Weltwirtschaft

Das Jahr, in dem die Globalisierung abgewählt wurde

10.11.2016 | HWWI Standpunkt | von Henning Vöpel
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Mit der Wahl Donald Trumps gelangt eine sich ausbreitende populistische Bewegung in die größtmögliche politische Macht: in das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten von Amerika, der größten Volkswirtschaft, der stärksten Militärmacht und der bedeutendsten Demokratie. Zusammen mit dem Brexit, der die Welt mit ähnlicher Wucht und Überraschung getroffen hat, lässt sich feststellen: Die alte Globalisierung, die mit der globalen Finanzkrise an eine Zeitenwende gelangt war, ist in 2016 demokratisch abgewählt worden. Wir müssen das, was passiert ist, tiefer verstehen, um eine Antwort darauf zu finden, eine tunlichst bessere, als die Populisten es verheißen.

Das Versprechen der Demokratie, das Versprechen der Marktwirtschaft, gerechten Wohlstand zu erzeugen, ist nicht gehalten worden - ausgerechnet im Land des sozialen Aufstiegs, des amerikanischen Traums, des liberalen Kapitalismus. Die Mittelschicht, die so wichtig für die Stabilität einer Gesellschaft ist, hat nicht mehr genügend an den Globalisierungsgewinnen partizipiert. Das Vertrauen in Politik, in Institutionen, in Eliten hat schweren Schaden genommen. Dass die Entscheidung für den Brexit und die Wahl Trumps keiner ökonomischen Rationalität folgen, ist eine Erklärung, aber keine Antwort. Die Globalisierungskrise ist im Kern eine Legitimationskrise. Das verloren gegangene Vertrauen muss erneuert werden.

Dies gelingt nur mit einem neuen Modell der Globalisierung. Die Abwahl der alten Globalisierung darf keinen Rückfall in Nationalismus und Protektionismus bedeuten wie vor hundert Jahren. Es muss der Beginn einer erneuerten, legitimieren Globalisierung sein. Europa hat jetzt, da die USA zu einer Quelle der weltwirtschaftlichen Unsicherheit und geopolitischen Instabilität geworden sind, die Chance und die Verantwortung, ein solches Modell der Globalisierung zu gestalten.

Autoren

Prof. Dr. Henning Vöpel