HWWI Update 08 - Beilage 2011
Globale Risiken belasten die Konjunktur
Die globalen Risiken für die Konjunktur – europäische und amerikanische Schuldenkrisen, Rezessionsängste in den USA, Inflationsdruck in den Schwellenländern, politische Unruhen in Nahost – wurden in den zurückliegenden Monaten zunehmend virulent. Die weltweiten Turbulenzen an den Börsen sind Ausdruck dessen und drohen über Vertrauens- und Vermögenseffekte auf die Realwirtschaft überzugreifen. Gleichzeitig sind die wirtschaftspolitischen Handlungsspielräume gering, da der Exit aus den expansiven Maßnahmen während der vergangenen Krise vielfach nicht gelungen ist. Nun erzwingen die Schuldenprobleme in einigen Ländern Sparprogramme die eine dämpfende Wirkung auf die Konjunktur haben.
Das alles belastet auch die bis zum Frühjahr dynamisch wachsende deutsche Wirtschaft, zumal nach dem kräftigen Aufholprozess nach der Krise 2008/2009 eine zyklische Abflachung erwartet worden war. Die deutliche Wachstumsverlangsamung im zweiten Quartal – nahezu Stagnation – beruhte allerdings auch auf Sondereinflüssen, wie einer „technischen Reaktion“ auf das durch Nachholeffekte überhöhte erste Quartal. überraschend schwach war der private Konsum, denn die Entwicklung am Arbeitsmarkt und die der Einkommen blieben weiter günstig.
Die guten binnenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die noch gute Auftragslage auch aus dem Ausland lassen für die deutsche Wirtschaft aber erwarten, dass sie ihren Aufwärtstrend im zweiten Halbjahr fortsetzt. Dazu dürften neben einem wieder stärkeren privaten Konsum auch die Unternehmensinvestitionen und der Wohnungsbau beitragen. Sicherlich werden die Probleme der jüngeren Vergangenheit nicht ohne Auswirkungen bleiben, zumal die Lösung dieser, wie die in vielen Industrieländern erforderlichen Konsolidierungsprogramme, deren Konjunktur beeinträchtigen und über deren Auslandsnachfrage auch den Welthandel. Die deutschen Exporte werden in der Folge weniger stark expandieren als noch vor einiger Zeit vorausgeschätzt.
Das wird in den letzten Monaten dieses Jahres und dann im kommenden Jahr die deutsche Konjunktur dämpfen und sich über Beschäftigungs- und Einkommenseffekte zunächst im Exportbereich in der Folge auch auf die Binnenwirtschaft auswirken. Dabei ist bereits unterstellt, dass die von den Schuldenkrisen betroffenen Länder ihre Probleme angehen und die Finanzmärkte sich so weit beruhigen, dass von diesen nicht zusätzliche Verunsicherung auf die Realwirtschaft ausstrahlt. Unter diesen Bedingungen würde die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr weiter moderat wachsen. Das reale Bruttoinlandsprodukt wird dann in diesem Jahr wegen des hohen überhangs noch um 3 % zunehmen, 2012 zwischen 1 und 1 ½ %. Die Zahl der Arbeitslosen wird dabei nur noch leicht zurückgehen. Die Inflationsrate wird bei geringeren Preiserhöhungsspielräumen und nachlassenden Energieverteuerungen wieder unter die 2-Prozent-Marke fallen.
In früheren Prognosen des HWWI war stets auf die externen Risiken hingewiesen worden, bei deren Zuspitzung der Aufschwung gefährdet wäre. Die nun nach unten revidierten Prognosen für 2011 (in der Juni-Prognose noch 3,5 %) und 2012 (zuvor 2,2 %) tragen den inzwischen eingetretenen Verschlechterungen Rechnung. Gleichwohl sind die Probleme noch keinesfalls gelöst und die Risiken für eine noch deutlich ungünstigere Entwicklung sind nach wie vor groß. Inwieweit diese virulent werden oder sich vermeiden lassen, wird von einer Reihe (wirtschafts-)politischer Entscheidungen in nächster Zeit abhängen. So müssen in Europa, aber auch in den USA, die Staatschuldenkrisen nachhaltig angegangen werden. Dabei ist der „Spagat“ zwischen Konsolidierung und Konjunktur sicherlich nicht einfach. Bei zu starken Sparanstrengungen droht ein Abgleiten in eine Rezession. Eine weitere Verschuldung bereits hoch verschuldeter Staaten würden die Finanzmärkte wohl nicht hinnehmen und es drohten Staatspleiten. überzeugende Konsolidierungskonzepte hingegen könnten bei privaten Verbrauchern und Investoren neues Vertrauen in die Fähigkeit der Politik, der Probleme Herr zu werden, schaffen und so die Finanzmärkte beruhigen und die Konjunktur stützen. Die größte Rezessionsgefahr besteht wohl für die USA und die europäischen Problemländer. Aber auch in wichtigen Schwellenländern scheint sich die Dynamik abzuschwächen, zumal hoher Inflationsdruck dort restriktive Maßnahmen erfordert. Eine weitere Verschärfung der aktuellen Probleme würde die Konjunktur zusätzlich belasten.


