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Große regionale Unterschiede beim Siedlungsabfallaufkommen

25.09.2014 | HWWI Update | von Friso Schlitte, Sven Schulze

Die Bundesländer sind verpflichtet, den von den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern beseitigten Abfall jährlich zu bilanzieren. Sowohl die mengenmäßige Entwicklung einzelner Abfallfraktionen als auch die Zusammensetzung der gesammelten Mengen sind dabei von großer Bedeutung für die Planung in allen abfallwirtschaftlichen Unternehmen.

Die Betrachtung der durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Mengen der Siedlungsabfälle des Jahres 2011 zeigt dabei deutliche Niveauunterschiede zwischen den verschiedenen Regionen in Deutschland (siehe Grafik). In Deutschland insgesamt reicht die Spannweite der erfassten Mengen je Einwohner sogar von 249 kg im Landkreis Mittelsachsen bis zu 929 kg im Bergischen Abfallwirtschaftsverband. Das regionale Verteilungsmuster in der Grafik zeigt ein Ost-West-Gefälle mit zumeist deutlich niedrigeren Pro-Kopf-Aufkommen in den ostdeutschen Regionen.

Neben den erfassten Gesamtmengen unterliegen auch die Aufkommen der einzelnen Fraktionen erheblichen Unterschieden. So ist das Restmüllaufkommen je Einwohner in kreisfreien Großstädten in der Regel deutlich höher als in deren Umland und meist auch über dem Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig sind in den Großstädten die Pro-Kopf-Aufkommen der getrennt gesammelten Fraktionen in den meisten Fällen vergleichsweise gering. Dies gilt insbesondere für die großen Metropolen wie Berlin, Hamburg, München und Köln.



Als Ursache für die regionale Variation der Abfallaufkommen kommen verschiedene Faktoren infrage, wie Unterschiede im Verhalten beim Konsum und der Abfalltrennung oder bei Gebühren- und Sammelsystemen. Eine große Rolle spielt auch die Siedlungsstruktur. In großen Städten können beispielsweise geringe Mengen organischer Abfälle durch weniger Gärten oder geringe Glasmengen durch eine verstärkte Substitution von Glas- durch Plastikflaschen erklärt werden. Weiterhin kann der in großen Städten typischerweise hohe Anteil von kleinen Haushalten zu einem höheren Aufkommen von Verpackungsmüll führen. In der Regel wird zudem davon ausgegangen, dass die Bereitschaft der Haushalte zur getrennten Entsorgung von Abfällen in dicht besiedelten Großstädten relativ gering ist.

Die Auswertung der Daten hat ferner ergeben, dass eine flächendeckende Biotonne zu einer deutlichen Erhöhung der erfassten Menge organischer Abfälle führt. Ohne Biotonne werden organische Abfälle häufiger im Restmüll oder anderweitig, beispielsweise durch Eigenkompostierung, entsorgt. Insofern führt ein hoher Verbreitungsgrad der Biotonne zu höheren erfassten Mengen an organischen Abfällen. Ein ähnlicher Zusammenhang ist zwischen der Verbreitung blauer (Papier-)Tonnen und der PPK-Erfassung zu erwarten.

Insgesamt zeigen sich weitere gravierende Unterschiede, die auf eine uneinheitliche Erhebungspraxis auf regionaler Ebene hindeuten. Dies erscheint vor allem mit Blick auf das Ziel einer weiteren Entwicklung hin zur Kreislaufwirtschaft problematisch. Insofern sind hier verstärkte Anstrengungen zur Verbesserung der Datenbasis notwendig.

HWWI Research Paper

Schlitte, F.; Erichsen, J.; Schulze, S. (2014): Entwicklung und Determinanten des Siedlungsabfallaufkommens in Deutschland