Branchen und Wirtschaftszweige, Konjunktur, Städtische Räume

Ein makroökonometrisches Modell für Hamburg

23.05.2007 | HWWI Research Paper | von Norbert Kriedel

Das Wachstum der realen Bruttowertschöpfung in Hamburg zeigt für den Zeitraum 1992 bis Anfang 2001 eine gegenüber Deutschland gleichlaufende Entwicklung. In der zweiten Jahreshälfte 2001 kommt es jedoch zu einer nachhaltigen Erhöhung des Hamburger Trendwachstums, es findet also eine Wachstumsbeschleunigung statt. Letztere vollzieht sich in den Branchen Verarbeitendes Gewerbe, Handel sowie Verkehr und Nachrichten und tritt auf Grund des insgesamt hohen Gewichts dieser Bereiche auch in der Gesamtwirtschaft auf. Die Trendratensteigerung im Verarbeitenden Gewerbe tritt etwa zeitgleich mit jener in der Gesamtwirtschaft auf, während sie im Handel und im Bereich Verkehr und Nachrichten mit einer Verzögerung von rund drei Quartalen in Erscheinung tritt. Dieses zeitliche Muster legt eine Transmission der Wachstumsbeschleunigung ausgehend vom Verarbeitenden Gewerbe in Richtung Handel, Verkehr und Nachrichten nahe. Zusätzlich spielt für den Bereich Verkehr und Nachrichten auch der internationale Handel im Euroraum eine Rolle, während für den Handel im Hamburg eher der Welthandel relevant ist. Bei der Beschäftigungsentwicklung im Verkehrssektor offenbart sich eine relativ starke Beeinflussung durch das Wachstum im Handelssektor Hamburgs, sodass die oben genannte Transmission bei genauerer Betrachtung durch weitere Kausalketten erweitert wird. Während für die oben genannten Branchen die Hansestadt Hamburg im Zeitraum 1992 bis 2006 eine insgesamt dynamischere Entwicklung als auf Bundesebene verzeichnen konnte, haben sich das Baugewerbe und der Finanzsektor im Vergleich zum Bund eher unterdurchschnittlich entwickelt. Bei der Prognose des Wachstums der gesamten Bruttowertschöpfung in Hamburg spielen neben der deutschen Entwicklung noch die Zahl der offenen Stellen und die Differenz aus lang- und kurzfristigen Zinsen eine Rolle. Diese beiden Größen weisen einen Vorlauf gegenüber dem Wachstum der Bruttowertschöpfung auf, was ihre Eignung für Prognosezwecke unterstreicht. Für die Prognose der konjunkturellen Entwicklung sind neben der deutschen Entwicklung auch der geglättete Geschäftsklima- Indikator der Handelskammer Hamburg sowie die Entwicklung der Kredite an Nichtbanken in Hamburg von Bedeutung. Die Schätzung des Zusammenhangs zwischen ökonomischem Wachstum und dem Aufbau an (sozialversicherungspflichtiger) Beschäftigung offenbart für die meisten Branchen einen eher schwachen Zusammenhang.