In diesem Jahr hat die Hamburg Kreativ Gesellschaft mbH den ersten Kreativwirtschaftsbericht für Hamburg vorgelegt. Das HWWI hat hierfür den statistischen Teil erarbeitet, der die ökonomische Bedeutung einzelner Teilmärkte aufzeigt. Dabei wird auch auf Hamburgs Position als Standort der Kultur- und Kreativwirtschaft im Städtevergleich eingegangen.
Die Kultur- und Kreativwirtschaft (im Folgenden Kreativwirtschaft) ist ein expandierender Wirtschaftszweig und wichtiger Arbeitgeber, der in den deutschen Städten – auch in der Hansestadt Hamburg – an Bedeutung gewinnt. Dabei zählen nach der statistischen Erfassung in Deutschland zu dieser Branche die Musik-, Film- und Rundfunkwirtschaft, der Buchmarkt, der Kunstmarkt, die darstellende Kunst, die Designwirtschaft, Architektur, die Werbewirtschaft, der Pressemarkt und die Software-/Games-Industrie.
Insgesamt gab es in den Branchen der Kreativwirtschaft in Hamburg im Jahr 2008 im öffentlichen und im privaten Sektor rund 79.000 Arbeitsplätze. Die Anzahl der Unternehmen in der Kreativwirtschaft lag bei annähernd 13.000. Damit gehört fast jede siebte Hamburger Firma diesem Wirtschaftszweig an. Dabei sind die Arbeitsplätze sehr unterschiedlich auf die einzelnen Teilmärkte verteilt: Die Software-/Games-Industrie, der Werbemarkt, die Designwirtschaft und der Pressemarkt stellen 84,5 % aller Arbeitsplätze. Die Unternehmen der Kreativwirtschaft erwirtschaften 2,8 % aller Umsätze der Hamburger Unternehmen, wobei hiervon auf den Pressemarkt als Branchenschwergewicht ein Drittel entfällt.
Hamburg bietet gute Voraussetzung für eine weitere positive Entwicklung der Kreativwirtschaft. Kreative Unternehmen siedeln sich häufig in einem urbanen Umfeld an, weil es dort eine hohe Konzentration von Menschen mit Kreativ- und Kulturberufen gibt. In Deutschland zeigt sich bereits eine Spezialisierung der Großstädte auf Kreativbranchen. Tabelle 1 stellt die ökonomische Bedeutung der Kreativwirtschaft in den vier größten deutschen Städten dar. Mit 80.887 Erwerbstätigen im privaten Sektor der Kreativwirtschaft hatte Berlin im Jahr 2008 die höchste Anzahl von Arbeitsplätzen in diesem Bereich aufzuweisen, gefolgt von München und Hamburg. Setzt man diese Zahlen in Relation zur Erwerbstätigkeit insgesamt in der jeweiligen Stadt, weist München mit 8,1 % die größte Kreativwirtschaftsquote aus. In Hamburg entfallen 6,7 % der Arbeitsplätze auf die Kreativwirtschaft, in Köln sind es 6,6 % und in Berlin 5,7 %.
In der Software-/Games-Industrie findet sich in allen vier betrachteten Städten die höchste Anzahl an Arbeitsplätzen. Dabei ist dieser Teilmarkt sehr heterogen: Er umfasst Betätigungsfelder wie die Entwicklung von Buchhaltungsprogrammen genauso wie das Webdesign. Der zweitstärkste Teilmarkt ist in allen Städten der Werbemarkt. In den weiteren Teilmärkten liegt die Erwerbstätigkeit in allen Städten deutlich unter 10.000 Personen. Eine Ausnahme stellt lediglich die Filmwirtschaft in Berlin mit mehr als 12.000 Erwerbstätigen dar.
Insgesamt ist die relative Bedeutung der einzelnen Teilmärkte in den betrachteten Städten sehr ähnlich. Dabei lassen sich drei Branchen identifizieren, in denen die Hansestadt gemessen an der Zahl der Arbeitsplätze führend in Deutschland ist. Dies sind der Werbemarkt, der Pressemarkt und die Designwirtschaft.
Im Zeitraum von 2003 bis 2008 hat sich die Zahl der Arbeitsplätze in der Kreativwirtschaft sehr dynamisch entwickelt. München (+22,2 %) und Berlin (+21,1 %) verzeichneten dabei die höchsten Zuwächse. Mit diesen Wachstumsraten lag die Kreativwirtschaft in diesen Städten deutlich oberhalb der Dynamik der Arbeitsplatzentwicklung im Durchschnitt aller Branchen in Deutschland (+4 %). In Köln lag der Anstieg der Erwerbstätigenzahlen zwischen 2003 und 2008 bei 13,7 %, in Hamburg bei 9,7 %.
Im Städtevergleich entwickeln sich in Hamburg die vier Teilmärkte Musikwirtschaft, Markt für darstellende Kunst, Architekturmarkt sowie besonders die Software- und Games-Industrie positiv. Insgesamt weist die Hansestadt somit in zahlreichen Kreativbranchen bereits eine hohe Anzahl von Arbeitsplätzen auf und viele Teilmärkte entwickeln sich dynamisch. Damit trägt die Kreativwirtschaft auch zum wissensbasierten Strukturwandel in Hamburg bei, denn sie bietet zahlreiche Betätigungsfelder für qualifizierte Arbeitskräfte.
Nitt-Drießelmann, D.; Stiller, S.; Wedemeier, J. (2012): Kreativwirtschaftsbericht 2012 für Hamburg, Teilbericht 1 „Die statistische Analyse“.