HWWI Insights 05 2013

Wirtschaftswissenschaften in (fast) allen Geschäftsbereichen

Eine Auswahl unserer letzten Forschungsarbeiten

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Die 30 Grössten

Zum dritten Mal hat das HWWI zusammen mit der Berenberg Bank das „HWWI/Berenberg Städteranking“ für die 30 größten Städte Deutschlands veröffentlicht. Durch verschiedene Teilindizes werden die Städte unter anderem hinsichtlich ihrer ökonomischen Leistungsfähigkeit, ihrer demografischen Aussichten und Standortfaktoren wie Bildung und Internationalität beurteilt. Heraus kommt ein Gesamtranking der 30 größten deutschen Städte, welches sich in der Regel großer medialer Beliebtheit erfreut. An der Spitze stand dieses Jahr Frankfurt am Main, gefolgt von München und Bonn. Auf den letzten Rängen befinden sich Gelsenkirchen, Bochum und Chemnitz. Hamburg nahm dieses Mal den 11. Platz ein. In der Ausgabe des Hamburger Abendblatts vom 19. April 2013 fasste Prof. Dr. Thomas Straubhaar jedoch treffend zusammen „Alle Städte sind Gewinner. Es findet bei jungen Menschen eine Landflucht statt“.

Studie: Teuber, M.; Wedemeier, J.; Wilke, C. (2013): HWWI/Berenberg Städteranking 2013. Die 30 größten Städte Deutschlands im Vergleich, HWWI & Berenberg Bank (Hrsg.), Hamburg.

Wie heizen wir morgen?

Für die Studie „Shell BDH Hauswärme-Studie: Klimaschutz im Wohnungssektor – wie heizen wir morgen?“ untersuchten die Forscher und Forscherinnen des HWWI und des Dresdener Instituts für Technische Gebäudeausrüstung (iTG), welchen Beitrag der Haushaltssektor zur Energiewende in Deutschland leisten kann. Dazu wurden die Einspar- und Ausbaupotenziale der wichtigsten Heiztechniken und Energien analysiert und Zukunftsszenarien entwickelt. Fazit: Schon durch beschleunigte Heizungsmodernisierung und den vermehrten Einsatz erneuerbarer Energien lassen sich von heute bis 2030 Endenergie in Höhe von rund 18% und Treibhausgase in Höhe von rund 30% einsparen.

Studie: Adolf, J.; Bräuninger, M.; Ehrlich, L.; Leschus, L.; Lücke, A.; Mailach, B.; Oschatz, B.; Otto, A. (2013): Shell BDH Hauswärme-Studie: Klimaschutz im Wohnungssektor – wie heizen wir morgen?, Shell Deutschland Oil GmbH, BDH Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik e.V. (Hrsg.), Hamburg/Köln.

(Wann) ist die Zeit reif?

Der Begriff Fiskalunion hat in Zeiten einer europäischen Staatsschuldenkrise eine gewisse politische und mediale Sprengkraft. Umso interessanter sind die Ergebnisse der Studie „Chancen und Risiken einer Fiskalunion“, die das HWWI in Kooperation mit und im Auftrag von PwC erstellt hat. Um einer „Schuldenunion“ zu entgehen, müsse demnach der Vertrag von Maastricht weiter gedacht und die Währungsunion zu einer Fiskalunion mit einem institutionalisierten Transfersystem weiterentwickelt werden. Dazu gehören unter anderem eine europaweit einheitliche Einkommensteuer sowie eine europäische Arbeitslosenversicherung. Ein so großer Wandel sollte nur schrittweise vollzogen werden. Kurzfristig sind institutionalisierte Stabilisierungsmechanismen, die eine Überschuldung einzelner Mitgliedsstaaten verhindern unentbehrlich. Langfristig sollte der Gedanke an eine Fiskalunion jedoch weiter Form annehmen dürfen.

Studie: Bräuninger, M.; Straubhaar, T.; Vöpel, H.; Wilke, C.; Winkeljohann, N. (2013): Chancen und Risiken einer Fiskalunion, PwC in Kooperation mit HWWI (Hrsg.), Frankfurt a.M.

Eine Branche, die es in sich hat

Ein kleines norddeutsches Unternehmen, dass, größtenteils in Handarbeit, Vasen, Rollstühle oder auch Verbandskästen für internationale Fluggesellschaften produziert, bringt Wirtschaftswissenschaftler genauso ins Staunen wie die riesigen Werkhallen großer Flugzeugbauer. Für die Studie „Im Steigflug. Luftfahrtindustrie als Wachstumsmotor für Norddeutschland“ werteten die Forscher und Forscherinnen des HWWI nicht nur diverse statistische Datensätze aus, sondern kamen auch in Kontakt mit großen und kleinen Akteuren der Luftfahrtindustrie in Norddeutschland. Herausgekommen ist eine Studie, die diese forschungsintensive Branche und ihre enorme Bedeutung für den Industriestandort Norddeutschland anschaulich darstellt - sowohl anhand von Analysen wirtschaftsrelevanter Indikatoren als auch durch mehrere Fallbeispiele, die die Vielfalt der Akteure der Luftfahrtindustrie illustrieren.

Studie: Bunde, H.; Biermann, F.; Bräuninger, M.; Stiller, S. (2012): Im Steigflug. Die Luftfahrtindustrie als Wachstumsmotor für Norddeutschland, Studie im Auftrag von Airbus, Hamburg.

Kinder… Ja? Nein? Vielleicht?

In Deutschland sind niedrige Geburtenziffern ein Trend, der bereits deutlich vor dem „Pillenknick“ der 1970er begonnen hat. Welche soziodemografischen, sozialnormativen und politisch-rechtlichen Faktoren hierzulande die Fertilität beeinflussen, untersucht das Gutachten „Geburten und Kinderwünsche in Deutschland: Bestandsaufnahme, Einflussfaktoren und Datenquellen“. Es wurde zusammen vom HWWI, dem Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik (Münster), den Universitäten Köln und Duisburg-Essen sowie dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (Mannheim) veröffentlicht und ist Teil der „Gesamtevaluation von ehe- und familienbezogenen Leistungen“, einem mehrjährigen Forschungsprojekt initiiert vom Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF). Auf Grundlage der Ergebnisse der Teilstudien soll nun im nächsten Schritt die Wirkung ehe- und familienbezogenen Leistungen und Maßnahmen in Deutschland auf die Geburtenrate und die Erfüllung von Kinderwünschen zu analysiert werden.

Studie: Boll, C.; Bonin, H.; Gerlach, I.; Hank, K.; Laß, I.; Nehrkoen-Ludwig, M.; Reich, N.; Reuß, K.; Schnabel, R.; Schneider, A.; Stichnoth, H.; Wilke, C. (2013): Geburten und Kinderwünsche in Deutschland: Bestandsaufnahme, Einflussfaktoren und Datenquellen, Gutachten für die Prognos AG, Hamburg.

Das hohe Gut der Bildung

Im Auftrag der Hamburger Sparkasse analysierte das HWWI zusammen mit dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) im letzten Jahr die Bildungssysteme der beiden Bundesländer Hamburg und Schleswig Holstein. Dabei wird auf den schulischen, den universitären und auch den berufsbildenden Bereich heute und morgen eingegangen. Neben den Unterschieden in den Bildungsbereichen und gemeinsamen zukünftigen Herausforderungen, stellt die Studie ein erhebliches Kooperationspotential des Flächenlandes und des Stadtstaats fest. Spezialisierung und Arbeitsteilung heißen hier die Schlüsselworte. Sowohl unter den Auszubildenden als auch unter den Studienanfängern gibt es in den beiden Bundesländern eine starke Affinität zum norddeutschen Raum. Das kann genutzt werden, um die Fachkräfte von morgen frühzeitig zu binden.

Studie: Bencek, D.; Boll, C.; Bunde, H.; Klodt, H.; Lauppe, R.; Leppin, J.; Stiller, S. (2012): Bildungsraum Hamburg/Schleswig-Holstein: mit vereinter Kraft für eine starke Region!, Studie im Auftrag der Hamburger Sparkasse, Hamburg.