HWWI Update 02 2012

Welthandel

Entwicklung des Welthandels

von Franziska Biermann

Nach einem starken Wachstum von 12 % im Jahr 2010 hat der Welthandel auch in den ersten drei Quartalen 2011 weiter zugenommen, wenn auch mit nachlassender Dynamik. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum stieg das Handelsvolumen um rund 7 %, für das gesamte Jahr wird ein Zuwachs von etwas mehr als 6 % erwartet. Die Ausfuhren der Schwellen- und Entwicklungsländer nahmen mit 9 % deutlich schneller zu als die der Industrieländer (+5,5 %).

Nominal (in US-Dollar) betrug der Anstieg der weltweiten Ausfuhren zwischen Januar und September 2011 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum 23,3 %. Der Unterschied zwischen realen und nominalen Werten erklärt sich zum Teil aus der Abwertung des US-Dollars gegenüber wichtigen Währungen. Außerdem stiegen die Preise, insbesondere für Rohstoffe, kräftig an.

Für einzelne Länder liegen unterjährige Daten lediglich auf nominaler Basis vor. Ein weit überdurchschnittliches Wachstum erreichten die Ausfuhren der GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) mit 37,4 % sowie die von Süd- und Zentralamerika mit 31,8 %. Hier dürften die Rohstoffpreise mit verantwortlich für die starken Exportanstiege gewesen sein. Die chinesischen Exporte wuchsen um knapp 23 %, die japanischen, trotz des Rückgangs im Gefolge der Natur- und Atomkatastrophe im 1. Halbjahr, um 9,1 %. In den USA stiegen die Ausfuhren bis September 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17,8 %.



In Europa ergibt sich ein sehr differenziertes Bild.
Während in den ersten beiden Quartalen 2011 sowohl Aus- als auch Einfuhren um knapp 23 % zunahmen, wies im 3. Quartal die Mehrzahl der europäischen Länder rückläufige Aus- und Einfuhren auf, insbesondere im Intra-EU-Handel, was auch an der Eintrübung der Konjunktur wegen der Verschärfung der Schuldenkrise lag.

Während Griechenland nach einem leichten Rückgang im Vorjahr seine Exporte 2011 deutlich steigern konnte, legten diese in Italien, Spanien und Portugal nur durchschnittlich zu. Die Importe, die EU-weit um 21,3 % anstiegen, gingen in Griechenland weiter zurück. Auch in Spanien und Portugal legten die Exporte stärker zu als die Importe, was zumindest zu einer leichten Verringerung der Handelsungleichgewichte beigetragen hat.

Europa hatte in den ersten drei Quartalen 2011 mit 37,0 % den höchsten Anteil an den weltweiten Exporten, gefolgt von Asien (33,0 %, ohne Nahost) und Nordamerika (12,5 %). Alle Regionen konnten ihre Ausfuhren seit dem Krisenjahr 2009 deutlich steigern, lediglich Asien hat aber bereits das Vorkrisenniveau wieder überschritten und seinen Anteil am Welthandel deutlich ausgebaut.

Intensive Handelsverflechtungen bestehen insbesondere zwischen den Industrie- und den Schwellenländern Nordamerikas, Europas und Asiens. Hier findet vor allem intra-sektoraler Handel statt, wie etwa bei Maschinen und Transportausrüstungen Asien exportiert zudem in großem Umfang Büro- und Telekommunikationsausrüstung. Weitere wichtige Handelsbeziehungen bestehen im Energie- und Rohstoffbereich zwischen der GUS und Europa sowie dem Nahen Osten und Asien.

Da der innereuropäische Handel mit gut 70 % einen Großteil des gesamten europäischen Handels ausmacht, sind die europäischen und damit auch die deutschen Ausfuhren stark von der konjunkturellen Entwicklung Europas abhängig. Die rezessiven Tendenzen in den Problemländern der Eurozone werden daher über gegenseitige Verflechtungen auch spürbare Auswirkungen auf andere europäische Länder haben. Aus den USA und China sind ebenfalls weniger kräftige Nachfrageimpulse zu erwarten, da sich auch dort das Wirtschaftswachstum abgeschwächt hat. Parallel zur Wirtschaftsleistung wird der Welthandel daher 2012 langsamer wachsen als in den beiden Vorjahren.