Demografie

Demographische Entwicklung: Problem oder Phantom?

01.11.2006 | HWWI Policy Paper | von Sebastian Schröer, Thomas Straubhaar

Ein Gespenst geht um in Europa. Es ist das Gespenst der Demografie oder besser das Gespenst einer schrumpfenden und alternden Gesellschaft. Zuerst soll es dafür sorgen, dass "die Schlauen aussterben", später dann führe es zum "Krieg der Generationen". Endzeitstimmung vor dem Weltuntergang. Die Zukunft scheint ähnlich unheilschwanger, düster und deprimierend zu werden wie vor hundert Jahren in der Zeit unmittelbar vor und nach dem ersten Weltkrieg. Damals arbeitete der Kultur- und Geschichtsphilosoph Oswald Spengler (1918, 1922) an seinem zweibändigen Hauptwerk "Der Untergang des Abendlandes". Heute schreiben führende Intellektuelle aller Denkrichtungen über das "Methusalem-Komplott" (Schirrmacher 2004), die "demographische Zeitenwende" (Birg 2001) oder die "Zivilisation der Euthanasie" (Schirrmacher 2004, 63). Die Fakten sind bekannt und nicht zu bestreiten: Die Zahl der Geburten ist in nahezu allen Industrieländern rückläufig, besonders in Deutschland. 100 Frauen bringen hier im Durchschnitt nur noch rund 130 Kinder zur Welt. Zu wenig, um die Bevölkerungszahl auf dem heutigen Niveau von rund 82,5 Millionen halten zu können. Die deutsche Bevölkerung wird schrumpfen, wahrscheinlich auf etwa 75 Millionen im Jahre 2050, vielleicht sogar – wenn nicht genügend Ausländer(innen) nach Deutschland kommen wollen – auf unter 70 Millionen. Ist deswegen Deutschland tatsächlich in seiner Existenz bedroht?