Gender Pay Gap im öffentlichen Dienst unverändert bei knapp 6 Prozent

01.03.2018 | Pressemitteilung | von Christina Boll, Andreas Lagemann
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HWWI-Studie zur geschlechtsspezifischen Verdienstlücke in Deutschland

- 5,6 Prozent Gender Pay Gap im öffentlichen Dienst 
- Lohnlücke in der Privatwirtschaft mit 24,0 Prozent etwa viermal so hoch

(Hamburg, 01. März 2018) Unter den Gesamtbeschäftigten in Deutschland blieb der Gender Pay Gap im öffentlichen Dienst 2014 mit 5,6 % quasi unverändert gegenüber 2010 und war weiterhin in der Privatwirtschaft etwa viermal so hoch. Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sind im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft im Osten weniger stark ausgeprägt als im Westen. Das sind zentrale Ergebnisse einer neuen Studie „Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen im öffentlichen Bereich und in der Privatwirtschaft – Höhe, Entwicklung  2010-2014 und Haupteinflussfaktoren“, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) erstellt hat. Die Studie wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

Für Gesamt- und Westdeutschland gilt, dass die Lohnlücke in Sektor P (Erziehung und Unterricht) in beiden Jahren etwas über dem Wert von Sektor O (Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung) liegt. Anders in Ostdeutschland: Hier erhielten männliche und weibliche Beschäftigte des Sektors O in beiden Jahren etwa gleich hohe Löhne und Gehälter. Im Sektor P verkehrte sich der Lohnvorsprung der Frauen 2010 bis zum Jahr 2014 in einen Lohnnachteil. „Der öffentliche Dienst bietet den Frauen besonders in den ostdeutschen Bundesländern gegenüber der Privatwirtschaft attraktive Verdienstmöglichkeiten“, sagt Dr. Christina Boll, Forschungsdirektorin am HWWI und Autorin der Studie. „Kombiniert mit dem vergleichsweise hohen Beschäftigtenanteil der ostdeutschen Frauen im öffentlichen Dienst trägt dies zu einem deutlich niedrigeren ostdeutschen Gender Pay Gap im Vergleich zum westdeutschen Wert bei“, so Boll.

Nicht nur in der Privatwirtschaft, auch im öffentlichen Dienst verdienen Frauen in Teilzeitjobs mehr als Männer. „Der Lohnvorsprung der Frauen gegenüber den Männern unter den Teilzeitbeschäftigten ist auf den verhältnismäßig hohen Anteil der geringfügig Beschäftigten, von Arbeitnehmern mit befristeten Verträgen und die kürzere Betriebszugehörigkeit unter den Männern zurückzuführen“, sagt Andreas Lagemann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am HWWI und zweiter Autor der Studie.

In Vollzeitjobs ist es umgekehrt, hier verdienen Männer mehr als Frauen. „Der erklärte Teil des Gender Pay Gaps unter den Vollzeitbeschäftigten wird von der Leistungsgruppe geprägt. Männer arbeiten öfter in leitenden Positionen als Frauen“, sagt Lagemann. In der Privatwirtschaft und im Sektor O liegt der Anteil mit 11 Prozent beziehungsweise 15 Prozent bei den Männern knapp über dem der Frauen mit jeweils rund 7 Prozent. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen im Sektor P ist diesbezüglich wesentlicher gravierender als im Sektor O und in der Privatwirtschaft. Während fast zwei Drittel der vollzeitbeschäftigten Männer der obersten Leistungsgruppe zugeordnet sind, ist es unter den vollzeitbeschäftigten Frauen nur ein Drittel. „Die Ergebnisse unserer Studie unterstreichen einmal mehr die Notwendigkeit, die Zugangschancen der Geschlechter zu leitenden Positionen zu überprüfen, auch im öffentlichen Dienst“, resümiert Boll.

Anmerkung zur Grafik: Wie die Abbildung zeigt, sind die Verdienstlücken im öffentlichen Dienst insgesamt in beiden Jahren 2010 und 2014 niedriger als die jeweiligen Werte der Komponenten O und P. Dies ist darin begründet, dass Sektor P durch ein höheres Verdienstniveau im Vergleich mit Sektor O sowie durch einen besonders hohen Frauenanteil an den Beschäftigten gekennzeichnet ist. Bei der Ermittlung der Gesamtverdienstlücke des öffentlichen Dienstes wirkt sich das höhere Gehaltsniveau in Sektor P daher für die Frauen deutlich stärker aus als für die Männer.

Die HWWI-Studie basiert auf arbeitnehmer- und betriebsbezogenen Mikrodaten der Verdienststrukturerhebung (VSE) 2010 und 2014. Sowohl die Methodik der Oaxaca-Blinder-Zerlegung als auch die Liste der verwendeten erklärenden Variablen orientiert sich am Vorgehen des Statistischen Bundesamts (2010). Der dieser Studie zugrunde liegende Datensatz enthält 2.560.795 Arbeitnehmende in Deutschland (2010: 1.723.782; 2014: 837.013).

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Download der Studie

Autoren

Dr. Christina Boll
Andreas Lagemann