Klima und Umwelt

Auswirkungen von Extremwetterereignissen

27.10.2014 | HWWI Update | von Malte Jahn

Die Modellierung von Extremwettereignissen stellt Ökonomen vor eine Herausforderung. Kurzfristig ist der aggregierte Effekt auf die Wertschöpfung (Rückgang durch Schäden, Zunahme durch Beseitigung der Schäden) oft  neutral oder nicht eindeutig. Langfristig wirkt sich eine Risikozunahme jedoch negativ aus.

Extremwetterereignisse, wie Starkregen, Flusshochwasser oder Stürme, hinterlassen oft Bilder der Zerstörung. Dabei kann auch die Wirtschaft unter anderem durch Beschädigung von Produktivkapital und Infrastruktur negativ betroffen sein. Allerdings erzeugen die Zerstörungen in der Regel Nachfrage zur Behebung der Schäden. Dies kann dazu führen, dass die positiven wirtschaftlichen Folgen in der kurzen bis mittleren Frist die negativen Folgen ausgleichen oder sogar überkompensieren.

Die Voraussetzungen, unter denen dies geschieht, werden von Ökonomen kontrovers diskutiert. Sicherlich spielen das Ausmaß des Schadens und die verbleibenden Produktionskapazitäten einer betroffenen Ökonomie eine wichtige Rolle. In entwickelten Industrienationen sind diese Kapazitäten auch nach einem größeren Schadensereignis meist hoch genug, um die Wiederaufbau-Nachfrage zu befriedigen. So gibt es empirische Untersuchungen, die zeigen, dass die Flutkatastrophe von 2002 für das Bundesland Sachsen positive Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung der Jahre 2002 bis 2004 hatte.

Wenn einzelne Extremwettereignisse oft neutrale oder positive wirtschaftliche Folgen haben, ist dann eine klimawandelbedingte Zunahme dieser Ereignisse ebenfalls neutral oder positiv für die Gesellschaft? Die Antwort lautet: Nein. Auch wenn einzelne Extremwetterereignisse neutrale oder positive gesamtwirtschaftliche Effekte aufweisen (können), so kann sich eine Zunahme der Eintrittswahrscheinlichkeit von Extremwetterereignissen auch auf das Verhalten der Wirtschaftsakteure auswirken. Es wurde festgestellt, dass zum Beispiel Immobilienpreise durch aktualisierte Flutrisikoinformationen beeinflusst werden. Ökonomisch kann dies damit erklärt werden, dass Wirtschaftsteilnehmer eventuell auftretende zukünftige Schäden in ihre Kalkulation miteinbeziehen. Dadurch sinkt bei steigendem (erwartetem) Risiko der Preis, den sie zu zahlen bereit sind. Die Immobilienpreise und Mieten sinken tendenziell in einem gefährdeten Gebiet.

In einer neuen HWWI-Studie (siehe Kasten)  wird ein Modell vorgestellt, welches die Möglichkeit bietet, diesen Effekt für eine regionale Ökonomie zu simulieren. Im Rahmen eines sogenannten räumlichen Allgemeinen Gleichgewichtsmodells beziehen Firmen und Haushalte Flutrisiken in ihre Standortentscheidungen mit ein. Abhängig von der Betroffenheit der Unterregionen und der jeweiligen sozio-ökonomischen Struktur führt ein erhöhtes Risiko zu Wohlfahrtsverlusten. Dieser Verlust lässt sich wiederum in Geldeinheiten umrechnen, um ihn mit anderen monetären Größen in Relation zu setzen.

Anpassungsmaßnahmen dienen dazu, zukünftige Schäden, zum Beispiel durch Extremwetterereignisse, zu vermeiden. Analog zu den vorherigen Überlegungen führen Anpassungsmaßnahmen also zu einer Minderung des Verlusts der Attraktivität betroffener Gebiete. Mithilfe einer Nutzen-Kosten-Rechnung kann nun ermittelt werden, ob die Kosten einer Maßnahme in einem günstigen Verhältnis zum Nutzen stehen. Bezüglich der Kosten wird angenommen, dass die Maßnahmen aus dem öffentlichen Haushalt finanziert werden. Der Nutzen einer Maßnahme ist indirekt durch den vermiedenen Verlust gegeben. Insgesamt müssen für die Bewertung von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel sehr lange Zeiträume betrachtet werden.




In einer konkreten Anwendung des Modells wurden für die Stadt Hamburg mögliche Wohlfahrtsverluste sowie räumliche Effekte einer klimawandelbedingten Sturmflutrisikozunahme bis zur Mitte des Jahrhunderts untersucht. Die Abbildung zeigt die Änderung der Anzahl der Haushalte in den Hamburger Bezirken für das Modelljahr 2055 zwischen dem Basislauf ohne Klimawandel und einem exemplarischen Klimawandelszenario. Die weiteren Modellergebnisse lassen darauf schließen, dass die Implementierung der aktuell in Hamburg in der Umsetzung befindlichen Anpassungsmaßnahme „Bauprogramm Hochwasserschutz“ ein außerordentlich hohes Nutzen-Kosten-Verhältnis aufweist.

Zukünftig ließe sich das Modell auch zur Abschätzung von Wohlfahrtsverlusten durch andere Extremwetterereignisse, wie zum Beispiel Hitzewellen, einsetzen. Entsprechend wäre ebenfalls eine durch das ökonomische Modell gestützte Nutzen-Kosten-Analyse von Anpassungsmaßnahmen wie zusätzlicher Stadtbegrünung möglich.

HWWI Research Paper

Jahn, M. (2014): A Spatial Computable General Equilibrium Model for the Analysis of Regional Climate Change Impacts and Adaptation Policies, HWWI Research Paper 154.

Autoren

Dr. Malte Jahn