HWWI Insights 03 2011

Die Themenfelder des HWWI

Das HWWI analysiert sozio-ökonomische Trends und deren Bedeutung für Hamburg und ganz Deutschland. Die Forschung und Beratung des HWWI stehen für wissenschaftlichen, interdisziplinären Sachverstand und praxisbezogene Expertise. Unsere Themenfelder sind:

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Demografie, Migration und Integration

Die deutsche Gesellschaft ist durch einen starken demografischen Wandel geprägt, in dessen Zuge das Erwerbspersonenpotenzial innerhalb der nächsten Jahrzehnte signifikant sinken wird. Dieser Prozess wird den sich bereits abzeichnenden Fachkräftemangel weiter verstärken. Neben Maßnahmen, die auf eine Erhöhung des inländischen Erwerbspersonenpotenzials durch Bildungsmaßnahmen und Anreize zur Erwerbspartizipation von Frauen und älteren Menschen abzielen, stellt die Zuwanderung von ausländischen Arbeitskräften eine wichtige Option dar. Aus diesem Grund steht die deutsche Politik vor der Herausforderung, Institutionen und Gesetze zu entwickeln, die zukünftig eine gezielte und flexible Zuwanderungssteuerung ermöglichen, die neben humanitären auch demografische und wirtschaftspolitische Aspekte berücksichtigt. Als zweite Herausforderung gilt es, die Integration der bereits im Land lebenden Menschen mit Migrationshintergrund weiter zu verbessern.

Die Forscherinnen und Forscher des Themenfeldes befassen sich mit den Ursachen und Implikationen internationaler Wanderungsbewegungen. Dies beinhaltet auch die Analyse von polit-ökonomischen Prozessen, die im Zusammenhang mit der Steuerung von Zuwanderung stehen. Darüber hinaus setzt sich das Themenfeld mit dem Thema »Integration« auseinander, indem es die Arbeitsmarktpartizipation und -situation von Zuwanderern untersucht.

Die empirische Analyse politikrelevanter Zusammenhänge ist der Schwerpunkt des Themenfeldes. Als Grundlage dienen nationale und internationale Makro- und Mikrodaten, wobei sowohl Daten aus qualitativen Erhebungen als auch Datensätze der amtlichen Statistik genutzt werden. Zur Identifizierung möglicher Kausalzusammenhänge verwenden wir moderne ökonometrische Methoden. So wird zum Beispiel in dem internationalen Forschungsprojekt »TEmporary Migration, integration and the role of POlicies (TEMPO)« unter anderem untersucht, wie sich Einstellungen der autochthonen Bevölkerung gegenüber Zuwanderung auf die Entscheidungen von Politikern auswirken. Das TEMPO-Projektteam besteht aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 12 europäischen Ländern und ist Teil des NORFACE-Forschungsprogrammes, das unter anderem mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Euro-päischen Union gefördert wird. In einem weiteren Forschungsprojekt, das einem multidisziplinären Ansatz folgt, stehen die türkisch-europäische Migration und die Integration von Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland im Mittelpunkt der Analyse.

Unsere Forschungsergebnisse werden genutzt, um politische Handlungsempfehlungen abzuleiten, wie sich die Vorteile der Zuwanderung maximieren und die Nachteile minimieren lassen. Im Bereich Integration setzt sich das Themenfeld zum Ziel, politisch gangbare Empfehlungen zu erarbeiten, die effiziente Integrationsprozesse ermöglichen. Darüber hinaus sieht es das Themenfeld als seine Aufgabe an, die interessierte Öffentlichkeit wissenschaftlich fundiert über die Themen Zuwanderung und Integration zu informieren.

Das Themenfeld »Demografie, Migration und Integration« wird von Prof. Dr. Thomas Straubhaar geleitet.

Konjunktur und globale Märkte

Derzeit ergeben sich große wirtschaftspolitische Herausforderungen aus der vorangegangenen Wirtschaftskrise. Insbesondere die Entwicklung der Staatschulden erfordert ausgewogene und abgestimmte wirtschaftspolitische Reaktionen. Aber auch globale Inflationstendenzen und die Entwicklung der Wechselkurse bergen Risiken und müssen beobachtet werden.

Die Forscherinnen und Forscher des Themenfeldes befassen sich mit den aktuellen weltweiten ökonomischen und wirtschaftspolitischen Entwicklungen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf der Konjunkturanalyse für Deutschland. Wichtige andere Länder sind die USA, China und die EU. Außerdem werden einzelne Regionen und hier insbesondere Hamburg betrachtet. Es werden vierteljährlich Prognosen zur deutschen Konjunktur erstellt, die der Öffentlichkeit, der Politik und der Wirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Überdies wird einmal im Jahr ein ausführlicher Konjunktur-Report zur Entwicklung der Weltwirtschaft und der deutschen Wirtschaft sowie in unregelmäßigen Abständen werden zusätzlich Berichte und Prognosen für einzelne, wichtige Länder verfasst.

Über die regelmäßige Analyse der Weltwirtschaft hinaus bearbeiten wir Projekte zu aktuell interessierenden Themen. Anfang 2011 wurde eine größere Untersuchung für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) vorgenommen. In der Studie »Wege zur Vollbeschäftigung« haben wir untersucht, welche Politik notwendig ist, um mittelfristig Vollbeschäftigung zu erreichen.

Regelmäßig werden im Themenfeld langfristige Wachstumsperspektiven untersucht. Beispielsweise analysiert die Studienreihe »Strategie 2030 – Vermögen und Leben in der nächsten Generation« die in Zusammenarbeit mit der Berenberg Bank erstellt wird, die langfristig orientierten volkswirtschaftlichen Fragestellungen. In weiteren längerfristigen Studien wird die Brücke zwischen den globalen Prozessen und Entwicklungen in Norddeutschland und der Metropolregion Hamburg geschlagen. Diese Spannbreite zwischen globaler und regionaler Entwicklung ist besonders zur Beurteilung von den wirtschaftlichen Grundlagen von Infrastrukturprojekten wichtig. Hier haben wir im Jahr 2010 Studien im Zusammenhang mit dem Ausbau des Münchner Flughafens und der Elbvertiefung vorgenommen.

Das Themenfeld »Konjunktur und globale Märkte« wird von Prof. Dr. Michael Bräuninger geleitet.

Erwerbstätigkeit und Familie

Die Entwicklung des Arbeitsangebots in Deutschland wird maßgeblich durch demografische Ereignisse, wie Bevölkerungsalterung, Geburtenentwicklung, Zuwanderung und Erwerbsverhalten, beeinflusst. Auf der Arbeitsnachfrageseite gesellt sich der – sich in Teilen schon heute manifestierende – Fachkräftemangel als weitere wirtschaftspolitische Herausforderung hinzu.

Gegenstand der Forschung im Themenfeld sind Status quo, Entwicklung und Potenziale der Humanressourcen in Deutschland und deren Beeinflussung durch gesellschaftliche Metatrends wie den demografischen Wandel und durch sozial- und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen. Auf Seiten der Arbeitsanbieter bieten das Erwerbs- und Bildungsverhalten von Frauen und Männern einen Untersuchungsschwerpunkt, insbesondere unter Gender-Aspekten und aus dem Blickwinkel der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auf Seiten der Arbeitsnachfrager stehen Strategien des Human Resources Management zur Bewältigung des demografischen und strukturellen Wandels im Fokus der Analyse.

Neben Erwerbsentscheidungen sind auch Berufswahl-, Geburten-, Wanderungs- und Konsumentscheidungen sowie Fragen der intergenerationalen Mobilität und der Bildungsproduktion im Haushalt Gegenstand unserer  Forschung. Die Forscherinnen und Forscher des Themenfeldes arbeiten vorwiegend empirisch und quantitativ ausgerichtet, international vergleichend und interdisziplinär.

Unsere Forschungsergebnisse finden Eingang in die aktuelle wissenschaftliche Debatte und dienen Auftraggebern aus Politik und Wirtschaft als Entscheidungsgrundlage im Umgang mit den dargestellten Herausforderungen. Beispielhaft seien abgeschlossene Gutachten zur ökonomischen Analyse der Fertilität, zur Übernahme von Familienaufgaben durch Väter bzw. zu den Einkommenswirkungen durch Erwerbsunterbrechungen von Frauen genannt. In unseren laufenden Projekten beschäftigen wir uns mit der Zeitverwendung von Eltern oder der Zukunftsfähigkeit des norddeutschen Bildungsmarktes.

Das Themenfeld »Erwerbstätigkeit und Familie« wird von Dr. Christina Boll geleitet.

Family Owned Business

Die bedeutende Funktion der Familienunternehmen in Deutschland für Beschäftigung, Wirtschaftsleistung und Wirtschaftswachstum ist unbestritten. Familienunternehmen müssen zukünftig jedoch um qualifizierte Mitarbeiter im Wettbewerb gegenüber anderen Unternehmen bestehen und dürfen aufgrund ihrer besonderen Konstellationen hierbei nicht ins Hintertreffen geraten. Auch Familienunternehmen für den immer internationaler werdenden Wettbewerb vorzubereiten und den Übergang zwischen den Generationen sicher zu gestalten, wird eine besondere Herausforderung für Unternehmen, Politik und Wissenschaft sein.

Das noch junge Themenfeld (Anfang 2011 errichtet) kann noch nicht mit durchgeführten oder begonnenen Projekten einen Nachweis für die Leistungen vorzeigen. Es ist jedoch beabsichtigt, anhand von im Jahr 2011 an den Börsen Stuttgart und Hamburg initiierten und plazierten Anleihen von Familienunternehmen aufzuzeigen, welche Erfolgsfaktoren für die Fremdkapitalbeschaffung auf Kapitalmärkten offensichtlich bestehen und welchen Grad an Transparenz Familienunternehmer aufbringen müssen, um Kapitalanleger zu gewinnen. Auch soll in diesem Zusammenhang versucht werden zu prüfen, welche Bedeutung der Corporate Governance Codex für Familienunternehmen hat und ob dem unstreitig bestehenden Aufwand hierfür zählbare Vorteile bei der Kapitalbeschaffung gegenüberstehen.

Wir beabsichtigen, einen norddeutschen Familienunternehmensindex zu schaffen. Damit wollen wir im langjährigen Vergleich feststellen können, ob Familienunternehmen hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Entwicklung sich synchron mit den Konjunkturzyklen verhalten oder diesen voranschreiten, nachfolgen oder in ihrer Intensität gesamtwirtschaftliche Konjunkturausschläge in geringerem Umfang erleben.

Anhand unterschiedlicher betriebswirtschaftlicher Funktionsbereiche und deren Analyse wollen wir außerdem untersuchen, ob Nachhaltigkeit für Familienunternehmen ein wesensbestimmendes oder gar dominierendes Merkmal ist und worin sich die Nachhaltigkeit widerspiegelt. Insbesondere sollen die Kosten für nachhaltiges Wirtschaften, aber auch die möglichen und / oder offensichtlichen Erträge hieraus untersucht werden.

Weitere Themen, die derzeit von den Mitarbeitern des Themenfeldes in Angriff genommen werden, sind die »Gewinnung und Incentivierung von Fremdgeschäftsführern« sowie die rechtlichen und tatsächlichen Ausgestaltungen der Vertragsbeziehungen zum Unternehmen sowie die Vereinbarkeit von Fremdmanagern mit der Unternehmenskultur von Familienunternehmen. Auch wird durch eine im September 2011 erstmals stattfindende internationale wissenschaftliche Tagung der Frage nachgegangen, welche Ausprägungen von Familienunternehmen es in anderen Staaten und Kontinenten gibt und ob sich Gemeinsamkeiten ableiten lassen. Aber auch die Entwicklung von Methoden zur erfolgreichen Umsetzung von Internationalisierungsstrategien von Familienunternehmen ist im Fokus der Betrachtung.

Das Themenfeld »Family Owned Business« wird von Prof. Dr. Günther Strunk geleitet. 

Gesundheits- und Sportökonomik

Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft und neuen Technologien kommt es für die Gesundheitspolitik darauf an, einerseits die Effizienz im Gesundheitssystem zu erhöhen, um die Kosten der Gesundheitsversorgung zu begrenzen, und andererseits richtige Innovationsanreize zu setzen, um die Qualität der Gesundheitsversorgung zu erhöhen.

Sport gewinnt wirtschaftlich und gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung, die mediale Reichweite steigt. Für die Sportpolitik kommt es insbesondere darauf an, den öffentlichen Nutzen des Sports – vor allem in Bezug auf Gesundheit und Integration – im Breiten-, Freizeit- und Schulsport zu fördern und zu entwickeln. Für Städte und Regionen steht der Sport als Teil der Standortpolitik im Zentrum. Breiten- und Spitzensport können als »weiche« Standortfaktoren Image und Bekanntheit erhöhen und langfristig Unternehmen und hoch qualifizierte Fachkräfte anziehen. Doch ein schlüssiges Standortkonzept für den Sport ist hierfür erforderlich.

Die Gesundheitswirtschaft gehört zu den wichtigsten Wachstumsmärkten der Zukunft. Die Gesundheitsversorgung ist dabei in weiten Bereichen staatlich reguliert. Dem latenten Kostendruck im Gesundheitswesen begegnet die Politik mit Leistungskürzung und Rationierung. Private Gesundheitsmärkte gewinnen jedoch an Bedeutung. Es entstehen neue Märkte, Geschäftsmodelle und Berufsbilder. Vor diesem Hintergrund befassen wir uns mit der Analyse und Prognose von Gesundheitsmärkten, dem institutionellen Design von Gesundheitssystemen sowie der Qualität und Effizienz der Gesundheitsversorgung.

Die Forscherinnen und Forscher des Themenfeldes haben zu dieser Frage kürzlich in Zusammenarbeit mit dem WINEG, dem wissenschaftlichen Institut der Techniker Krankenkasse (TK), eine Studie erstellt, in der es um die Messung von Qualität und Effizienz der Gesundheitsversorgung im internationalen Vergleich geht.

Der Markt für Sport wächst – nicht nur im Profisport, sondern auch im Breitensport sowie in angrenzenden Märkten der Gesundheits- und Freizeitwirtschaft. Die Akteure – Sportler, Vereine, Zuschauer, Sponsoren, Medien, Vermarkter und Sportartikelhersteller – bilden ein komplexes Marktgefüge: von den Transfermärkten bis hin zu den Märkten für TV- und Vermarktungsrechte. Durch die weltweit zunehmende Popularität und mediale Wahrnehmung des Sports können zudem Städte und Regionen mit der Ausrichtung von Sportevents ihre Bekanntheit und Attraktivität erhöhen. Doch oft werden die regionalwirtschaftlichen Effekte überschätzt und es fehlt ein schlüssiges Konzept. 

Das Themenfeld beschäftigt sich mit der theoretischen und quantitativen Analyse von Sportmärkten. Darüber hinaus bieten wir Beratung für Städte und Regionen bei der Ausrichtung von Sportevents, um durch ein spezifisches standortpolitisches Konzept nachhaltige wirtschaftliche Effekte zu generieren.

Das Themenfeld erstellt jährlich ein Sportstädteranking, das deutsche Städte in Bezug auf Profisport, Breitensport, Sportevents und Sportinfrastruktur untersucht und vergleicht. 

Das Themenfeld »Gesundheits- und Sportökonomik« wird von Prof. Dr. Henning Vöpel geleitet.

Sektoraler Wandel: Maritime Wirtschaft und Luftfahrt

Kennzeichnend für den sektoralen Wandel der Wirtschaft ist die zunehmende Ausdehnung von Wertschöpfungsketten über die traditionellen Grenzen von Branchen und nationalen Volkswirtschaften. Dies betrifft insbesondere die maritime Wirtschaft sowie die Luftfahrt einschließlich der Raumfahrt als zwei Schlüsselsektoren der Wirtschaft in Norddeutschland.  Beide Wirtschaftsbereiche arbeiten unter scharfer internationaler Konkurrenz und stehen in vielfältigen Bezugs- und Absatzverflechtungen mit benachbarten Sektoren. Hieraus ergeben sich Potenziale für zusätzliche Wertschöpfung und Beschäftigung.

Analysen der Auswirkungen globaler Rahmenbedingungen und Trends auf die maritime Wirtschaft sowie die Luft- und Raumfahrt stellen die Basis für vertiefende Untersuchungen spezieller Fragestellungen im Themenfeld dar. Internationaler Wettbewerb, Clusterentwicklung, Innovation, Qualifizierung und Beschäftigung, Standortbedarf sowie die branchenbezogene wirtschaftspolitische Programmatik auf regionaler wie auf überregionaler Ebene markieren die Eckpunkte unserer Arbeiten. Von besonderem Interesse sind die wirtschaftlichen Potenziale, die in beiden Wirtschaftsbereichen durch intensivierte Kooperationen zwischen Standorten und Unternehmen in Norddeutschland sowie mit Partnern im Ostsee- und Nordseeraum erschlossen werden können.

Letztere stehen im Zentrum zweier aktueller Interreg-Projekte, die auf die Entwicklung und praktische Erprobung innovativer Instrumente der Mittelstandsförderung abzielen. Es handelt sich dabei um zwei parallele Projekte mit insgesamt 29 Partnern aus allen Ländern des Nord- und Ostseeraums und mit einer Laufzeit von über 3 Jahren (2009-2012). Unter den Vorzeichen der Lissabon-Agenda sowie der Osterweiterung der Europäischen Union im vergangenen Jahrzehnt sollen mittelständische Unternehmen aus den Projektregionen Unterstützung bei der Erschließung neuer Zuliefermärkte im Nord-und Ostseeraum finden. Die maritime Wirtschaft ist in allen Projektregionen stark vertreten und stellt deshalb eine Testbranche für die Erprobung der neuen Ansätze der Export-, Innovations- und Kooperationsförderung für international orientierte europäische Unternehmen dar. Das HWWI ist an dem Projekt »BalticSupply« als Content Consultant mit der inhaltlichen Steuerung und Beratung der Projektpartner beteiligt und bringt im Parallelprojekt »NorthSeaSupplyConnect« als unmittelbarer Projektpartner die Potenziale und Interessen der Wirtschaftsförderung der  mittelständischen Wirtschaft Norddeutschlands zur Geltung.

Für die nähere Zukunft ist eine Ausweitung der Forschungsaktivitäten mit Schwerpunktsetzungen in Themen wie Marketing für den maritimen Standort Nordwest, maritime Logistik, Internationalisierung des Mittelstands sowie Luftfahrt geplant. Zudem entwickelt das Themenfeld Konzepte für eine fundierte wirtschaftswissenschaftliche Begleitung infrastruktureller Projekte, die im Zuge des strukturellen Wandels und der europäischen Integration für Norddeutschland notwendig werden.

Das Themenfeld »Sektoraler Wandel: Maritime Wirtschaft und Luftfahrt« wird von Dr. Nikolai Lutzky geleitet.

Ordnungsökonomik und institutioneller Wandel

Das Themenfeld behandelt vor allem zwei zentrale wirtschaftspolitische Herausforderungen. Zum einen befassen wir uns intensiv mit der Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland, die nach Ansicht vieler Beobachter durch die Globalisierung einer Belastungsprobe ausgesetzt ist. Fest steht, dass die Soziale Marktwirtschaft vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten auf eine sinkende Akzeptanz bei der Bevölkerung stößt. Dabei handelt es sich um einen bundesweiten Trend, doch ist der Vertrauensverlust in die deutsche Wirtschaftsordnung in den ostdeutschen Bundesländern besonders stark. Das HWWI und das daran angeschlossene Wilhelm-Röpke-Institut e. V. sehen es als ihre wirtschaftspolitische Aufgabe an, durch Beiträge zur öffentlichen Debatte sowie durch Engagement in der politischen Bildungsarbeit zum Verständnis der Sozialen Marktwirtschaft in Ostdeutschland beizutragen.

Eine weitere Herausforderung sind die Reformprozesse im Osten Europas, die – gerade wenn man die Ostgrenze der erweiterten Europäischen Union überschreitet – keineswegs als abgeschlossen angesehen werden kann. Hier bringen wir unsere ordnungspolitische Expertise ein, um deutlich zu machen, dass es gerade in Transformations- und Reformprozessen darauf ankommt, das gegenseitige Verhältnis von Wirtschaft und Politik ins Visier zu nehmen. Die hier gewonnen Erkenntnisse können aber prinzipiell auf alle Regionen der Welt angewendet werden, so etwa auch jene Wandlungsprozesse, die in jüngster Zeit in der arabischen Welt begonnen haben.

Das Themenfeld ist an der Thüringer Zweigniederlassung des HWWI in Erfurt angesiedelt. Schwerpunkte unserer Arbeit sind:

  • Grundfragen der Ordnungstheorie und -politik,
  • Transformations- und Reformprozesse in den jungen Bundesländern sowie in Ostmittel- und Osteuropa,
  • wirtschaftliche Entwicklung des Freistaates Thüringen.

Der ordnungsökonomische Ansatz, der stets die »Interdependenz der Ordnungen« (Walter Eucken), vor allem aber die Wechselbeziehungen zwischen Wirtschaft und Politik berücksichtigt, stellt die methodische Klammer zwischen diesen drei Teilbereichen dar.

Die Interaktion zwischen Wirtschaft und Politik wird von den Forscherinnen und Forschern des Themenfeldes unter anderem in folgenden Projekten untersucht: Das eine Projekt mit dem Titel »Die Planwirtschaft der DDR – Mythos und Wirklichkeit« ist an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und politischer Bildungsarbeit angesiedelt. Ziel des Vorhabens, das von der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Ludwig-Erhard-Stiftung, der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft sowie von Privatpersonen gefördert wird, ist es, ordnungsökonomisch fundiert mit den Mythen aufzuräumen, die noch immer – und in den letzten Jahren vermehrt – die planwirtschaftliche Vergangenheit Ostdeutschlands umgeben. Ein weiteres Projekt befasst sich mit »Institutionen und institutionellem Wandel im Post-Sozialismus«. Unsere Forschungen zu den institutionellen Grundlagen der wirtschaftlichen Entwicklung Russlands sind Teil eines interuniversitären und multi-disziplinären Kompetenznetzwerks, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für vier Jahre mit insgesamt rund 2 Millionen Euro gefördert und am Geschwister-Scholl-Institut der Universität München koordiniert wird.

An die Thüringer Zweigniederlassung des HWWI in Erfurt ist das Wilhelm-Röpke-Institut e. V. angegliedert. Wilhelm Röpke (1899-1966) hatte insoweit einen Bezug zu Thüringen, als er 1924 an die Universität Jena als damals jüngster Professor in Deutschland berufen wurde. Das Wilhelm-Röpke-Institut e. V. soll insbesondere dazu beitragen, das Verständnis und die Akzeptanz marktlichen Wirtschaftens in den ostdeutschen Bundesländern zu fördern. Dabei arbeiten wir eng mit anderen ordnungsökonomisch orientierten Einrichtungen wie dem Walter Eucken Institut und der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft zusammen. Um das Andenken an einen der entscheidenden Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft zu wahren, veranstalten wir jährlich eine Wilhelm-Röpke-Vorlesung, bei der führende Ökonomen oder Wirtschaftspublizisten das Röpkesche Gedankengut auf Probleme der Gegenwart beziehen.

Seit Oktober 2009 besteht eine Kooperation zwischen der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt und der Thüringer Zweigniederlassung des HWWI. Besonders eng arbeiten wir mit Prof. Dr. Gerhard Wegner zusammen, der an der Universität Erfurt den Lehrstuhl für Institutionenökonomie und Wirtschaftspolitik inne hat. Die Zusammenarbeit manifestiert sich in der gemeinsamen Durchführung von Projekten und Veranstaltungen. Unter anderem haben wir zusammen eine Studie zur Wirtschaftsfeindlichkeit in deutschen Schulbüchern erstellt, und regelmäßig organisieren wir gemeinsame ordnungsökonomische Workshops auf Schloss Ettersburg bei Weimar.

Das Themenfeld »Ordnungsökonomik und institutioneller Wandel« wird von PD Dr. Joachim Zweynert geleitet.

Regionalökonomie und Stadtentwicklung

Unternehmen, Produktionsfaktoren und die Bevölkerung sind ungleichmäßig im Raum verteilt und gegenwärtig lässt sich eine Verfestigung dieser Struktur beobachten. Denn während einige Regionen rasch wachsen und Arbeitskräfte sowie Kapital anziehen, schrumpfen andere Regionen und verlieren ihre wirtschaftliche Basis. So hatte eine Reihe deutscher  Städte – wie beispielsweise München und Bonn – in der jüngeren Vergangenheit immense Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts, der Bevölkerung und der Arbeitsplätze zu verzeichnen. Hingegen befinden sich andere Regionen und Städte – beispielsweise im Ruhrgebiet und weiten Teilen Ostdeutschlands – in sich selbst verstärkenden Entwicklungsprozessen, in welcher der Abbau von Arbeitsplätzen Bevölkerungsverluste nach sich zieht. Die räumlichen Entwicklungsprozesse, wie sie gegenwärtig in Deutschland beobachtbar sind, stellen hohe Anforderungen an die Regionalpolitik, auf die es seitens der Politik mit innovativen Konzepten zu reagieren gilt. Zudem setzt sich vielerorts die Erkenntnis durch, dass durch integrierte Stadt- und Regionalpolitik bessere Ergebnisse erzielt werden können als durch traditionelle Ansätze. Diese neueren Konzepte zeichnen sich durch die Verknüpfung von Projektplanung, -umsetzung und -finanzierung, ressort-übergreifende Kooperation und die Partizipation der Bevölkerung aus. Idealerweise ermöglicht integrierte Projektentwicklung die Realisierung von Synergien durch die Bündelung von Know How und Ressourcen.

Das Themenfeld analysiert strukturelle Gegebenheiten und ökonomische Entwicklungen auf regionaler Ebene, insbesondere für Hamburg und die Metropolregion. Darüber hinaus stehen die Wirtschaftsräume Norddeutschland und der Ostseeraum im Zentrum der regionalen Betrachtungen. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Aktivitäten ist die Analyse der ökonomischen Entwicklung deutscher Städte unter Berücksichtigung raumrelevanter Zukunftstrends. Hierzu zählen die Einflüsse der kulturellen Vielfalt, des Strukturwandels, demografischer Veränderungen, der Internationalisierung, der Innovationen und des Wandels zu Wissensgesellschaften und -ökonomien. Beispiele für Projekte des Themenfeldes im Jahr 2011 sind die Erstellung des Kreativwirtschaftsberichts für die Stadt Hamburg, eine Studie zur Entwicklung der Struktur der Arbeitsplätze in der Metropolregion Hamburg sowie einer sozio-ökonomischen Analyse der Hamburger Stadtteile.

Im Rahmen der regionalökonomischen Untersuchungen stellen wir im Zwei-Jahres-Turnus das HWWI / Berenberg-Städteranking vor, in welchem die Zukunftsfähigkeit der 30 größten deutschen Städte auf den Prüfstand gestellt wird. Die Analyse bezieht sich auf die wirtschaftliche und demografische Dynamik, Bildung und Innovationsfähigkeit sowie Internationalität und die Erreichbarkeit europäischer Agglomerationen. Im HWWI / Berenberg-Städteranking 2010 bilden Frankfurt am Main und München aufgrund ihres hervorragenden Abschneidens bezüglich der Standortfaktoren und der sehr guten demografischen Aussichten das Spituzenduo. Am unteren Ende der Skala befinden sich mit Mönchengladbach, Bielefeld, Wuppertal, Bochum und Chemnitz Städte, die hinsichtlich Bildung, Innovationsfähigkeit und Internationalität deutliche Standortnachteile im Vergleich zu anderen Städten haben und in denen sich die demografischen Trends negativ darstellen. Aus dem Vergleich der erfolgreichen und weniger erfolgreichen Städte lassen sich praxisorientierte Schlussfolgerungen für die Regional- und Standortpolitik ziehen.

Ein wichtiges methodisches Instrument für die Bewertung regionaler Entwicklungsprozesse und die Identifizierung regionalpolitischen Handlungsbedarfs, welches der Ausgangspunkt für wiederkehrende Regionalanalysen des HWWI ist, ist ein Modell zur Prognose der zukünftigen Entwicklung der Zahl der Arbeitsplätze in den deutschen Regionen. In dem Modell werden Szenarien zur Erwerbstätigenentwicklung erstellt, indem auf die Entwicklung der Bruttowertschöpfung und der Produktivität zurückgegriffen wird (vgl. Abbildung).

Das Themenfeld »Regionalökonomie und Stadtentwicklung« wird von Dr. Silvia Stiller geleitet.

Immobilien- und Vermögensmärkte

Globalisierung und demografischer Wandel stellen die deutsche Volkswirtschaft in den kommenden Jahrzehnten vor beträchtliche Herausforderungen. Den Immobilien- und Vermögensmärkten kommt bei der Gestaltung des Übergangs zu einer älteren und zahlenmäßig kleineren Bevölkerung eine Schlüsselrolle zu. Gleichzeitig dürfte dabei insbesondere die Preisentwicklung an den Immobilienmärkten regional sehr unterschiedlich ausfallen.

Das Themenfeld widmet sich der Erforschung und Analyse von Zusammenhängen und Entwicklungen auf nationalen und internationalen Immobilien- und Vermögensmärkten. Die Arbeit des Themenfeldes verfolgt das Ziel, hochwertige wissenschaftliche Erkenntnisse zu produzieren und diese mit anwendungsorientierten Forschungsdienstleistungen zu verknüpfen. Das Themenfeld versteht sich dabei grundsätzlich als ein Mittler zwischen Theorie und Praxis, indem wissenschaftliche Methoden und Ergebnisse aus der Grundlagenforschung auf praxisrelevante Fragestellungen und Probleme angewendet werden.

Neben der Analyse der kurzfristigen Dynamik auf Immobilien- und Vermögensmärkten, die im Wesentlichen durch die Konjunktur, die Marktstruktur und psychologische Einflüsse bestimmt wird, liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit auf der Identifikation und Analyse von fundamentalen Trends und Faktoren, die die mittel- und langfristige Entwicklung an diesen Märkten determinieren. Hierzu zählen zum einen sich verändernde institutionelle Rahmenbedingungen und zum anderen (sozio-)demografische, makroökonomische oder gesellschaftliche Entwicklungen und Trends. Dabei werden den Auswirkungen des projezierten Rückgangs der Bevölkerungszahlen und der damit einhergehenden Alterung in Deutschland und zahlreichen anderen Staaten sowie den wirtschaftlichen Auswirkungen der weiterhin voranschreitenden Globalisierung besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht. Auf den Immobilienmärkten spielen zudem hiermit verbundene regionale Disparitäten eine wesentliche Rolle. Die in der Analyse gewonnenen Informationen können anschließend zu Szenarien verdichtet werden und in Prognosen einfließen, die dabei helfen sollen, zukünftige Marktentwicklungen besser abzuschätzen.

Methodisch bedient sich das Themenfeld moderner quantitativer Verfahren der empirischen Wirtschaftsforschung. Hierbei werden theoretische Ansätze und Modelle mit statistisch-ökonometrischen Verfahren kombiniert. Neben Gutachten und Studien für Unternehmen, Verbände und Politik erfolgt die Aufbereitung der gewonnenen Erkenntnisse in Form von wissenschaftlichen Aufsätzen, die sich an ein Fachpublikum wenden, und allgemeinverständlichen Artikeln und Essays, die an eine breitere Öffentlichkeit gerichtet sind. In den vergangenen Jahren wurde eine Reihe von Studien und Veröffentlichungen zu Immobilien- und Vermögensmärkten verfasst. So wurden beispielsweise die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die regionalen Märkte für Wohnimmobilien in Deutschland (»Strategie 2030 – Immobilien«, im Auftrag der Berenberg Bank), Determinanten der Wohnnachfrage im internationalen Vergleich (im Auftrag der Quantum AG), Auswirkungen der Finanzkrise auf die deutschen Wohnimmobilienmärkte (im Auftrag der Quantum AG), Standortpotenziale der deutschen Büroimmobilienmärkte (im Auftrag der Quantum AG), Implikationen steigender Energie- und Transportkosten für die künftige Stadtentwicklung Hamburgs (im Auftrag der alstria office REIT-AG), ökonomische Folgen eines Umstiegs von Offenen Immobilienfonds zu REITs (im Auftrag der alstria office REIT-AG) und der Zusammenhang von Demografie und Bankertrag (im Auftrag der Hamburger Sparkasse) untersucht.

Das Themenfeld »Immobilien- und Vermögensmärkte« wird von Prof. Dr. Alkis H. Otto  geleitet.

Umwelt und Klima

In der Diskussion zum Klimawandel haben lange Überlegungen dominiert, wie dieser zu bremsen sein wird. Vernachlässigt wurde dabei, dass einige seiner Folgen bereits nicht mehr abwendbar sein dürften. Die Empfehlung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel gewinnt daher zunehmend an Bedeutung.

Städte haben vielerorts neben dem Klimawandel mit einer Reihe von weiteren Umweltproblemen zu kämpfen. Hierfür werden mit zunehmender Weltbevölkerung und Urbanisierung Lösungsansätze immer dringlicher.

Das Themenfeld befasst sich mit entsprechendenumweltökonomischen und umweltpolitischen Fragestellungen. Schwerpunkte unserer Arbeit sind die Ökonomie des Klimawandels, die Zusammenhänge zwischen Städten und Umwelt sowie Fragen der nachhaltigen Mobilität und Abfallwirtschaft.

Das Projekt »KLIMZUG-NORD – Strategische Ansätze zur Anpassung an den Klimawandel in der Metropolregion Hamburg« ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Verbundvorhaben, in dem das HWWI die Querschnittsaufgabe Ökonomie übernommen hat. In diesem Zusammenhang werden in zwei Dissertationsprojekten die möglichen wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels für die Region untersucht. Die Auswirkungen des Klimawandels können entweder allmählich vonstatten gehen oder sich in häufigeren oder stärkeren Extremereignissen widerspiegeln. Gerade die Schätzung der regionalen Effekte von Extremereignissen spielt sowohl in KLIMZUG-NORD als auch im gesamten Themenfeld eine wichtige Rolle. Da der Klimawandel einzelne Wirtschaftszweige unterschiedlich betrifft, werden auch branchenspezifische Auswirkungen im regionalen Kontext untersucht.

Das im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Union geförderte internationale Verbundprojekt CORFU (Collaborative Research on Flood Resilience in Urban Areas) beschäftigt sich mit ausgewählten flutgefährdeten Städten in Europa und Asien und der Fragestellung, wie diese künftig flutsicherer gestaltet werden können. Auch hier besteht der Beitrag des Themenfeldes darin, die ökonomischen Auswirkungen von Extremereignissen zu quantifizieren. Zudem werden Szenarien zur wirtschaftlichen Entwicklung der jeweiligen Städte entwickelt.

Neben diesen beiden mehrjährigen Projekten bearbeiten wir regelmäßig kürzere Aufträge oder betreiben eigenständige Forschung zu den eingangs genannten thematischen Schwerpunkten. So wurden im Bereich der nachhaltigen Mobilität Überlegungen zum Pendlerverhalten und zu den Potenzialen sowie der Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen angestellt. Zum Thema der nachhaltigen Abfallwirtschaft wurden zudem verschiedentlich Vorschläge zu einer effizienteren Kreislaufwirtschaft in Deutschland unterbreitet.

In Zukunft sollen nicht nur die vorhandenen Schwerpunkte weiter gestärkt, sondern auch neue Themen aufgegriffen werden.

Das Themenfeld »Umwelt und Klima« wird von Dr. Sven Schulze geleitet.

Energie und Rohstoffmärkte

Derzeit existiert wahrscheinlich kein Wirtschaftssektor, der einem rasanteren Wandel unterliegt als der Energiesektor. Neben der Förderung der erneuerbaren Energien als Beitrag zur Minderung des Klimawandels und Abhängigkeit von Importen steht die Diskussion um die Kernkraft sowie die Preisentwicklung der Energieversorgung im Mittelpunkt der Analysen.

Die Forscher des Themenfeldes begleiten diese Entwicklung unter anderem mit der Studie »Power für Deutschland – Energieversorgung für das 21. Jahrhundert«, die mittlerweile in der dritten Auflage erschienen ist. Die Studie, erstellt im Auftrag der HypoVereinsbank, gibt einen Überblick über die aktuelle Situation der Energiewirtschaft und prognostiziert zukünftige Entwicklungen. Die erste Auflage im Jahr 2007 thematisierte schwerpunktmäßig die damalige Diskussion um die so genannte »Stromlücke«, da die rot-grüne Bundesregierung zwar den Kernenergieausstieg beschloss, jedoch keinen detaillierten Plan zum Ersatz der Erzeugungskapazitäten vorlegte. In der zweiten Auflage im Jahr 2008 wurde die Studie aktualisiert, während die dritte Auflage aus dem Jahr 2010 komplett überarbeitet wurde und einen anderen thematischen Schwerpunkt hatte, was auch die Dynamik der Energiewirtschaft zeigt: Hier stand die Förderung der erneuerbaren Energien im Mittelpunkt der Analyse. Die aktuelle Diskussion um die Zukunft der Kernenergie in Deutschland und die Auswirkungen eines schnellen Ausstieges dürften für die zukünftige Forschung sicherlich die größte Bedeutung haben.

Die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten ist für rohstoffproduzierende und -exportierende Länder sowie für (importierende) Verbraucherländer von großer Bedeutung, da sie gesamtwirtschaftliche Entwicklungspfade bestimmt. Dasselbe gilt für den Zugang zu Rohstoffen und die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen. Vor diesem Hintergrund analysieren und beobachten wir die Preisentwicklung auf den Rohstoffmärkten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den Energierohstoffen, insbesondere dem Ölmarkt.

Mit dem HWWI-Rohstoffpreisindex (ein Produkt der HWWI Consult GmbH) erfassen wir die täglichen Preisentwicklungen auf den internationalen Rohstoffmärkten. Die Indexwerte werden wöchentlich und am Monatsanfang auf Euro- und US-Dollar-Basis aktualisiert. Nach dem Monatsabschluss erfolgt regelmäßig eine Pressemeldung zu den neuen Entwicklungen der Rohstoffpreise. Insgesamt sind im Index 28 Rohstoffe vertreten, die in unterschiedlichen Teilindizes zusammengefasst werden:

  • Getreide (Gerste, Mais, Weizen, Reis),
  • Ölsaaten, Öle (Sojabohnen, Sojaschrot, Sojaöl, Kokosöl,
  • Palmöl, Sonnenblumenöl),
  • Genussmittel (Kaffee, Kakao, Tee, Zucker),
  • Agrarische Rohstoffe (Baumwolle, Wolle, Häute, Kautschuk, Holz, Zellstoff),
  • NE-Metalle (Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel, Zink, Zinn),
  • Eisenerz, Schrott (Eisenerz, Stahlschrott) und
  • Energierohstoffe (Kohle, Rohöl).

Der HWWI-Rohstoffpreisindex findet vielfältige Verwendung in den Medien und Publikationen nationaler und internationaler Institutionen, wie denen der Bundesbank, der OECD oder des Internationalen Währungsfonds.

Das Themenfeld »Energie und Rohstoffmärkte« wird von Prof. Dr. Michael Bräuninger geleitet.