HWWI Update 02 2012
2011 Euro Plus Monitor: Vielversprechende Aussichten für den Euroraum
Übersteht die Eurozone die aktuelle Schuldenkrise, könnte sie als weitaus dynamischer und geschlossener als zuvor aus ihr hervorgehen. Im Gegensatz zu hoch verschuldeten Staaten wie die USA oder Japan stecken die Mitgliedstaaten der Eurozone inmitten von Strukturreformen und fiskalpolitischen Veränderungen. Signifikante positive Veränderungen sind möglich und passieren auch.
Die rasche Entwicklung vieler Länder lässt die Eurozone näher in Richtung einer optimalen Währungsunion zusammenrücken. Bringt man die europäische Schuldenkrise unter Kontrolle und fördert weiterhin Reformen, könnte sich Europa innerhalb weniger Jahre zum Top Performer unter den führenden Volkswirtschaften mausern. Dies ist das Ergebnis des „2011 Euro Plus Monitor“, der vom Lisbon Council und der Berenberg Bank in Zusammenarbeit mit dem HWWI Ende 2011 veröffentlicht wurde.
Mithilfe von zwei Indikatoren beurteilt die Studie die aktuelle ökonomische Situation („Overall Health Indicator“) und den vergangenen Anpassungsprozess der 17 Euroländer („Adjustment Progress Indicator“). Der „Overall Health Indicator“ betrachtet das langfristige Wachstumspotenzial, die Wettbewerbsfähigkeit, die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen und die Belastbarkeit bezüglich externer Schocks. Der „Adjustment Progress Indicator“ beurteilt die Anpassung der Nettoexporte, des Fiskaldefizits und der realen Lohnstückkosten seit der vergangenen Finanzkrise.
Eindeutiger Sieger des Euro Plus Monitor ist Estland. Sowohl in Bezug auf dessen wirtschaftliche Lage als auch auf dessen Anpassungsprozess erzielt Estland den ersten Platz. Dies spiegelt nicht nur die Kraft der baltischen Tigerstaaten wieder, sondern auch die Tatsache, dass Tallin bereits mehr Zeit zur Anpassung hatte. Aber auch die Peripherieländer der Eurozone schneiden insgesamt gut ab und platzieren sich unter den Top 7 hinsichtlich des „Adjustment Progress Indicator“. Von sehr schlechten Startwerten ausgehend, konnte Griechenland den schnellsten Aufholprozess vorlegen. Dieser brachte Griechenland sogar auf Platz 2. Sowohl dessen Staatsdefizit als auch dessen Nachfrage nach Importen ist in der jüngsten Vergangenheit stark gesunken. Für Griechenland sollte nun der Fokus auf das Öffnen der Märkte und der Förderung von Investitionen liegen. Reformprogramme sollten sich auf Griechenlands langfristiges Wachstumspotenzial konzentrieren.
Italiens 12. Platz beim „Adjustment Progress Indicator“ begründet sich vor allem durch das geringe Wachstum, stark regulierte Servicemärkte und ein geringes Produktivitätswachstum. Nachhaltige Ausgabenkürzungen und Förderung des Wachstums sind notwendig, damit Italien sein ökonomisches Potenzial ausschöpfen kann.
Betrachtet man die aktuelle wirtschaftliche Lage, schneidet Frankreich unter den sechs Ländern der Eurozone, die zum Analysezeitpunkt ein AAA-Rating besaßen, bei Weitem am schlechtesten ab (Platz 13). Auch dessen Aufholprozess in den letzten zwei bis drei Jahren war nur mäßig. Dieses Ergebnis ist beunruhigend. Hier sind signifikante Reformen notwendig. Die Staatsausgaben müssen gesenkt, Ausbildungschancen für Immigranten verbessert und der Arbeitsschutz gelockert werden.
Bereits vor der Krise wurden in Deutschland fundamentale Reformen durchgeführt, sodass weder aufgrund der Lehman-Pleite noch der Schuldenkrise weitere Anpassungen notwendig waren. Dies spiegelt sich auch in Deutschlands Platzierungen wider: Ein relativ hoher Platz für den „Overall Health Indicator“ (Platz 4) in Kombination mit einem sehr geringen Platz beim „Adjustment Progress Indicator“ (Platz 16).
Insgesamt lässt sich aus der Untersuchung ein optimistisches Bild für die Europäische Währungsunion ziehen: So hat die Krise durchaus einen Annährungsprozess zwischen den Euroländern in Gang gesetzt und die Potenziale für die Zukunft sind groß.
Studie
Hofheinz, P., Quitzau, J., Rossen, A., Schmieding, H., Schulz, C. (2011): The 2011 Euro Plus Monitor: Progress Amid the Turmoil, Lisbon Council Policy Brief, V (4), Berenberg Bank & The Lisbon Council asbl (Hrsg.), Hamburg/Brussels.


