Weitere Themen

Macht und soziale Kohäsion als Determinanten: Zur Rolle des Staates in der Wirtschaftspolitik bei Walter Eucken und Wilhelm Röpke

16.03.2009 | HWWI Research Paper | von Stefan Kolev

Der deutsche Ordoliberalismus wird jüngst im Zusammenhang mit dem 60. Jahrestag der Erhard'schen Reformen von 1948 gefeiert. Zahlreiche Kommentatoren, Ökonomen und Journalisten gleichermaßen, sind sich dabei einig, dass obwohl die Soziale Marktwirtschaft als Leitmotiv nicht in Freiburg entworfen wurde, sie ohne das ordoliberale Forschungsprogramm theoretisch und praktisch nicht möglich gewesen wäre. Der Neoliberalismus in Europa, dessen "Geburtsstunde" sich ebenfalls 2008 jährt, ist allerdings in den letzten Jahren durch die Antiglobalisierungsbewegung und die aktuelle Finanzkrise erheblich in die Defensive geraten.

Zu den Gründungsvätern des ordoliberalen Programms und des europäischen Neoliberalismus gehören die beiden Ökonomen, die im Zentrum dieses Dissertationskapitels stehen, nämlich Walter Eucken und Wilhelm Röpke. Beide kennen sich seit den 1920er Jahren und gehen nach 1933 in Opposition zum NS-Regime, Eucken im Reich, Röpke aus der Emigration. Eucken begründet einen Kreis von Schülern und Freunden, der später als "Freiburger Schule" große Bedeutung für die junge Bundesrepublik erlangt. Röpke spielt dabei eine interessante Sonderrolle. Mit Eucken befreundet und mit ihm in regem Briefaustausch, zählt er auch zu den Gründungsherausgebern des ORDO-Jahrbuches, außerdem sind beide Gründungsmitglieder der Mont Pèlerin Society. Allerdings gehört Röpke nicht zu den expliziten Verfechtern des Freiburger Paradigmas. Stattdessen entwickelt er eine eigene Sozialphilosophie, die zwar bedeutende Ähnlichkeiten zu den Freiburger Ideen aufweist, aber in wesentlichen Bestandteilen des Plädoyers für eine Wirtschafts- und Gesellschaftsreform von Euckens Forderungen abweicht.

Die vergleichende Analyse beider Ansätze steht im Mittelpunkt dieser Ausführungen.

Autoren

Prof. Dr. Stefan Kolev