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Wachstumsaussichten für Bremen

18.12.2017 | HWWI Standpunkt | von Jan Wedemeier
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Die Konjunktur bleibt für Bremen weiter aufwärts gerichtet. Die Auftragseingänge der Industrie bleiben deutschlandweit auf einem hohen Niveau – dieses Bild kann auch für Bremen gezeichnet werden. Der Grund ist, dass die globalen Wachstumsaussichten positiv sind und Bremen aufgrund der überdurchschnittlich starken außenwirtschaftlichen Verflechtung hiervon überproportional profitiert. Trotz der positiven konjunkturellen Entwicklung sieht sich Bremen jedoch nach wie vor großen strukturellen Problemen gegenüber. Diese betreffen nicht zuletzt den Arbeitsmarkt, den Dienstleistungssektor sowie das Bildungswesen.

Erstens ist der Bestand an Langzeitarbeitslosen in Bremen trotz steigender Erwerbstätigenzahl überdurchschnittlich hoch. Die Qualifikation der Arbeitsuchenden passt also offenbar nicht gut zu den Anforderungen der offenen Stellen. Überwunden kann dies nur durch Qualifizierungsmaßnahmen. Faktisch wird sich dieses Mismatch in vielen Fällen aber erst durch das Ausscheiden aus dem regionalen Arbeitsmarkt weiter auflösen, also zum Beispiel durch Verrentung und Abwanderung in andere Arbeitsmärkte.

Zweitens spielt die Industrie in Bremen dank guter Standortbedingungen eine wichtige Rolle. Hier sei die Nähe zu den Großhäfen zu nennen. Diesen Standortvorteil gilt es in Zukunft offensiver zu betonen. Zur Stärkung der Industrie gilt es gleichzeitig die Wissensbasis, zum Beispiel die Verbindung zur lokalen Forschung zu intensivieren. Bremen ist hier in der Breite im Bundesvergleich durchschnittlich aufgestellt. Der Dienstleistungssektor hat sich im Land Bremen hingegen weniger positiv entwickelt als im Bundesdurchschnitt. Der Dienstleistungsbereich scheint noch viel Entwicklungspotenzial zu haben. Die Standortbedingungen gilt es weiter aktiv zu gestalten. Derzeitig erscheint es, dass die Wirtschaft die Verwaltung und die Politik treibt.

Drittens, Bremen weist im Bildungsbereich große Defizite auf. Dies gilt es mittelfristig zu beseitigen. Entwicklungsbedarf und Investitionsstau gibt es in den Kindergärten, den Berufsschulen und auch in den Hochschulen. Weitere Faktoren betreffen die Attraktivität Bremens als Gründerstandort sowie die Verkehrs- und digitale Infrastruktur. Andererseits gilt es offensiv den Innovationsstandort nach außen zu kommunizieren, zum Beispiel ist Bremen im Bereich der Drittmittelforschung Spitze.

Als Fazit lässt sich feststellen, dass Bremens Wachstumsaussichten für 2018 sich trotz eines schwierigen Umfelds positiv darstellen. Die Standortbedingungen bedürfen jedoch notwendiger Korrekturen. Die Politik und die Verwaltung seien gut beraten, eine dynamische und geschlossene Umsetzung durchzuführen, damit die weltwirtschaftliche Wachstumsphase mitgenommen wird, bevor es zu einer konjunkturellen Eintrübung kommt.

Autoren

Dr. Jan Wedemeier