HWWI Insights 05 2013

Metropolregion Nordwest
Chancen erkennen – Potentiale nutzen

Text: Christina Wilke

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Wie haben sich die Zukunftsbranchen und Zukunftsfelder der Metropolregion Bremen-Oldenburg in den vergangenen fünf Jahren entwickelt? Welche Herausforderungen werden im Standortwettbewerb auf mittlere Sicht für die Region eine Rolle spielen? Eine beim HWWI, Zweigniederlassung Bremen, in Auftrag gegebene Studie soll diese Fragen beantworten und helfen, Chancen zu erkennen und Potentiale noch stärker zu nutzen.

Die Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nord­westen wurde 2005 als eine von elf europäischen Metropolregionen in Deutschland anerkannt. Nach der Metro­polregion Rhein-Neckar ist sie die zweitkleinste der deutschen Metropolregionen. 2006 gründeten die Länder Niedersachsen und Bremen, fünf Städte/Stadtgemeinden sowie elf Landkreise und fünf Industrie- und Handelskammern den Verein Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nordwesten e.V. Das Ziel: Wachstum und Innovation in der Region fördern. Seitdem hat die Region zentrale Zukunftsbranchen und -felder für sich definiert und in diesen Bereichen eine Fülle von Aktivitäten entwickelt.


Wirtschaftsstruktur

Knapp 40 % der Beschäftigten in der Metropolregion Bremen-Oldenburg arbeiten in einer der definierten Zukunftsbranchen. Als größte Branchen in der Region mit zugleich hoher Dynamik sind hier die Agrar- und Ernährungswirtschaft (rund 156 000 Erwerbstätige), die Gesundheitswirtschaft (rund 152 000 Erwerbstätige), sowie der Bereich Logistik und Maritime Wirtschaft (rund 85 000 Erwerbstätige zu nennen. Aber auch andere, kleinere Zukunftsbranchen, wie die Tourismusbranche und die Kultur- und Kreativwirtschaft sowie die Energiewirtschaft, weisen seit 2008 eine hohe wirtschaftliche Dynamik im zweistelligen Bereich auf.


Regionen im Vergleich

Unter allen deutschen Metropolregionen kann die Metropolregion Bremen-Oldenburg in der Agrar- und Ernährungswirtschaft mit nahezu 10 % den mit Abstand höchsten Beschäftigtenanteil dieser Branche an der Gesamtbeschäftigung über alle Branchen in einer Region für sich verbuchen. Auch im Hinblick auf die in den vergangenen fünf Jahren zu beobachtende Wachstums­dynamik liegt die Branche mit über 10 % deutlich auf Platz eins der deutschen Metropolregionen.

Im Bereich Logistik und Maritime Wirtschaft belegt die Metropolregion Nordwest sowohl beim Anteil der Beschäftigten als auch bei der Dynamik den dritten Platz. Nur in den Metropolregionen Hamburg und Frankfurt/Rhein-Main hat diese Branche einen leicht höheren Stellenwert. Dafür war die Dynamik in den vergangenen fünf Jahren im Nordwesten deutlich höher als in der Hamburger Metropolregion.

Die Gesundheitsbranche als stärkste Branche der Metropolregion Bremen-Oldenburg belegt im Vergleich aller deutschen Metropolregionen hingegen eher einen Platz im Mittelfeld. In dieser Branche ist der Anteil der Beschäftigten in anderen Regionen deutlich höher als im Nordwesten. Ebenso ist für die meisten anderen Metropolregionen eine höhere Dynamik zu beobachten.

Interessant ist die Wachstumsdynamik in einigen der kleineren Zukunftsbranchen, beispielsweise der Energiewirtschaft. Zwar liegt der Anteil der Beschäftigten in der Energiewirtschaft im Vergleich der Metropolregionen nur im Mittelfeld, aber mit fast 13 % weist die Region hier das zweitstärkste Wachstum auf (nach Stuttgart mit 13,3 %).

Betrachtet man nur den Bereich der erneuerbaren Energien innerhalb der Energiewirtschaft, nimmt die Metropolregion Bremen-Oldenburg ganz klar eine Spitzenposition unter den deutschen Metropolregionen ein. So wird hier beispielsweise die höchste Strommenge durch erneuerbare Energien (ohne Wasserkraft) je Einwohner erzeugt.

Insgesamt zeigt sich, dass sich einige der definierten Zukunftsbranchen auch im Vergleich mit den anderen deutschen Metropolregionen gut behaupten und vordere Rangplätze belegen können.


Europäischer Blick

Ein solcher Vergleich mit anderen, nicht unmittelbar angrenzenden Regionen wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen. Denn: Regionen konkurrieren zunehmend untereinander um Unternehmen, Arbeitskräfte und Einwohner. Tatsächlich spricht vieles dafür, dass sich der für diese Studie herangezogene, relevante Vergleichsraum künftig weiter ausdehnen wird – auf die entsprechend vergleichbaren Metropolregionen in ganz Europa.

Diese Perspektive eines Europas der Regionen wird auch im Hinblick auf zusätzliche, abrufbare Fördermittel für Kommunen und Unternehmen künftig eine bedeutende Rolle spielen: Öffentliche Haushalte stehen zunehmend unter Konsolidierungsdruck; die Regionen müssen verstärkt mit jeweils eigenen Strategien und Projekten auf veränderte Parameter des Standortwettbewerbs reagieren. Die seitens der EU ausgeschriebenen Fördermittel eröffnen in dieser Hinsicht neue Möglichkeiten.


Herausforderungen sind Chancen

Das Thema Europa ist daher als eine wesentliche Herausforderung im zukünftigen Standortwettbewerb zu sehen, das – sofern es als eine Chance erkannt wird – dazu beitragen kann, vorhandene Potentiale in der Region zu nutzen und weiter auszubauen.

Insgesamt sieht sich die Region auf mittlere Sicht jedoch noch weiteren Herausforderungen gegenüber. Alle diese beinhalten jedoch zugleich Chancen, die – als solche erkannt und genutzt – die Position der Metropolregion im internationalen Wettbewerb weiter stärken können.