Infrastruktur und Immobilienmärkte, Städtische Räume

Wohnen und arbeiten in Hamburg – heute und vor 25 Jahren

25.09.2014 | HWWI Update | von Linus Holtermann, Alkis Henri Otto

Mit der Studie „L(i)ebenswertes Hamburg: Wohnen und arbeiten in Hamburg  – heute und vor 25 Jahren“ hat das HWWI im Auftrag der Hamburger Sparkasse die Entwicklung Hamburgs im letzten Vierteljahrhundert analysiert. Die Historie zeigt dabei, dass regionaler wirtschaftlicher Erfolg kein selbsterhaltender Prozess ist, sondern dass es dafür eines stetigen Strukturwandels und Erneuerungsprozesses bedarf.


Mit dem Zensus 2011 hat die Bundesrepublik Deutschland eine grundlegende Inventur der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse unternommen. Die Volkszählung zuvor datierte aus dem Jahr 1987 und lag damit fast ein Vierteljahrhundert zurück. Nicht nur die Ergebnisse der Volkszählungen zeigen: In den letzten zweieinhalb Jahrzehnten haben sich Gesellschaft und Wirtschaft substanziell verändert. Die Wiedervereinigung und die Auflösung des Ostblocks haben geopolitisch neue Grenzen und Nachbarschaften hinterlassen. Begleitet wurden diese Prozesse durch technologische Umwälzungen und – damit Hand in Hand gehend – die Globalisierung wirtschaftlicher Aktivitäten. Auch in Hamburg haben diese Entwicklungen zu tiefgreifenden Veränderungen geführt.

So führten die politische Wende und zahlreiche Bürgerkriege im Ausland Anfang der 1990er Jahre sowie die stärker werdende Urbanisierung Ende der 1990er Jahre wieder zu einem Bevölkerungswachstum von insgesamt rund 120 Tausend Einwohnern. Dabei verzeichneten insbesondere die Gebiete am Stadtrand hohe Wachstumsraten bei den Einwohnerzahlen, da hier neuer und erschwinglicher Wohnraum entstand. Vor allem Familien zog es an den Stadtrand, häufig aber auch in die Vororte der Hansestadt, von wo sie fortan zum Arbeitsort in Hamburg einpendelten. Die deutlich gestiegenen Pendler- und Wanderungszahlen verdeutlichen Hamburgs Funktion als Wachstumspol der Metropolregion. Die Daten der Volkszählung zeigen zudem, dass die Bevölkerung Hamburgs zwar jünger als im Bundesgebiet, gleichwohl aber seit 1987 spürbar gealtert ist. In zahlreichen Stadtteilen beträgt der Anteil der Personen im Rentenalter bereits mehr als ein Viertel.
Hamburgs Wirtschaft wuchs von 1991 bis 2012 moderat mit real durchschnittlich 1,2 % pro Jahr. Die sektorale Entwicklung zeigt für diesen Zeitraum den auch andernorts beobachtbaren Wandel von der industriellen zur Dienstleistungswirtschaft. Vor allem die internationalisierten unternehmensbezogenen Dienstleistungen siedeln sich vermehrt in den Stadtregionen an, da dort ausreichend qualifiziertes Arbeitsangebot, Marktpotenzial und internationale Vernetzung vorhanden sind. Der Industriesektor hingegen verlässt – bis auf hochspezialisierte und innovative Nischen – die Stadtregionen und wandert in das Umland ab.



Der Sektor Handel und Verkehr fungierte in den vergangenen 20 Jahren als Wachstumsmotor der Hansestadt. Eine wichtige Rolle bei diesen Zuwächsen spielte der Hamburger Hafen, in dem sich die Containerumschläge in den letzten 25 Jahren mehr als verdoppelten. Bei den Erwerbstätigenzahlen konnte der Sektor Handel und Verkehr nur moderate Zugewinne aufweisen. Neue Jobs, häufig Teilzeitstellen, entstanden vorwiegend im Dienstleistungssektor. Im Industriesektor waren die Erwerbstätigenzahlen aufgrund des Wirtschaftswandels und des technischen Fortschritts hingegen rückläufig.

Für die kommenden Jahre und Jahrzehnte wird es für Hamburg entscheidend sein, die vorhandenen Standortvorteile zu bewahren und möglichst auszubauen. Ein Grundpfeiler hierfür ist die Bereitstellung attraktiver und erschwinglicher Wohnungsangebote. Hier sollte der Neubau von rund 6.000 neuen Wohneinheiten jährlich auch im kommenden Jahrzehnt beibehalten werden. Ferner sollte eine zukunftsorientierte Stadtentwicklungspolitik Bauprojekte vorantreiben, die Wohnen und Arbeiten in der Stadt wieder stärker miteinander integrieren und so durch kürzere Wege zwischen Wohnung und Arbeitsplatz den Herausforderungen des demografischen Wandels und des Klimawandels besser gerecht werden. Daneben sollten Bildung und Wissenschaft als wirtschaftspolitische Zukunftsstrategie begriffen und stärker gefördert werden, um Firmengründungen und Innovationen in Hamburg zu stärken und den Nachwuchs an Fachkräften zu sichern.

Partnerpublikationen

Holtermann, L.; Nitt-Drießelmann, D.; Otto, A. (2014): L(i)ebenswertes Hamburg. Wohnen und arbeiten in Hamburg – heute und vor 25 Jahren.

Autoren

Linus Holtermann