HWWI Insights 05 2013

Anpassung an den Klimawandel in Hamburg

Text: Julia Kowalewski

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Urbane Räume sind aufgrund der Ballung von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten im großen Maße mitverantwortlich für die Emissionen von Treibhausgasen, die als wichtigste Ursache des vom Menschen verursachten Klimawandels gelten. Gleichzeitig ist das Schadenspotenzial durch die räumliche Konzentration von Menschen und Sachwerten in Städten verglichen mit ländlichen, dünn besiedelten Gebieten sehr hoch. Mit Blick auf den steigenden Anteil der Bevölkerung, der in Städten lebt – in Deutschland sind es heute mehr als 70 % – ergibt sich für diese Räume, neben ihrer Verantwortung im Klimaschutz, auch ein hoher Anpassungsbedarf. Vor allem können durch Anpassung potenzielle negative Folgen abgemildert oder abgewendet werden. Außerdem gilt es die Chancen, die sich aus klimatischen Veränderungen ergeben können, zu erkennen und zu nutzen.

Für die Metropolregion Hamburg wird bis zur Mitte des Jahrhunderts eine Zunahme der Jahresmitteltemperatur gegenüber dem Zeitraum 1971 bis 2000 um 1 bis 2°C erwartet und bis zum Ende des Jahrhunderts (2071 bis 2100) um 2 bis 3°C. Dabei werden die Temperaturen im Winter wohl stärker ansteigen als im Sommer. Auch die Niederschlagsmuster werden sich voraussichtlich deutlich verändern. Für die Wintermonate wird mit einer Zunahme der Niederschlagsmenge von 3 bis 18 % (2036-2065) beziehungsweise von 12 bis 37 % (2071 bis 2100) gerechnet, während für die Sommermonate zunächst keine eindeutigen Änderungen erwartet werden. Tendenziell ist gegen Ende des Jahrhunderts aber eher mit einer Abnahme der Sommerniederschläge zu rechnen (Siehe Abbildung). Die hohe Bebauungs- und Versiegelungsdichte in Städten bewirkt, dass die Temperaturen hier generell stärker steigen als in dünner besiedelten Gebieten. So ist speziell in der Stadt Hamburg mit einer steigenden Anzahl an Hitzetagen zu rechnen. Weitere Extremwetterereignisse, wie Starkregen oder Stürme, sind zwar wesentlich schwieriger in den Klimaszenarien abzubilden. Doch es besteht auch hier die Möglichkeit, dass die Intensität und Häufigkeit solcher Ereignisse zunehmen wird.

Nicht zuletzt sind die Freie und Hansestadt Hamburg und ihre umliegenden Kreise durch die Lage an der Elbe auch von einem steigenden Meeresspiegel betroffen. Dieser kann dazu führen, dass Sturmflutwasserstände in Zukunft schneller erreicht werden und länger andauern, wodurch sich die Überflutungsgefahr in diesen Gebieten erhöht.

Für viele Entscheidungsträger ist unklar, inwieweit sie (positiv oder negativ) vom Klimawandel betroffen sind. Das liegt vor allem an den Unsicherheiten, die sowohl mit den Klimaprojektionen als auch mit den Auswirkungen der Klimaänderungen und der Wirksamkeit von Anpassungsmaßnahmen verbunden sind. Unsicherheiten rechtfertigen allerdings kein Nicht-Handeln. Es gilt, diese in den Planungen von Anpassungsmaßnahmen zu berücksichtigen. Zumal das Handeln unter Unsicherheit tagtäglich vom Staat, von Unternehmen und von jedem Individuum, beispielsweise bei langfristigen Investitionsentscheidungen, praktiziert wird. Denn wer kann schon mit Gewissheit sagen, was in der Zukunft passieren wird?

Im Idealfall werden die Anpassungsstrategien an mögliche Klimaänderungen bei der Planung neuer Projekte von vornherein mit bedacht und Synergieeffekte genutzt. Ein Beispiel ist der Neubau von Wohnungen. Eine angepasste Bauweise, beispielsweise durch eine spezielle Dämmung, wasserdichte Kellerfenster oder Gründächer, könnte zukünftige gesundheitliche Probleme der Bewohner an Hitzetagen oder Schäden durch Starkregenereignisse verhindern oder verringern. Mögliche zusätzliche Energieeinspareffekte wären gleichzeitig positiv für den Klimaschutz. In anderen Fällen, wie beispielsweise dem Deichbau, mag es sinnvoll sein zunächst abzuwarten, bevor große Investitionen in eine Deicherhöhung getätigt werden. Immer wäre es zweckmäßig, den Deich so flexibel zu gestalten, dass eine Nachrüstung problemlos möglich ist, sobald die Unsicherheiten bezüglich der Hochwasserstände unter dem Einfluss des Klimawandels geringer sind.

Der Beitrag, den die Ökonomie bei der Anpassungsplanung leisten kann, liegt vor allem in der Beurteilung von Maßnahmen bezüglich ihrer Kosten und ihres Nutzens, ihrer Finanzierung und möglicher Verteilungswirkungen, das heißt: Der Benachteiligung oder Privilegierung bestimmter Gruppen. Wünschenswert sind sogenannte No-regret-Maßnahmen. Diese Maßnahmen zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Nutzen auch dann größer als die Kosten ist, wenn die erwarteten Klimaänderungen nicht eintreten. Käme es beispielsweise in Zukunft in Hamburg vermehrt zu Starkregenereignissen, so stellen Maßnahmen, die Schäden durch ein solches Ereignis reduzieren, durchaus eine Anpassung an den Klimawandel dar. Für den einzelnen Hausbesitzer kann dies die Installation von wasserdichten Kellerfenstern sein. Aus Sicht der Stadt gilt es dagegen großräumigere Überlegungen zur Ableitung und Zwischenspeicherung von Regenwasser anzustellen. Beide Arten von Maßnahmen könnten schon unter heutigen Klimabedingungen großen Nutzen stiften. Während des Starkregens im Juni 2011 in Hamburg hätten dadurch bereits viele vollgelaufene Keller und Geschäftsräume vermieden werden können.

Da Anpassungsmaßnahmen Schäden durch den Klimawandel in der Regel nur mildern und nicht gänzlich vermeiden, müssen auch die sogenannten Restschäden in die Berechnungen von Kosten-Nutzen-Verhältnissen einfließen. Der Wert einer Anpassungsmaßnahme ergibt sich somit aus den Kosten des Nicht-Handelns abzüglich der Kosten der Anpassungsmaßnahmen und des Restschadens. Ökonomisch rational ist es, diesen Wert zu optimieren. Maßnahmen mit einem negativen Wert sollten nicht in Erwägung gezogen werden. Die Abbildung verdeutlicht den Begriff der Restschäden.