HWWI Update 07 2011

INDIEN

Indien 2016 – ein Reisebericht

von Inken Braune, Gunnar Geyer, Dietrich Kebschull

Die wirkliche Dynamik der Schwellenländer und die damit verbundenen, zukünftigen Verschiebungen der Wirtschaftszentren dieser Welt lassen sich nur vor Ort erleben.

„Don‘t waste your tax in Greece, invest in India!“: Das war die Begrüßung von Herrn Veeramani, Chairman der GEM Group aus Chennai, als im Juni 2011 das HWWI zusammen mit seinem indischen Partner, der Indo-German Export Promotion Foundation (IGEP), ihn im Rahmen der Vorbereitungen zu unserer Unternehmerreise traf. Zum Termin kamen wir zu spät, da das Verkehrschaos auf den Straßen Chennai’s seit dem Baubeginn der Metro (teils als U-Bahn, teils oberirdisch) noch schlimmer geworden ist. Der Flieger aus New Delhi, einer von fünf Fluggesellschaften, die auf der Strecke im Wettbewerb stehen, war überpünktlich. Seit in New Delhi sich die Metro mit inzwischen 7 Linien, welche alle innerhalb von 10 Jahren gebaut wurden, bewährt hat, eifern alle größeren Städte Indiens diesem Beispiel nach. Gründe dafür gibt es genug: In New Delhi wohnen innerhalb der Stadtgrenzen zur Zeit so viele Menschen, wie in allen ostdeutschen Bundesländern zusammen und Chennai ist mit ca. 13 Millionen Einwohnern nur unwesentlich kleiner. In diesen Zahlen sind die Metropolregionen dieser Städte nicht enthalten. Gerade diese Regionen entfalten eine besondere Dynamik, was sich in der National Capital Region (NCR) um New Delhi besonders gut beobachten lässt. Der dort gelegene internationale Flughafen ist in 6 Jahren vollkommen neu gebaut und erweitert worden – Metroanbindung inklusive.

Diese dynamischen Entwicklungen kennt man auch aus China. Und doch ist Indien anders. Schnelles Wachstum und schnelle Gewinne kann man in China machen. Die nachhaltige Wertschöpfung wird – bei entsprechender Geduld – in Indien realisiert. Indien wird China in den nächsten 2 bis 3 Jahrzehnten nicht ökonomisch einholen können: Zu groß ist der Vorsprung im Hinblick auf Wachstumsraten und BIP pro Kopf im Reich der Mitte (siehe Abbildung oben). Doch insbesondere die exzellente demografische Struktur Indiens und das resultierende Arbeits- und Fachkräftepotenzial sprechen für eine langfristige Dynamik. Innerhalb der so genannten BRIC-Staaten hat sich Indien fest auf Platz zwei etabliert (siehe Tabelle).

Die erlebte und statistisch zu belegende Dynamik bedeutet einen enormen Nachholbedarf in verschiedenen Sektoren. Im Durchschnitt 12 Stunden Stromausfall täglich (!) in der NCR ist der beste, wenn auch leidige Indikator für dringend notwendige Investitionen in die Energieversorgung. Je nach zugrunde gelegtem Szenario wird nach Prognosen der International Energy Agency (IEA) und des HWWI der Anteil erneuerbarer Energien an der Elektrizitätserzeugung von derzeit 16 % auf gut 40 % steigen können. Die wichtigste erneuerbare Energiequelle wird Wasserkraft, gefolgt von Windenergie, Photovoltaik und Biomasse, sein.

Die Anzahl der mit Flugzeugen transportierten Passagiere hat sich nach Daten des zuständigen indischen Ministeriums für zivile Luftfahrt innerhalb von 10 Jahren mehr als verdreifacht. Davon profitieren auch alle Glieder der Wertschöpfungskette Luftfahrt. Die Großbestellungen indischer Fluggesellschaften bei Airbus untermauern diesen Trend. Investitionen in Flughäfen, Flugabfertigung, Instandhaltung etc. werden dem folgen müssen. Da sich für die Vergangenheit zeigen lässt, dass die Zuwachsraten in der Luftfahrt in konjunkturell guten Phasen über dem Wirtschaftswachstum (Prognosen für Indien 2011: 8,2 %, 2012: 7,8 %) lagen und das Bedürfnis nach Mobilität ungebrochen ist, wird dieser Sektor seine Dynamik fortsetzen.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in Indien sind umfassende und tiefgreifende Veränderungen des Lebensstils und des Konsumverhaltens verbunden. Die traditionellen Märkte und Basare weichen Hyper- und Supermärkten. Die Ausstattung der Haushalte erlaubt die Lagerung von Produkten (Kühlschränke, Tiefkühlkost). Globale Werbung findet Eingang in das normale Leben. Damit werden auch Produkte nachgefragt, die noch vor wenigen Jahren als typisch „westlich“ angesehen wurden, wie Fertigprodukte. Aber: Ein Großteil der in Indien erzeugten Nahrungsmittel verdirbt derzeit aufgrund nicht sachgerechter Infrastruktur in der Wertschöpfungskette. Lediglich 1 % der lokalen Basisprodukte werden weiter verarbeitet. Der Ausbau der Food Processing-Industrie hat deshalb einen hohen Stellenwert in der indischen Wirtschaftspolitik. Food Processing bedeutet nicht nur Nahrungsmittelindustrie, sondern schließt alle Unternehmen rund um die Herstellung und Verarbeitung sowie den Transport und die Lagerung (zum Beispiel Aufbau von Kühlketten) von Nahrungsmitteln sowie der vor und nachgelagerten Bereiche der Wertschöpfungskette (Verpackungsindustrie, Labore) ein.

Indische Unternehmer sind längst Partner auf Augenhöhe. Sie wollen mit deutschen Unternehmen kooperieren, weil sie das Gütesiegel „Made in Germany“ schätzen gelernt haben. Sie wollen in den Sektoren, wo deutsche Unternehmen – und hier insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) – einen technologischen Vorsprung haben, diesen zusammen mit dem deutschen Partner für die Markterschließung in Indien nutzen. Beide Partner werden dadurch wettbewerbsfähiger. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Indien ist inzwischen das Tor zur Erschließung weiterer Märkte (ASEAN, Golfstaaten, Afrika) mit erprobter Technologie. Zudem bieten sich interessante Chancen bei der Entwicklung von einfachen und an die Kaufkraft angepassten Lösungen.

Wenn Hamburger KMU zu zögerlich die Internationalisierung beginnen, wird ihre Wettbewerbsfähigkeit in der mittleren Frist leiden. Indische Unternehmer suchen sich andere Partner, da sie keine Marktchancen vergeben wollen. Und für deutsche Großunternehmen, die Vorleistungen von den KMU beziehen, sind Zulieferer immer schneller austauschbarer. Starten Sie deshalb im Rahmen unseres Projektes am 26. September 2011 zur ersten Unternehmerreise, damit Sie 2016 staunen können, was in fünf Jahren an wirtschaftlicher Dynamik und Entwicklung möglich ist. Und eventuell werden Sie als Unternehmer Teil dieser Dynamik.


Projekt

Wir unterstützen Hamburger KMU bei den ersten Schritten der Internationalisierung. Das Projekt läuft zunächst bis 2013. Die Projektpartner HWWI und IGEP haben als Non-Profit-Organisationen kein unternehmerisches Interesse. Unsere Kosten werden durch die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation und den Europäischen Sozialfond (ESF) finanziert.


Unsere Dienstleistungen

Auswahl:
Gateway to India – Informationsveranstaltungen für spezielle Branchen, Unternehmerreisen (die erste vom 26.-29.09.2011, die Anmeldung läuft), Einzelberatungen.

Vor-Ort:
1) Erstellung einer kostenlosen Markt-analyse für Ihr Produkt / Ihr Unternehmen,
2) Erstellung der Markteintrittsstrategie und Unterstützung bei der Umsetzung,
3) Controlling Ihrer lokalen Geschäftspartner.