HWWI Update 01 2012
Klimaanpassung und Klimaschutz
Der fortschreitende Klimawandel verlangt nach Lösungen für effektive und effiziente Vermeidungsmaßnahmen. Gleichzeitig müssen Anpassungsmaßnahmen für die bereits unvermeidbaren Folgen eines sich wandelnden Klimas getroffen werden. Dabei können sich die Möglichkeiten und Verwundbarkeiten zwischen Regionen stark unterscheiden. Es erscheint daher sinnvoll, die Kosten und Nutzen von Klimaschutz- sowie Klimaanpassungsmaßnahmen auf regionaler Ebene zu analysieren. Das Projekt EMPACCA untersucht am Beispiel Hamburg, welche ökonomischen Konsequenzen mit potenziellen Maßnahmen für die Region als bedeutender Agglomerationsraum im Norden einhergehen.
EMPACCA steht für „Evaluating Measures on climate Protection and Adaptation to Climate Change in Agglomerations“. Der deutsche Projekttitel lautet „Bewertung von Maßnahmen zu Klimaanpassung und Klimaschutz in Agglomerationen“. Das über drei Jahre laufende Verbundprojekt des HWWI und des Lehrstuhls für Raumwirtschaftslehre der Technischen Universität Dresden wird im Rahmen des Förderschwerpunktes „Ökonomie des Klimawandels“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert.
Dank der parallelen Betrachtung von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel können Konflikte beziehungsweise Komplementaritäten zwischen den verschiedenen zu eruierenden Maßnahmen identifiziert werden. Aufgrund von solchen Wechselwirkungen ergeben sich für ein bestimmtes Bündel an Maßnahmen unter Umständen andere Kosten als für die Summe der Einzelmaßnahmen. Um die ökonomischen Konsequenzen korrekt quantifizieren zu können, ist es daher essentiell, das Zusammenspiel von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel zu berücksichtigen.
Die methodische Herangehensweise basiert sowohl auf kurz- und mittelfristigen als auch auf langfristigen Modellrechnungen. Zum einen wird ein räumliches allgemeines Gleichgewichtsmodell (spatial computable general equilibrium model (SCGE-Model)) verwendet, um die langfristigen ökonomischen Konsequenzen verschiedener Maßnahmen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung zu bewerten. Zum anderen werden kurz- und mittelfristige Effekte ergänzend mit Hilfe eines Input-Output-Modells ermittelt. Mit diesem Modell lassen sich darüber hinaus auch Wertschöpfungsverluste durch Extremereignisse sehr gut abzuschätzen. Dies ist bedeutsam, da erwartet wird, dass Extremereignisse im Zuge des Klimawandels an Intensität und Häufigkeit zunehmen. Ohne eine angemessene Anpassung ist anzunehmen, dass auch die ökonomischen Kosten infolge solcher Ereignisse ansteigen werden. Die Input-Output-Methode bietet den Vorteil, dass indirekte Effekte, wie Lieferengpässe oder Produktionsausfälle, berücksichtigt werden können. Da die indirekten Konsequenzen schwerer abzuschätzen sind als direkte Kosten, wie Gebäudeschäden oder Schäden am Inventar, werden diese häufig entweder unterschätzt oder gänzlich ignoriert. Sie sollen daher im Rahmen dieses Projektes explizit Eingang in die Berechnungen finden.
Der Fokus auf Agglomerationen und die Stadt Hamburg als Beispiel soll die theoretische Betrachtungsweise auf einen konkreten Fall anwenden. Dazu wird das SCGE-Modell auf die Stadt Hamburg kalibriert. Das Beispiel Hamburg wurde hierfür nicht nur aufgrund der regionalen Expertise des HWWI gewählt, sondern insbesondere auch, weil die Stadt durch ihre Lage an der Elbe bereits heute Flutrisiken ausgesetzt ist. Für die Zukunft wird zudem erwartet, dass die Region neben schleichenden Temperatur- und Niederschlagsänderungen auch mit einer Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen, wie Stürmen, Sturmfluten und Starkregen, zu rechnen hat.
Sämtliche Ergebnisse aus der Projektarbeit werden auf jährlich stattfindenden Workshops mit lokalen Akteuren diskutiert. Bei dieser Gelegenheit sollen gleichzeitig Maßnahmen und Instrumente identifiziert werden, die aus Sicht der Akteure interessant und aussichtsreich sind. Die Erkenntnisse können sowohl Anstoß für weitere modellbasierte Arbeiten geben als auch für den Abgleich mit bereits vorhandenen Resultaten genutzt werden. Ferner kann die Interaktion verschiedener Workshop-Teilnehmer Anhaltspunkte für die politische Umsetzbarkeit geben.
EMPACCA wird auf theoretischer und auf politikberatender Ebene innovative und weithin nutzbare Ergebnisse generieren. Eine Berücksichtigung von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel in SCGE-Modellen steht bisher noch aus und wird das Spektrum des zu untersuchenden Instrumentariums merklich erweitern. Die konkrete und erfolgreiche Umsetzung des Ansatzes wird damit neue Potenziale für die wissenschaftliche Fundierung politischen Handelns eröffnen. Zudem erscheint eine Anwendung der Methode bei einer erfolgreichen Umsetzung für die Modellregion Hamburg grundsätzlich auch für andere große Städte oder Ballungsräume möglich.
Weitere Informationen
Hier erfahren Sie mehr über weitere Projekte im Themenfeld: „Umwelt und Klima“.



