Weltwirtschaft

Was kommt nach Trump?

23.01.2017 | HWWI Standpunkt | von Henning Vöpel
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Am Freitag ist Donald Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt worden. Seine erste offizielle Rede in diesem Amt hat klar erkennen lassen, wohin es in den nächsten vier Jahren geht: Amerika wird in allen Bereichen der nationalen und internationalen Politik die eigenen Interessen kompromisslos in den Vordergrund stellen. Ohne Frage wird das die Welt(wirtschafts-)Ordnung grundlegend verändern. Aber die entscheidende Frage in historischer Perspektive lautet: Ist Trump das Ende einer alten Ära, der Anfang einer neuen oder nur ein politisches Intermezzo, schmerzhaftes Symptom einer fehlgeleiteten Globalisierung, ein heilsamer Schock für die Welt auf dem Weg in eine neue Ordnung? Was hinterlässt Trump und was kommt nach ihm? Diese Fragen hängen ironischerweise weniger von den USA selbst ab als vielmehr von der Reaktion Chinas und Europas.   

America first, hat Trump angekündigt und versprochen. Doch der Erfolg Trumps wird maßgeblich außerhalb der USA bestimmt, und zwar in China und Europa. Dort, nicht in Washington, entscheidet sich, ob die USA unter Trump die Welt auch im 21. Jahrhundert führen oder aber einen dramatischen Bedeutungsverlust erleiden und zum großen Verlierer werden. Wenn der Rest der Welt den Politikwechsel nicht mitvollzieht, werden die USA schnell erkennen, dass sie sich nicht einfach so aus den globalen Wertschöpfungsketten verabschieden können, schon gar nicht zum eigenen Vorteil. Die Politik Trumps wird dann schnell scheitern. Das gilt vor allem für seine Wirtschaftspolitik. Auch wenn die Wirtschaftselite der Welt, die etwas von Business versteht, aber nicht von Ökonomie, in Davos gerade viel optimistischer ist und auch die Kapitalmärkte die zu erwartenden kurzfristigen Effekte Trumps feiern, seine Bilanz in vier Jahren wird völlig anders aussehen. Trump wird in vier Jahren kaum eine geringere Arbeitslosigkeit vorweisen können als heute. Die US-Wirtschaft befindet sich mit unter 5% Arbeitslosigkeit fast bei Vollbeschäftigung. Sein angekündigtes Investitionsprogramm wird Inflation erzeugen und einen Konflikt mit der Fed provozieren, aber kaum mehr Wachstum erzeugen. Im Gegenteil: Die Abschottung der USA kann die eigene Wirtschaft potenziell hart treffen. Da die Importe relativ niedrig sind, bringen Schutzzölle wenig. Die Schwäche der US-Wirtschaft sind ihre geringen Exporte, weswegen es sinnvoller wäre, deren Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Die Einführung von Importbeschränkungen werden die USA mehr Arbeitsplätze kosten als ihr bringen. Trumps Makropolitik funktioniert allenfalls kurzfristig, langfristig ist sie desaströs. Der heute erstarkte US-Dollar kann schon in ein paar Jahren in eine Währungskrise geraten.

Wer heute behauptet, Trump sei heilsam oder gar Avantgarde, fällt auf dessen Argumentation politisch und ökonomisch in großer Naivität herein. Trump wird die Globalisierung, die ohne Zweifel vor einer großen Zeitenwende steht, nicht in eine bessere Zukunft führen, sondern im schlechtesten Fall weit zurückwerfen, vor allem aber die USA selbst. Deshalb wird am Ende von Trump wieder die Agenda Obamas von 2009 stehen. Obamas Mission war die Umgestaltung der Weltordnung. Sein neuer Kurs in der Handelspolitik sowie in der Außen- und Sicherheitspolitik hatte genau dies zum Ziel. Der Weg in eine stabile Weltordnung unter Führung der USA mit dem Modell einer liberalen Demokratie und eines globalen Kapitalismus konnte, das wusste Obama, nur über einen schwierigen und langwierigen, aber notwendigen Kurswechsel der USA führen. Das Einzige, was als Alternative zur Etablierung einer globalen Governance und gerechter Regeln der Globalisierung zur Verfügung steht, um ökonomische Phänomene der Globalisierung politisch zu gestalten, sind Abschottung und Protektionismus. Genau das tut Trump: die Grenzen wieder hochziehen und die heimische Wirtschaft abschotten. Der nationalistische Politikansatz Trumps ist daher notwendigerweise ein protektionistischer. Industrielle Arbeitsplätze in die USA zurückzuholen, gelingt nur mit Protektionismus. Die Wohlfahrtswirkungen einer solchen Politik werden für die USA negativ sein. Die nachhaltigere Antwort auf den globalisierungsbedingten Strukturwandel und die dadurch ausgelösten Verteilungsfragen besteht darin, den Menschen einen besseren Zugang zu Gesundheit und Bildung zu geben. Davon indes war bei Trump bislang wenig zu hören.

Trump führt die USA in eine gefährliche Richtung. Wenn die Weltwirtschaft jetzt bessere Antworten findet und ihre eigene Governance schafft, wird Amerika nicht great again, sondern von Trump in die Isolation geführt. Er hätte dann zwar den Übergang der Welt in eine neue Ordnung beschleunigt, aber gleichzeitig den Abstieg der USA eingeläutet. Das wiederum hängt entscheidend von der Kraft Europas ab, jetzt sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Es hat in 2017 die historische Chance dazu - mit den Wahlen in Frankreich und Deutschland. Wenn Europa die richtige Antwort findet, wird Trump scheitern.      

Autoren

Prof. Dr. Henning Vöpel