HWWI Update 09 2011
Ein Service-Netzwerk für internationale Zuliefermärkte
Als Folge der Osterweiterung der Europäischen Union (EU) in 2004 hat sich der Ostseeraum zu einer zunehmend eigenständigen Wirtschaftsregion entwickelt. Dabei greifen die wirtschaftlichen Integrationswirkungen der Erweiterung der EU nach Osteuropa jedoch weit über den Ostseeraum hinaus. Intensive wirtschaftliche Verflechtungen sind vor allem zwischen den Ökonomien der Ostsee- und der Nordseeanrainer entstanden. In diesen beiden maritim geprägten nordeuropäischen Wirtschaftsräumen bieten sich auch innovativen mittelständischen Zulieferern vielfältige Chancen für Absatz und Kooperation mit neuen Partnern.
Damit stehen mittelständische Unternehmen sowie Organisationen der Wirtschafts- und Mittelstandsförderung vor weitergehenden Fragen und Herausforderungen: Wie kann der Mittelstand in den Ostsee- und Nordseeanrainerländern bestmöglich vom erweiterten Europäischen Binnenmarkt profitieren? Wie können Innovation, Wachstum und Internationalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in dem neuen Ost-West-Kooperationsraum im Norden Europas zur Entfaltung gebracht werden? Welches Instrumentarium benötigen öffentliche und private Wirtschaftsförderungsorganisationen, um die Wettbewerbsfähigkeit von KMU auf internationalen Zuliefermärkten zu stärken?
Dies sind zentrale Fragestellungen von zwei parallelen Projekten der Interreg-Programme der EU für den Ostsee- und den Nordseeraum, an denen das HWWI über seine Bremer Niederlassung als Projektpartner und wissenschaftlicher Berater maßgeblich beteiligt ist1. Insgesamt 29 Projektpartner – Wirtschaftsbehörden und Wirtschaftsförderungsorganisation, Kammern und Mittelstandsvereinigungen, wissenschaftliche Institute – aus allen EU-Ländern des Nordsee- und Ostseeraums arbeiten in diesen Projekten zusammen. Sie entwickeln gemeinsam ein breit gefächertes Dienstleistungsportfolio, das mittelständischen Zulieferern bei der Gewinnung neuer Kunden und Kooperationspartner im Nordsee- und Ostseeraum Unterstützung bietet. Zugang zu dem neuen Dienstleistungsportfolio finden Unternehmen und Mittelstandsförderer über die elektronische Service-Plattform „European Business Support Network“, kurz: „eubizz.net“.
Wesentliches Charakteristikum von „eubizz.net“ ist die Verknüpfung von elektronisch abrufbaren Dienstleistungen mit persönlicher Beratung und Coaching durch die Experten der Projektpartner vor Ort. Hierin, in der persönlichen Vernetzung aller 29 Projektpartner, liegt die Stärke und Alleinstellung des neuen Service-Angebots. Über die Service-Plattform können die Projektpartner „ihren“ örtlichen KMU kompetente Unterstützung beim Marktzutritt und bei der Gewinnung von Kooperationspartnern in jedem EU-Land des Ostsee- und Nordseeraums vermitteln. „eubizz.net“ wird so zu einem virtuellen Kompetenznetzwerk der Mittelstandsförderung von großer geographischer Reichweite, ausgestattet mit vielfältiger Expertise. Die meist eher auf ihren regionalen Markt orientierten Wirtschaftsförderorganisationen können damit ihren örtlichen Unternehmen Dienstleistungen und Kontaktpotenziale wie ein internationaler Player vermitteln.
Diesen Nutzen verdeutlicht ein Blick auf einige der geplanten Angebote des „European Business Support Network“:
- Innovationstransfer: Bei ihren Innovationsprojekten können mittelständische Zulieferer über „eubizz.net“ die Transferleistungen einer Fülle von Technologie- und Kompetenzzentren in Nordeuropa in Anspruch nehmen.
- Qualifizierung: „eubizz.net“ eröffnet Zugang zu speziellen Trainings, e-learning-Programmen und Mentoring-Angeboten, mit denen sich KMU gezielt für Internationalisierung und Export fit machen können.
- Kooperation und matchmaking: Auf „eubizz.net“ finden KMU internationale matchmaking-Dienstleistungen zur Vermittlung wettbewerbsstarker Zulieferpartnerschaften.
- Tender services: Ergänzend zur Information über interessante Ausschreibungen der Beschaffungsabteilungen großer Unternehmen organisiert das Service-Netzwerk internationale Angebotspartnerschaften innovativer mittelständischer Unternehmen.
Mit ihren grenzüberschreitenden Netzwerk-Dienstleistungen bietet die neue Plattform insbesondere Organisationen der Wirtschaftsförderung, des Clustermanagements sowie des Mittelstands eine Erweiterung ihres Instrumentariums der Außenwirtschafts- und Exportförderung. In einer viermonatigen Testphase wird Anfang 2012 das Konzept des „European Business Support Network“ praktisch erprobt. Ziel ist eine Aufstellung und Funktion als „Win-Win-Partnerschaft“, zu der alle Partner in wohlverstandenem Eigeninteresse aktiv beitragen. In diesem Netzwerk bieten Wirtschaftsförderungsorganisationen ihre Dienstleistungen nicht nur ihrer örtlichen Unternehmensklientel an, sondern sind auch auswärtigen Unternehmen bei der Partnergewinnung und beim Zugang zu Auftraggebern behilflich.
Über den Ostsee- und Nordseeraum hinaus bietet sich „eubizz.net“ auch als Instrument international ausgerichteter Mittelstandsförderung in anderen europäischen Integrationsräumen an. Voraussetzungen sind ein marktfähiges Geschäftsmodell und eine nachhaltige Finanzierungsbasis. Bis Ende 2012 wird das Projekt auch hierfür geeignete Konzepte entwickeln und erproben.
Projekte
1BalticSupply (www.balticsupply.eu) und NorthSeaSupplyConnect (www.northseasupplyconnect.eu).
