HWWI Update 07 Beilage 2012
Deutscher Außenhandel mit China: Chancen und Risiken
Die Handelsbeziehungen mit China haben sich über die beiden letzten Jahrzehnte sehr dynamisch entwickelt. China hat eine immer größere Bedeutung für den Hamburger Außenhandel. Die Ursachen für das Wachstum von Ex- und Importen sind aber unterschiedlich.
Die chinesischen Exporte sind stark gestiegen, weil China an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen hat. Ursächlich dafür war die Industrialisierung bei einem hohen Arbeitsangebot und geringen Löhnen. Das Importwachstum wiederum wurde durch das hohe Nachfragewachstum in China verursacht. Die gestiegene Nachfrage resultierte aus stark steigenden Investitionen und zunehmendem Einkommen und Konsum.
In den nächsten Jahren wird sich der Wachstumsprozess in China fortsetzen; dabei wird der Aufholprozess aber verlangsamt. So wird die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts in China bis zum Ende des Jahrzehnts auf 6 % bis 7 % zurückgehen. Mit dem Bruttoinlandsprodukt steigen auch die Einkommen und Löhne. Dementsprechend werden die Preise steigen und dadurch die chinesische Wettbewerbsfähigkeit verringern. Andere Länder gewinnen damit relativ an Wettbewerbsfähigkeit, sodass sich Handelsströme verschieben werden. Die höheren Preise in China wiederum werden zum Teil durch höherwertige Produkte ausgeglichen. Insofern könnte bei diesen Produkten der internationale Wettbewerbsdruck weiter zunehmen. Außerdem wird China vermehrt Vorprodukte in asiatischen Nachbarländern einkaufen, um so die Preise weiter niedrig zu halten. Als Folge dieser Entwicklungen werden die chinesischen Exporte nicht mehr so stark expandieren und deren Wachstumsrate wird auf unter 10 % zurückfallen.
Das Importwachstum wird ebenfalls nachlassen, wenn das chinesische Bruttoinlandsprodukt langsamer zunimmt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die chinesischen Importe aus Deutschland langsamer wachsen. Deutschland wird von seiner speziellen Exportstruktur profitieren: Mit dem sich weiter ausweitenden Mittelstand in China wird die Nachfrage nach Automobilen noch steigen und mit dem Aufbau einer höherwertigen Industrie in China wird die Nachfrage nach Investitionsgütern weiter zunehmen. Insofern dürfte – wie schon in der Vergangenheit – die Wachstumsrate der deutschen Exporte nach China insgesamt über der Wachstumsrate der chinesischen Importe liegen. In Zukunft aber wird China viele Produkte, die es derzeit aus Deutschland importiert, selbst produzieren und dann auch zum Konkurrenten für Deutschland auf dem Weltmarkt werden. In dem hier betrachteten Zeitraum bis 2020 dürfte jedoch der Aufbaueffekt dominieren, sodass Deutschland vom chinesischen Wachstum profitieren wird.
Bis Ende dieses Jahrzehnts werden die deutschen Exporte nach China ebenso wie die Importe aus China schneller wachsen als die deutschen Ex- oder Importe insgesamt. Außerdem werden die deutschen Exporte nach China schneller zunehmen als die deutschen Importe aus China. Damit wirkt der Außenhandel mit China positiv auf Wachstum und Beschäftigung in Deutschland. Dies gilt auch für Hamburg. Hier werden neben den Luftfahrzeugen auch andere Güter der gewerblichen Wirtschaft stark vom Exportwachstum nach China profitieren.
Mit den beschriebenen Veränderungen der Exportstruktur nimmt die Abhängigkeit der deutschen und der hamburgischen Exportwirtschaft von den konjunkturellen Entwicklungen in China zu. Eine konjunkturelle Krise in China hätte dann gravierende negative Folgen für die hiesigen Entwicklungen. Trotz der hohen Wachstumspotenziale wäre eine Krise auch in China denkbar. In den letzten Jahren hat es auf dem chinesischen Immobilienmarkt erhebliche Preissteigerungen gegeben. Vieles spricht dafür, dass es sich hierbei um eine Preisblase handelt. Zwar besteht die Möglichkeit, dass die chinesische Wirtschaft aus dieser Blase herauswächst. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass es zu einem abrupten Absturz der Immobilienpreise kommt. In diesem Fall wären chinesische Haushalte, Unternehmen und Banken von einem negativen Vermögensschock betroffen.
Die Wachstumsrate könnte auf ein niedriges einstelliges Niveau sinken. Dies hätte gravierende Folgen für die eng mit der chinesischen Wirtschaft verflochtenen asiatischen Staaten. Auch die westlichen Industrieländer wären alle negativ betroffen. Für Deutschland würde daraus aufgrund der hohen Exportabhängigkeit ein erheblicher negativer Wachstumseffekt resultieren. Die generelle Abschwächung der Weltwirtschaft würde diesen Effekt verstärken. Bei ohnehin schwachem Wachstum könnte das eine neue globale Rezession bedeuten.
STUDIE
Bräuninger, M.; Neubach, C.; Stepping, K. (2012): Chinas Zukunft – Hamburgs Schicksal. Chinesische Entwicklungsperspektiven und ihre Auswirkungen auf den Außenhandelsplatz Hamburg, Studie im Auftrag der Hamburger Sparkasse, Hamburg.

