HWWI Insights 04 2012

Der Hamburger Hafen – weiter auf Wachstumskurs

Text: Franziska Biermann und Mark Teuber

PDF-Version des Artikels

Der Hamburger Hafen spielt die zentrale Rolle für den Logistikstandort Hamburg. Mehr als ein Zehntel des gesamten europäischen Containerumschlags wird an den vier Terminals abgewickelt, und die Containerschiffe laufen von hier aus Destinationen in aller Welt an.

Der Hamburger Hafen konnte zwischen 2005 und 2008 einen Zuwachs an Containerumschlägen von rund 20 % verbuchen. Nachdem 2009 mit dem Einbruch des Welthandels auch der Umschlag im Hamburger Hafen spürbar zurückging, legte er 2010 und 2011 mit zweistelligen Wachstumsraten wieder deutlich zu und konnte Marktanteile zurückerobern. Dies zeigt die im Auftrag der Hamburger Sparkasse erstellte Studie »Gut gerüstet für die Zukunft? Der Hafen als Impulsgeber für den Logistikstandort Hamburg«.

2011 wies der Hafen mit einer Steigerungsrate von rund 14 % sogar das zweithöchste Wachstum unter den Häfen der Nordrange auf, lediglich übertroffen von den Bremischen Häfen. Das Vorkrisenniveau hat er 2011 mit 9,0 Mio. Containern jedoch noch nicht wieder erreicht. Wenn Hamburg die in der Krise verlorengegangenen Marktanteile aufholen und durch die Abfertigung größerer Schiffe in Folge der Fahrrinnenanpassung weiter ausbauen kann, könnte der Umschlag in den nächsten Jahren auf nahezu 12 Mio. TEU steigen (vgl. Maatsch/Tasto 2010). Um den wachsenden Umschlagszahlen Rechnung zu tragen, ist neben der Elbvertiefung unter anderem die Westerweiterung des Eurogate-Terminals und der Neubau des »Central Terminal Steinwerder« geplant, das neben einem Containerterminal auch für Industrieansiedlung Platz bieten soll.

Europäischer Marktführer im Bereich des Containerumschlags ist – mit deutlichem Abstand – der Hafen von Rotterdam mit fast 12 Mio. TEU im Jahr 2011. Auf Platz drei hinter Hamburg folgt Antwerpen mit 8,7 Mio. TEU. Die drei größten Häfen der Nordrange sind zusammen für rund zwei Fünftel des Containerumschlags der Europäischen Union verantwortlich. Während in Rotterdam Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 24 m einlaufen können, ist Antwerpen nach der Vertiefung der Schelde tideunabhängig bis 13 m erreichbar. Hamburg wird nach Abschluss der Elbvertiefung tideunabhängig für Schiffe bis 13,5 m und tideabhängig für Schiffe bis 14,5 m anlaufbar sein.

Neue Konkurrenz in Sicht?

Derzeit wird diskutiert, ob – neben den klassischen Konkurrenzhäfen Rotterdam und Antwerpen – mit steigendem Wettbewerb im Fahrtgebiet Ostsee durch die Häfen von Wilhelmshaven und Danzig zu rechnen ist. Nach Fertigstellung des JadeWeserPorts sollen dort vier große Containerschiffe mit einem Tiefgang von bis zu 16,5 m gleichzeitig tideunabhängig festmachen können. Wilhelmshaven könnte daher für Schiffe attraktiv sein, die Hamburg derzeit nicht anlaufen können. Der große Vorteil des Hamburger Hafens im Vergleich zum JadeWeserPort liegt in der relativ hohen Anzahl an Gütern, die nach der Anlieferung über den Hafen in der Metropolregion Hamburg verbleiben oder hier produziert wurden. Für den JadeWeserPort fallen dagegen zusätzliche Transportkosten im Verkehr mit den Bestimmungs- oder Ursprungsregionen der Umschlagsgüter – beispielsweise Hamburg – an. Allerdings könnte der JadeWeserPort im Ostsee-Feederverkehr in Konkurrenz zu Hamburg treten.

Seit 2010 verkehrt eine direkte Linie zwischen China und Danzig, deren Ladung bislang in den Nordrange-Häfen gelöscht wurde, um dann per Feederschiff oder auf der Schiene nach Osteuropa weitertransportiert zu werden. Sollte dieser Handelsweg ausgebaut werden, könnte Danzig zukünftig Umschlagsvolumen aus Hamburg abziehen. Der seit 2010 wieder deutlich steigende Feederverkehr aus Hamburg in Richtung Ostsee deutet jedoch darauf hin, dass der Hamburger Hafen für die Ostseeanrainer vorerst wichtigster Transshipment-Hafen im Europa-Fernost-Verkehr bleibt.


Drehkreuzfunktion als Voraussetzung für Wachstum

Der Hamburger Hafen fungiert als eines der großen Drehkreuze im internationalen Containerverkehr und konnte 2011 seinen 2. Platz in Europa, den es während der Krise an Antwerpen verloren hatte, zurückerobern. Der überwiegende Teil der großen Containerschiffe, die auf den für den Hamburger Hafen so wichtigen Fernost-Linien verkehren, wies in den letzten Jahren einen Tiefgang von mehr als 13,5 Metern auf und konnte den Hafen häufig nicht voll beladen anlaufen. Auf den langen Europa-Fernost-Strecken können diese Schiffe ihre Größenvorteile voll ausspielen. Auch weiterhin wird die Zahl der Schiffe mit einer Stellplatzkapazität von 7 500 TEU bis zu 18 000 TEU überdurchschnittlich wachsen. Daher sind Investitionen in dieHafeninfrastruktur und den Fahrrinnenausbau der Elbe unverzichtbar, wenn Hamburg seine bisherige Bedeutung als Container-Hub beibehalten will.

Die Entwicklung des Hamburger Hafens wird maßgeblich vom Wirtschaftswachstum seiner Handelspartner beeinflusst. Das zukünftige Wachstum wird zwischen den Regionen stark differieren: Die asiatischen Schwellenländer werden innerhalb der nächsten fünf Jahre um durchschnittlich gut 8,5 % wachsen. Die Produktion in den Industrieländern wird dagegen nur um rund 2,4 % zunehmen. Mit der Ausrichtung auf die dynamischen Volkswirtschaften in Südostasien sowie Russland kann der Hafen auch weiterhin überproportional vom Anstieg des Welthandels profitieren. Für Hamburgs zehn wichtigste Außenhandelspartner im Containerumschlag werden in den nächsten Jahren überwiegend hohe Wachstumsraten zwischen 4 % und 9,5 % pro Jahr prognostiziert (vgl. IWF 2011). Aufgrund des recht hohen Güteranteils, der in der Metropolregion Hamburg verbleibt, spielt aber auch die heimische Wirtschaft eine wichtige Rolle.

Bereits in der Vergangenheit wuchsen Hamburgs Containerumschläge – aufgrund des zunehmenden Containerisierungsgrads und der Etablierung als Container-Hub – sehr viel schneller als der Welthandel. Mit der Erholung des Welthandels 2010 und 2011 ist diese  Tendenz ebenfalls wieder zu beobachten (vgl. Abbildung 2). Für 2012 wird ein weltweites Exportwachstum von gut 4 % prognostiziert, von welchem auch der Hamburger Hafen profitieren wird.

Der Hafen schafft Arbeitsplätze

Der Hamburger Hafen ist ein wichtiger Impulsgeber für die Entstehung von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung in der Hansestadt sowie in der Metropolregion Hamburg. Wenn die Umschlagszahlen im Hafen Hamburg zukünftig weiter steigen, resultieren hieraus positive Effekte auf hafenabhängige Branchen.

Darüber hinaus sorgt der Hafen für eine gute Verkehrsanbindung an Auslandsmärkte und macht Hamburg somit als potenziellen Ansiedelungsort für Industrieunternehmen interessant. Dies zieht wiederum positive regionalökonomische Effekte nach sich, sowohl in Hamburg selbst, als auch darüber hinaus. Dabei gibt es Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt vom Hafen abhängig sind, sowie induzierte Beschäftigung, welche aus den Ausgaben der direkt und indirekt hafenabhängig Beschäftigten resultiert. Für Hamburg lag der Anteil hafenabhängiger Beschäftigung an der Gesamtbeschäftigung im Jahr 2010 mit 133 544 Arbeitsplätzen bei 11,8 %. Darüber hinaus war der Hafen im selben Jahr direkt oder indirekt an der Erwirtschaftung von 14,2 % des Bruttoinlandsprodukts der Hansestadt beteiligt. 40 % der Beschäftigungs- und gut 30 % der Bruttowertschöpfungseffekte des Hafens werden außerhalb der Metropolregion generiert (vgl. PLANCO Consulting 2011).

Die im Vergleich zum Krisenjahr 2009 positive Entwicklung der Beschäftigung und der Wertschöpfung im Jahr 2010 zeigt, dass der Hamburger Hafen auf einem guten Weg ist, die Krise hinter sich zu lassen (vgl. Abbildung 3). Die Aussichten für eine weiterhin positive Entwicklung sind vor dem Hintergrund eines wachsenden Welthandels sehr gut. Dabei können vom weiteren Wachstum der Hafenumschläge positive Effekte auf die gesamte Metropolregion Hamburg ausgehen.

Die zukünftige positive Entwicklung von hafenabhängigen Wirtschaftszweigen, zu denen beispielsweise weite Teile der Logistikwirtschaft zählen, ist von einem funktionsfähigen Hafen abhängig, der am weltwirtschaftlichen Wachstum und weiteren Anstieg des Welthandels partizipieren kann. Umgekehrt gilt, dass eine Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit des Hafens und hiermit einhergehend eine ungünstige Entwicklung der Umschlagszahlen sich negativ auf die Realisierung von Wachstumspotenzialen im Zusammenhang mit dem Hafen auswirkt.

Infrastrukturmaßnahmen als Wachstumsmotoren

Eine Voraussetzung für einen effektiven Wettbewerb ist, dass die Häfen nicht durch fehlende Infrastruktur behindert werden. Dabei ist für die weitere Konkurrenzfähigkeit des Hamburger Hafens zum einen die Elbvertiefung, der inzwischen auch Schleswig-Holstein und Niedersachsen zugestimmt haben, notwendig. Ansonsten könnte Hamburg bei einer zunehmenden Zahl von großen Schiffen von einigen Liniendiensten nicht mehr angelaufen werden. Damit würden jedoch auch Größenvorteile schwinden, sodass die Position des Hamburger Hafens geschwächt würde.

Neben der Elbvertiefung ist zum anderen die Verbesserung der Hinterlandanbindung eine wichtige Voraussetzung für das weitere Wachstum des Hamburger Hafens. Ein wesentliches Projekt ist die Hafenquerspange, die einen direkten Anschluss des Hafens an die Autobahnen A 7 (im Westen) und A 1 (im Osten) herstellt. Außerdem muss die Anbindung der Hafenbahn an das Bahnnetz verbessert werden.

Feed|back

Die spezielle Verbindung aus Regional- und Wirtschaftskompetenz des HWWI führt immer wieder zu wertvollen Erkenntnissen.

Dr. Harald Vogelsang, Vorstandssprecher der Hamburger Sparkasse, strategischer Partner des HWWI

Als führende Mittelstandsbank in Hamburg hat die Hamburger Sparkasse den Anspruch, ihre Kunden umfassend, kompetent und auf Augenhöhe zu beraten. Im Firmenkundengeschäft arbeiten wir daher in Branchenkompetenz-Centern, die analog zu den Wachstumsclustern der Metropolregion aufgestellt sind, und die sich auf die besonderen Bedürfnisse der Teilmärkte konzentrieren. Die strategische Partnerschaft mit dem HWWI liefert hierfür wertvolle Beiträge. Die spezielle Verbindung aus Regional- und Wirtschaftskompetenz des HWWI führt immer wieder zu wertvollen Erkenntnissen. Die Analysen unterstützen unsere Berater und Kunden dabei, ein gemeinsames Verständnis von den Chancen und Risiken der Geschäftsfelder zu entwickeln. Sie fördern unseren Austausch mit Meinungsbildnern und helfen beim Aufbau wichtiger Netzwerke.

Bei den jährlichen Kundenveranstaltungen unserer Branchenkompetenz-Center ist es zur Tradition geworden, HWWI-Studien in Auftrag zu geben, die ein aktuelles Thema in die Diskussion einbringen. Das Haspa-Mittelstandsbarometer Hafen/Logistik 2011 analysiert die Rolle, die der Hafen für die gesamte Logistikregion einnimmt. Diese breite, Transportmittel übergreifende Perspektive beschäftigt nicht nur die großen Reedereien und Hafenunternehmen, sondern auch die vielen mittelständischen Logistikbetriebe, deren Erfolg in großem Maße von »Hamburgs Pulsgeber« abhängt.

Als Hausbank vieler Hamburger Logistikunternehmen ist es für uns außerordentlich wichtig, mit unseren Kunden ein gemeinsames Zukunftsverständnis zu entwickeln. Die Studien des HWWI tragen immer wieder dazu bei, dass wir die anstehenden privatwirtschaftlichen Investitionen noch zielgerichteter und ertragreicher auf den Weg bringen können.