HWWI Insights 04 2012

HWWI INSIGHTS im Gespräch mit Prof. Dr. …

Stefan Kolev


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Warum hast Du Dich damals für eine Promotion entschieden?

Ich hatte nach meinem Studium einfach nicht das Gefühl, dass ich die Volkswirtschaftslehre »wirklich« verstanden habe. Das Studium hatte vielfach eher offene Fragen als fertige Antworten hinterlassen. Nach einem Jahr auf dem Gebiet der quantitativen Makroökonomie hatte ich das Glück, auf mein endgültiges Thema auf dem Gebiet der Theoriegeschichte zu stoßen, nämlich wie bedeutende liberale Ökonomen des 20. Jahrhunderts über die Rolle des Staates in der Wirtschaftspolitik nachgedacht haben.

Selbstkritisch: Hat Dein Promotionsthema wirtschaftspolitische Relevanz?

Ich hoffe es sehr. Es ging mir in der Dissertation um zwei Fragen: Auf einer ersten Ebene wollte ich abstrakte Leitbilder über einen der Ordnungspolitik verpflichteten Staat herausarbeiten. Auf einer zweiten Ebene habe ich die konkrete Positionierung der Autoren auf den Gebieten der Konjunktur-, Währungs-, Wettbewerbs- und Sozialpolitik mit ihren einzelnen Begründungen untersucht. Auch »alte« Theorien können für die heutige Politik Inspiration und Orientierung bieten, da bin ich ganz sicher.

Wie schätzt Du heute die beruflichen Aussichten für promovierte Volkswirte ein?

Sehr positiv. Ökonomen sind vielfältig einsetzbar, ob in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Politikberatung etc. Während der Promotion hat man die Möglichkeit, intellektuell zu wachsen und seinen analytischen Verstand weiter zu schärfen, ganz unabhängig vom konkreten Thema. Die momentane Krise ist Gefahr und Chance zugleich: Zwar hat das Image der Zunft massiv gelitten, gleichzeitig wird aber ökonomisches Denken mehr denn je gefragt sein, solange wir die Probleme nicht überwunden haben.

Wie hast Du Promotion, Deine beruflichen Aufgaben im HWWI und ggfs. Familie unter einen Hut gebracht?

Das war nicht immer einfach. Da ich beim Aufbau unserer Thüringer Zweigniederlassung und des dortigen Wilhelm-Röpke-Instituts involviert war (und bin), waren Reisen nach Erfurt sehr häufig auf dem Programm. Dazu die stipendiatische Selbstorganisation der mich fördernden politischen Stiftung, außerdem Konferenzen, Forschungsreisen usw. Vor lauter interessanten Ablenkungen ist es nicht immer ganz einfach, die Dissertation stets im Auge zu behalten.

Was kommt jetzt?

An der Universität hat man heute als Ordnungsökonom, der sich für Theoriegeschichte interessiert, nicht die besten Karten. Das war mir bei meiner Themenwahl bewusst. So habe ich mich früh in Richtung Fachhochschule orientiert und versucht, während der Promotion viel Lehrerfahrung zu sammeln. Kurz nach der Promotion hatte ich dann die große Chance, als Professor für Wirtschaftspolitik an die Hochschule in Zwickau berufen zu werden, zeitgleich wurde ich Geschäftsführer des Wilhelm-Röpke-Instituts.