Konjunktur

Konjunktur: Deutsche Wirtschaft mit positivem Ausblick auf 2016

07.12.2015 | Pressemitteilung | von Anja Rossen, Henning Vöpel

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland aktualisiert. Aufgrund der in den letzten Monaten schwächeren Entwicklung der Weltwirtschaft wird für dieses Jahr nunmehr ein Wirtschaftswachstum von 1,7 % erwartet. Für das kommende Jahr rechnet das HWWI weiterhin mit einem Wachstum von 1,7 %. Nichtsdestotrotz hat die deutsche Wirtschaft auch im Sommerquartal ihren moderaten Wachstumskurs fortgesetzt und ist mit 0,3 % im Vergleich zum Vorquartal ähnlich stark wie in den vorangegangenen Quartalen gewachsen. Dieser Trend sollte sich im Prognosezeitraum fortsetzen, so dass die Voraussetzungen für einen anhaltenden Aufschwung im nächsten Jahr weiter gegeben sind.  

Getragen wurde das Wachstum im dritten Quartal überwiegend vom privaten und staatlichen Konsum. Der Staatskonsum ist mit einer Rate von 1,3 % im Vergleich zum Vorquartal gestiegen. Gleichzeitig sind angesichts der gestiegenen Unsicherheit bezüglich der Entwicklung der Weltwirtschaft die Analageinvestitionen im Sommer leicht gesunken. Aber auch der Außenhandel und ein deutlicher Vorratsabbau trugen negativ zum Wachstum bei. So wuchsen die Importe mit 1,1 % deutlich stärker als die Exporte mit 0,2 %, so dass der Außenbeitrag insgesamt einen leicht negativen Wachstumsimpuls von -0,4 Prozentpunkten lieferte. Der Preisdruck hat sich in den vergangenen Monaten aufgrund der nicht weiter sinkenden Energiepreise wieder leicht erhöht. Dennoch lag die Inflationsrate mit 0,4 % im November immer noch deutlich unter der 2 %-Stabilitätsmarke. Die positive Entwicklung des Arbeitsmarktes hat sich im Sommer fortgesetzt. Während die Beschäftigung weiter gestiegen ist, ist die Zahl der Arbeitslosen im November auf den niedrigsten Stand seit mehr als 24 Jahren gefallen.

Stimmungsindikatoren wie der ifo-Geschäftsklima-Index und der ZEW Indikator sind zuletzt wieder gestiegen. Dennoch zeigte sich das weltwirtschaftliche Wachstum im Sommer weniger dynamisch. Vor allem Sorgen um das Wachstum in den Schwellenländern haben die Unsicherheit auf den Märkten in den vergangenen Monaten wieder erhöht. Im Euroraum zeigt sich weiterhin eine moderate, wenn auch langsamere Erholung, die sich im Prognosezeitraum weiter festigen dürfte. Unter der Annahme, dass sich diese gestiegenen Risiken nicht materialisieren, dürfte die Weltwirtschaft im Prognosezeitraum insgesamt moderat wachsen. 

Im Prognosezeitraum wird der private und staatliche Konsum wichtigste Wachstumsstütze bleiben. Der private Konsum profitiert von der guten Arbeitsmarktlage und den steigenden Reallöhnen. Das Staatskonto sollte im Prognosezeitraum leicht positiv bleiben. Mehrausgaben aufgrund steigender Sozialleistungen (Rentenanpassungen, Erhöhung der Bruttolöhne und -gehälter), erhöhten Ausgaben bedingt durch die Flüchtlingshilfen und staatlicher Investitionen stehen steigende Einnahmen aus der Einkommenssteuer und den Sozialbeiträgen gegenüber. Der Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt sollte im Prognosezeitraum mit leicht verringertem Tempo anhalten.



Für ein Anziehen der Investitionstätigkeit im nächsten Jahr sprechen die nach wie vor günstigen Finanzierungsbedingungen und der steigende gesamtwirtschaftliche Auslastungsgrad. „Nichtsdestotrotz könnte eine unerwartet schwache Entwicklung der Weltwirtschaft, allem voran eine Zuspitzung der Situation in China, die Unsicherheit der Unternehmen wieder erhöhen, so dass sich die Investitionsneigung verringert und der angelegte Investitionsaufschwung sich weiter verzögert“, sagt Dr. Anja Rossen, Konjunkturexpertin am HWWI. Die Exporttätigkeit Deutschlands sollte mit Belebung des Euroraums weiter zunehmen, so dass der Außenbeitrag im Prognosezeitraum positiv zum Wachstum beitragen wird. Die Preisdynamik dürfte auch in den nächsten Monaten niedrig bleiben. Sollte die Energiepreise nicht weiter fallen, ist allerdings damit zu rechnen, dass sich der Preisdruck aufgrund des Wegfallenden Basiseffekts im Verlauf des nächsten Jahres wieder erhöht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf der letzten Sitzung ihre Geldpolitik weiter gelockert, allerdings in geringerem Ausmaß, als dies von den Finanzmärkten erwartet worden war.

Das größte konjunkturelle Risiko stellen derzeit die Schwellenländer dar. Sofern sich die derzeitigen Korrekturen an den Finanzmärkten nicht zu einer Krise verschärfen, bleibt die deutsche Wirtschaft auf Wachstumskurs. Gleichzeitig stellt die anstehende Zinswende der amerikanischen Zentralbank (Fed) immer noch ein Risiko vor allem für die Entwicklung in den Schwellenländern in Verbindung mit einem möglichen Kapitalabzug dar. Es ist davon auszugehen, dass die Fed lediglich einen ersten Zinsschritt zum Ende des Jahres vollzieht. „Insgesamt besteht die Hoffnung, dass sich in 2016 viele der vor allem politisch bedingten Risiken für die Weltwirtschaft reduzieren und die deutsche Wirtschaft ihren Wachstumskurs fortsetzen kann“, sagt Prof. Dr. Henning Vöpel, Direktor des HWWI.

Vollständige Darstellung der makroökonomischen Aggregate

Autoren

Prof. Dr. Henning Vöpel