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BDO International Business Compass 2014: Infrastruktur

28.07.2014 | HWWI Update | von André Wolf

Die als BRIC zusammengefasste Ländergruppe Brasilien, Russland, Indien und China hat in den letzten Jahren mit spektakulären Wachstumszahlen Schlagzeilen gemacht. Weniger Aufmerksamkeit wurde bisher der Entwicklung der dortigen Infrastruktur als langfristige Determinante von Standortqualität zugewendet. Im Rahmen des BDO International Business 2014 wurde die Infrastruktur von Ländern in den drei Teilsegmenten Verkehr, Energieversorgung und Information/Kommunikation auf der Basis von Indizes bewertet.

Eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur gewährleistet zuverlässige und sichere Transporte und führt nach Erkenntnissen der ökonomischen Literatur auch zu Effizienz- und Produktivitätssteigerungen. Dies haben auch die BRIC-Länder für sich erkannt; ihre Investitionsanstrengungen im Bereich von Straße und Schiene haben sich in den letzten Jahren deutlich verstärkt. In Anbetracht der Weite dieser Länder ist die Dichte ihrer Verkehrsnetze allerdings nach wie vor eher gering. Auf die höchste Straßen- und Schienennetzdichte kommt Indien mit 1,26 km Straße bzw. 0,02 km Schiene pro qkm Landesfläche. Räumlich besonders schwach ausgebaut ist das Netz dagegen in Russland mit 0,06 km Straße bzw. 0,006 km Schiene pro qkm.

Einen wichtigen Standortfaktor stellt neben den Kapazitäten auch die Qualität der angebotenen Infrastrukturservices dar, wie sie zum Beispiel durch die Teilindizes des Logistics Performance Index der Weltbank auf einer Skala von 1-5 ausgedrückt wird. In den zentralen Kategorien Infrastrukturqualität, Kompetenz des Logistiksektors und Pünktlichkeit von Warenlieferungen erreichte China hier 2012 mit Werten von 3,47-3,61 bereits ein Niveau im Bereich der meisten OECD-Länder. Brasilien (3,07-3,12) und Indien (2,87-3,14) können hier noch nicht mithalten. Besonders groß ist der Rückstand Russlands (2,45-2,65). Ein vergleichbares Gefälle ergibt sich bei der Analyse der Kostenseite des Gütertransports. Nach Weltbankschätzungen weist trotz seiner Größe hier nur China ein international wettbewerbsfähiges Kostenniveau auf. China liegt vor diesem Hintergrund in der Teilsäule Verkehr des BDO Infrastrukturindex global immerhin auf Rang 22, Russland dagegen erreicht unter 165 Ländern nur Platz 114 (globale Top 3 siehe Abbildung).




Der Aufstieg der Schwellenländer hat den weltweiten Hunger nach Energie zuletzt noch verstärkt. Für diese Entwicklung ist trotz zur Neige gehender Ressourcen auch in Zukunft keine Umkehr zu erwarten. Eine herausragende Bedeutung kommt dabei der elektrischen Energie zu: Ohne eine kontinuierliche und zuverlässige Stromversorgung sind die meisten höheren Wirtschaftsaktivitäten undenkbar. Die BRIC-Staaten schneiden in dieser Hinsicht relativ unterschiedlich ab. Russland verfügt im internationalen Vergleich mit einer Pro-Kopf-Kraftwerkskapazität von 1.560,7 Watt (W) über relativ gut ausgebaute Erzeugungskapazitäten. China (733,9 W) und Brasilien (565,6 W) liegen hier global nur im Mittelfeld. Die Kapazität Indiens ist schließlich mit 166,9 W in Pro-Kopf-Relation international stark unterdurchschnittlich. Auch hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Stromversorgung hat Indien mit einer großen Zahl regionaler und überregionaler Stromausfälle noch nicht den Anschluss gewonnen. Die Versorgungsqualität in China und Russland aber liegt statistisch gesehen auf OECD-Niveau. Im Teilindex
Energie des BDO Infrastrukturindex erreicht Brasilien global mit Platz 20 unter den BRIC-Ländern die beste Platzierung, Indien rangiert dagegen nur auf Platz 67.

Kaum ein Wirtschaftszweig hat in der letzten Dekade eine ähnlich rasante und globale Entwicklung genommen wie der Informations- und Kommunikationssektor (IuK). Die Anzahl der Internetnutzer hat sich in diesem Zeitraum mehr als verzehnfacht. Auch die BRIC-Staaten haben an dieser Entwicklung partizipiert, der Aufholprozess gegenüber den Industrieländern ist jedoch noch längst nicht abgeschlossen. Während in den klassischen Industrienationen im Schnitt mehr als 70 % der Einwohner regelmäßig das Internet nutzen, lag dieser Wert nach Schätzungen des World Economic Forums 2012 in den BRIC-Ländern bei durchweg unter 50 %. Russland schneidet hier mit einem geschätzten Wert von 49 % noch am besten ab, gefolgt von Brasilien (45 %) und China (38,3 %). In Indien liegt der Anteil sogar nur bei etwa 10 %, obwohl dort die Kosten der Nutzung digitaler Technologien im Vergleich zu den anderen BRIC-Staaten eher niedrig sind. Insgesamt erreicht in der Kategorie IuK des BDO Infrastrukturindex nur Russland (49) global einen Platz in den Top 50, Indien belegt als schlechtestes BRIC-Land nur Platz 90.

Studie

Kruse, S.; Wenzel, L.; Wolf, A. (2014): BDO International Business Compass 2014. Studie im Auftrag der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
Studie und weitere Informationen finden Sie hier.

Autoren

Dr. André Wolf