HWWI Insights 05 2013

Editorial


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Gerne werden in Zeiten von Finanzkrisen, Umweltzerstörung und ausbeuterischen Beschäftigungsverhältnissen die Begriffe verantwortliche Unternehmensführung, Corporate Social Responsibility und moralisches Wirtschaften bemüht. Dies ist richtig und sensibilisiert dafür, dass es für Unternehmen Alternativen gibt und geben muss, wirtschaftlichen Erfolg mit positiven, statt negativen Externalitäten zu verbinden.

Die Diskussion in den Medien, der Gesellschaft und folgend auch beim Gesetzgeber zeigt, dass es einige Aspekte gibt, die einer klaren und näheren Analyse bedürfen:

  • Ersten ist die wissenschaftliche Forschung zum Thema Unternehmensethik nicht neu und bietet spätestens seit den 1980’er Jahren eine Fülle an Grundlagenwissen.

  • Zweitens wird leicht vergessen, dass nur Unternehmerinnen und Unternehmer verantwortlich handeln können – nicht die Unternehmen (zurecht heißt es deshalb „Ehrbarer Kaufmann“ und nicht „Ehrbares Unternehmen“). Dies ist wichtig, weil damit die unterschiedlichen Anreizstrukturen für verantwortungsvolles Verhalten in Manager- und Eigentümergeführten Unternehmen sichtbar werden.

  • Neben unternehmensinternen Anreizen existieren drittens externe Rahmenbedingungen, die ethisches Unternehmertum nicht immer einfach machen. Für international aktive Unternehmen ist soziale Verantwortung ein Kostenfaktor, den es beim Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit zu berücksichtigen gilt. (Zu) oft dominieren kurzfristige Gewinnziele langfristiges ethisches Handeln.

  • Viertens verändern sozioökonomische, wie demografischer Wandel, und technische Entwicklungen, wie mobile Arbeitsmöglichkeiten, schon heute die klassische Organisation von Beschäftigung und damit das Verhältnis zwischen – künftigen Generationen von – Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Die Arbeitswelt in 10 Jahren wird eine andere sein, mit entsprechenden Konsequenzen für Führung, Unternehmenskommunikation, Tarifparteien und nicht zuletzt die Unternehmensethik.

Neben dem reinen Erkenntnisinteresse ist das HWWI immer bestrebt, seine Grundlagenforschung praxisrelevant auszurichten. Die Analyse der genannten Punkte aus dem Bereich unternehmerische Ethik soll den Unternehmerinnen und Unternehmern am Ende praktische Handlungsempfehlungen liefern. Wir sind überzeugt, dass Unternehmerinnen und Unternehmer ihrer Verantwortung besser gerecht werden können, wenn der makroökonomische und sozioökonomische Kontext ihres Handelns aufgezeigt und mit den täglichen, (globalen) betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten abgeglichen wird. So wie das HWWI in seiner Politikberatung zunächst die politische Ökonomie, gesellschaftliche Meinungsbilder und das Verhalten von Entscheidungs- und Einflussträgern zu berücksichtigen hat, müssen Praxisempfehlungen für Unternehmerinnen und Unternehmer das Ziel der Unternehmung beachten: Erfolgreich zu Wirtschaften!

Auch wenn Milton Friedman immer verkürzt zitiert wird („there is one and only one social responsibility of business – to use it resources and engage in activities designed to increase its profits so long as it stays within the rules of the game”), stellt sich genau die Frage nach den Spielregeln. Und vor allem die Frage danach, ob diese unveränderbar sind. Welche Wünsche hat die Gesellschaft in den nächsten Dekaden an das Wirtschaften der Unternehmen? Lassen sich diese Erwartungen, teilweise Notwendigkeiten, institutionalisieren? Wird aus der Sozialen eine Ethische Marktwirtschaft? Wird der Begriff Sozialkapital durch das sozial verantwortliche Handeln von Unternehmerinnen und Unternehmern operationalisierbar? Welche zukünftigen Handlungsalternativen und strategischen Perspektiven gibt es für Ehrbare Kauffrauen und Kaufmänner?

Zusammen mit der Breckwoldt-Stiftung hat das HWWI begonnen, diese Fragen zu bearbeiten. Erste Antworten wollen wir im kommenden Jahr auf einer Konferenz „Ethische Marktwirtschaft. Basis für unternehmerischen Erfolg im 21. Jahrhundert“ liefern. Die Antworten erarbeiten wir nicht im Elfenbeinturm, sondern gemeinsam mit Ihnen, die durch die Förderung des HWWI bereits soziale Verantwortung übernommen haben. Beteiligen Sie sich, ergänzen Sie Fragen, diskutieren Sie mit uns und korrigieren Sie uns gerne! Für Ihre persönliche Auseinandersetzung mit Themen der Unternehmensethik wünschen wir Ihnen eine angenehme Lektüre.

Prof. Dr. Thomas Straubhaar
Direktor und Sprecher der Geschäftsführung

Gunnar Geyer
Geschäftsführer