Energie- und Rohstoffe

Biokraftstoffe – Option für die Zukunft? Ziele, Konzepte, Erfahrungen

01.04.2006 | HWWI Policy Report | von Michael Bräuninger, Leon Leschus, Henning Vöpel

Um die deutschen Verpflichtungen im Rahmen des Burden Sharings der Europäischen Union (EU) oder noch anspruchsvollere Klimaschutzziele zu  erreichen, sind besondere Anstrengungen notwendig. Zwar ist der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) des Straßenverkehrs in Deutschland seit 1999 um etwa 6 Prozent zurückgegangen. Aufgrund des Anstieges in den 1990er Jahren und der weiterhin hohen Mobilitätsnachfrage sind die verkehrsbedingten CO2-Emissionen aber noch deutlich über dem Niveau von 1990. Damit der Verkehr  künftig einen größeren Beitrag zum deutschen Klimaschutzziel leisten kann,  müssen alle Optionen in Betracht gezogen werden. Einen wichtigen Beitrag könnten hier Biokraftstoffe leisten. Zur Optimierung des Klimaschutzbeitrages von Biokraftstoffen ist es  unabdingbar, die Emissionen über den gesamten Prozess – von der Herstellung  bis zur Verbrennung – zu betrachten. Neuere Untersuchungen zeigen, dass in einer solchen Öko-Gesamtbilanz erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Biokraftstoffen bestehen. Während das Einsparpotential bei konventionellen Biokraftstoffen eher gering ist, haben Biokraftstoffe der zweiten Generation CO2-Vorteile bis zu 90 Prozent. Auch international gibt es große Unterschiede in der Effizienz, mit der Biokraftstoffe produziert werden. In Anbetracht der angespannten öffentlichen Haushalte sind Fördermittel in Deutschland begrenzter denn je. Das gilt auch für den Klimaschutz. Deshalb sollte die Förderung von Biokraftstoffen so effizient wie möglich  durchgeführt werden. Dies erfordert, dass den unterschiedlichen CO2-Reduktionspotentialen verschiedener Biokraftstoffe angemessen Rechnung getragen wird. In dem vorliegenden Report wird vorgeschlagen, Biokraftstoffe in Abhängigkeit von ihren Öko-Gesamtbilanzen in drei Nachhaltigkeitsklassen  einzuteilen. Die so klassifizierten Biokraftstoffe könnten dann in einem Quotensystem unterschiedlich berücksichtigt werden. Sofern die Quoten handelbar wären, würde dies Kosteneffizienz sicherstellen. Als zweitbeste Lösung könnten Biokraftstoffe mit besseren Nachhaltigkeitsklassen steuerlich gefördert werden.

Autoren

Prof. Dr. Henning Vöpel