bedingungen ist für 2013 ein Wirtschaftswachstum in der Größenordnung von 1 ½ % zu erwarten. Bei erneuter Eskalation der Euro-Schuldenkrise oder der Situation um den Iran würden die Risiken für eine ungünstigere Entwicklung allerdings deutlich zunehmen.

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