HWWI Update 04 2012
Nachhaltige Entwicklung: Welche Rolle spielen Institutionen?
Entscheidungen, die die Abbaurate natürlicher Ressourcen betreffen, basieren auf Überlegungen, den Gesamtnutzen oder -gewinn langfristig zu maximieren. Das kann zum Beispiel beinhalten, dass man abwartet, bis die Bestände sich bis zu einer gewissen Menge vermehrt oder bis die Preise einer Ressource ein bestimmtes Niveau erreicht haben. Daher ist es äußerst wichtig, dass die Entscheider sich darauf verlassen können, dass Regeln und Rahmenbedingungen bestehen bleiben oder sich nur in erwartbarer Weise verändern.
Gute Institutionen können hier für stabile Rahmenbedingungen sorgen, innerhalb derer das Individuum über eine (nachhaltige) Abbaurate entscheiden kann. Dieses Beispiel illustriert nur einen Weg von vielen, über den Institutionen Sparentscheidungen nicht nur für physisches Kapital, sondern auch für natürliches Kapital, beeinflussen können.
Basierend auf dieser Argumentation wird in einem neuen Artikel untersucht (siehe Unten), welchen Einfluss die Qualität von Institutionen auf die Veränderung von Wohlstand hat. Das Ziel des Papiers ist dabei, diesen Einfluss im internationalen Vergleich zu quantifizieren. Hierfür wird analysiert, wie die Qualität von Institutionen auf die erweiterte Sparquote (Ajdusted Net Saving) wirkt. Letztere ist ein Indikator, der die Veränderungen des Wohlstandes eines Landes misst und hierbei eine umfassende Definition von Kapital verwendet, die zusätzlich zum traditionellen physischen Kapital auch natürliches und intangibles Kapital − also zum Beispiel Waldbestände und Bildung − einbezieht (siehe Abbildung).
Im Artikel kann gezeigt werden, dass der Effekt positiv und sowohl statistisch als auch ökonomisch signifikant ist. Für die Analyse wird eine instrumentelle Variable für die Qualität von Institutionen verwendet, um die Kausalität des Zusammenhangs sicherzustellen. Der positive Einfluss der Qualität von Institutionen auf nachhaltige Entwicklung kann zusätzlich quantifiziert werden: Eine Verbesserung in der Qualität der Institutionen eines Landes um eine Einheit führt nach diesen Berechnungen zu einem Anstieg der erweiterten Sparquote um 5 %.
Da viele Eigenschaften von natürlichem und intangiblem Kapital vermuten lassen, dass institutionelle Qualität für diese beiden Arten von Kapital besonders wichtig sein könnten, wird in einem zweiten Schritt untersucht, ob es einen Unterschied zwischen den Auswirkungen von institutioneller Qualität auf die erweiterte Sparquote und denen auf die Sparquote physischen Kapitals gibt.
Der Effekt von institutioneller Qualität auf die Sparquote physischen Kapitals ist sowohl kleiner als auch schwächer, als der auf die erweiterte Sparquote. Hieraus kann abgeleitet werden, dass Sparentscheidungen bezüglich natürlichen und intangiblen Kapitals stärker von institutioneller Qualität beeinflusst werden als die, die sich auf physisches Kapital beziehen. Der Effekt der Qualität von Institutionen ist folglich besonders wichtig für das Investieren und De-investieren in Humankapital und natürliches Kapital.
Dieses Ergebnis impliziert, dass Politikmaßnahmen, die auf die Verbesserung der Qualität von Institutionen abzielen, besonders wirksam für den Teil des Kapitals einer Volkswirtschaft sind, der außerhalb des physischen Kapitals liegt. Das ausschlaggebende Element hierbei ist der Abbau von Energierohstoffen. Daher leiden Länder mit einem hohen Anteil an Energierohstoffen an ihrem natürlichen Kapital potenziell stärker unter schlechten Institutionen als Länder mit einem niedrigen Anteil. In diesem Sinne stützen die Ergebnisse die Hypothese, dass ein Grund für die schlechten Nachhaltigkeitswerte von Ländern mit einem hohen Anteil an Energierohstoffen die niedrige Qualität ihrer Institutionen ist.
Referierter Artikel
Stöver, J. (2012): On comprehensive wealth, institutional quality and sustainable development: Quantifying the effect of institutional quality on sustainability, Journal of Economic Behavior and Organization 81 (3).


