Pressemitteilung

Konjunktur nimmt Fahrt auf

10. März 2014

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland aktualisiert. Angesichts der bislang weitgehend wie prognostiziert eingetretenen Entwicklung sowie unveränderter Rahmenbedingungen wird für 2014 weiterhin mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 % gerechnet, für 2015 mit einem von rund 2 %. Im vergangenen Jahr hat die deutsche Wirtschaft auf ihren Wachstumspfad zurück gefunden und ist im vierten Quartal mit 0,4 % erneut gewachsen. Dennoch fiel die Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts im Jahresdurchschnitt mit 0,4 % insgesamt verhalten aus. Ursächlich dafür war die Wachstumsschwäche zu Jahresbeginn. Im Jahresverlauf hat sich nicht nur das Wachstumstempo verändert, sondern auch die Struktur: Im Gegensatz zu den Vorquartalen wurde die Konjunktur im vierten Quartal vor allem von den Exporten und den Anlageinvestitionen getragen. Der Arbeitsmarkt zeigte sich das ganze Jahr über in guter Verfassung. Die positive Beschäftigungsentwicklung und die steigenden Löhne haben bei gleichzeitig geringem Preisanstieg von nur 1,5 % zu einer deutlichen Erhöhung des privaten Konsums von 0,9 % beigetragen.

„Die Weltwirtschaft hat sich im vergangenen Jahr stabilisieren können. Die Eurozone hat die Rezession im Frühjahr 2013 hinter sich gelassen und gewinnt langsam an Fahrt“, sagt Prof. Dr. Michael Bräuninger, Forschungsdirektor am HWWI. Für die Prognose wird angenommen, dass sich die Erholung im Euroraum fortsetzt, die Weltkonjunktur deutlich an Fahrt gewinnt und den großen Zentralbanken der „behutsame“ Ausstieg aus der bislang sehr expansiven Geldpolitik gelingt. Zinserhöhungen sollten frühestens Ende des Jahres eine Rolle spielen. In Deutschland ist die Stimmung in der Wirtschaft gut; der ifo-Index ist zuletzt deutlicher gestiegen als erwartet. „Folglich spricht vieles dafür, dass sich die konjunkturelle Belebung in diesem Jahr fortsetzt und im nächsten Jahr sogar weiter an Fahrt gewinnt“, sagt Anja Rossen, Konjunkturexpertin am HWWI. Insgesamt rechnen wir für das Jahr 2014 – wie schon bisher – mit einer Wachstumsrate von 1,7 %. In 2015 sollte sich das Expansionstempo weiter beschleunigen, so dass die Wirtschaft mit einer Rate von 2,1 % zulegen wird.

Das Beschäftigungswachstum sollte sich mit zunehmender Auslastung der Produktionskapazitäten fortsetzen, sodass die Zahl der Erwerbstätigen 2014 und 2015 ähnlich wie im vergangenen Jahr zunehmen wird. Nach einem leichten Anstieg der Arbeitslosenzahlen im vergangenen Jahr sollte sich die Lage in diesem und im nächsten Jahr wieder verbessern. 2015 werden im Jahresdurchschnitt 2,74 Mio. Personen arbeitslos sein. Der Preisdruck dürfte sich mit verbesserter Konjunktur und steigenden Löhnen wieder erhöhen und in diesem Jahr zu einer Inflationsrate von 1,7 % führen; 2015 könnte in Deutschland die 2 %-Stabilitätsmarke erreicht werden. In der Eurozone dürfte die für die Geldpolitik relevante Inflationsrate mit etwa 1,5 % deutlich darunter liegen.

Bei weiter steigenden Realeinkommen wird der private Konsum eine wichtige Stütze des Wachstums bleiben. Außerdem werden – anders als im vergangenen Jahr – die Investitionen deutlich zum Wachstum beitragen. Dafür sprechen die weiterhin günstigen Finanzierungsbedingungen, die anziehende Weltkonjunktur und vor allem der vorhandene Nachholbedarf. Dabei werden neben Ersatzinvestitionen mehr und mehr Erweiterungsinvestitionen eine Rolle spielen. „Mit der Belebung der Weltkonjunktur werden die deutschen Exporte sowohl 2014 als auch 2015 wieder kräftiger zulegen“, sagt Michael Bräuninger. Gleichzeitig werden auch die Importe mit wachsendem Konsum und anziehender Investitionstätigkeit merklich ansteigen. Der Leistungsbilanzüberschuss in Relation zum Bruttoin-landsprodukt wird von 7 % auf 6,6 % fallen.

Die Einnahmen des Staates sollten, nach 2,6 % in diesem Jahr, im nächsten Jahr, mit sich weiter verbessernder Konjunktur, etwas stärker, nämlich um 3,1 %, zunehmen. Auf der Ausgabenseite ergeben sich Zuwachsraten auf ähnlichem Niveau wie im vergangenen Jahr, sodass das gesamtwirtschaftliche Finanzierungssaldo sowohl dieses als auch nächster Jahr in etwa ausgeglichen sein wird.

Das wohl größte Risiko für diese Prognose ist weiterhin die Entwicklung im Euroraum. Die wieder auflebende europäische Wirtschaft könnte einige Regierungen dazu veranlassen, die dringend notwendigen Strukturreformen und Haushaltskonsolidierungen weniger nachhaltig anzugehen. Gleichzeitig besteht in den USA wie auch in Europa ein gewisses Risiko, dass ein schlecht kommunizierter Ausstieg aus der unkonventionellen Geldpolitik zu Turbulenzen auf den Finanzmärkten führt.

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