Pressemitteilung

Weniger Restmüll bis 2020 erwartet, dadurch mehr Verwertung und weniger Verbrennung in der Abfallwirtschaft

19. März 2012

Laut einer aktuellen Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) wird das Abfallaufkommen in Deutschland bis zum Jahr 2020 um bis etwa 5 Millionen Tonnen zurückgehen. Dadurch wird sich der Bedarf an Anlagen zur Sortierung, Behandlung, Verwertung und Beseitigung von Abfällen ändern. Beispielsweise dürften bei thermischen Anlagen Anpassungen der Kapazitäten nach unten oder zusätzliche Abfallimporte notwendig sein.

Das sind die Ergebnisse der Studie „Auswirkungen der Abfallgesetzgebung auf das Abfallaufkommen und die Behandlungskapazitäten bis 2020“, die das HWWI für die energierechtliche Beratungspraxis von Wiegert Werner & Partner erstellt hat. Hintergrund der Analyse ist die am 1. Juni 2012 in Deutschland in Kraft tretende Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, mit der die Einführung einer Wertstofftonne und einer obligatorischen Biotonne bis spätestens zum Jahr 2015 verbunden ist. Ziel der Analyse ist es, die Konsequenzen der neuen Rahmenbedingungen und weiterer sozio-ökonomischer Entwicklungen bis zum Jahr 2020 zu beleuchten.

Auf der Grundlage von Annahmen zum Trennungsverhalten der Haushalte, zur Bevölkerungsentwicklung und zu wirtschaftlichen Faktoren hat das HWWI drei Szenarien („Trend“, „Trennung“, „Tradition“) für die künftigen Abfallmengen berechnet. In allen drei Varianten kommt es zu einem Rückgang der Mengen im Hausmüll, aus hausmüllähnlichen Gewerbeabfällen sowie aus Produktion und Gewerbe. Zugleich nehmen jeweils die Mengen der getrennt erfassten Abfälle aus Leicht- und stoffgleichen Nichtverpackungen leicht sowie der Bio- und Grünabfälle merklich zu. Insgesamt sinken die Mengen bei Haushaltsabfällen und Abfällen aus Produktion und Gewerbe ausgehend von 85,5 Millionen Tonnen im Jahr 2009 um etwa 5 Millionen Tonnen im Szenario „Trennung“, um gut 3 Millionen Tonnen im Szenario „Trend“ und um 0,8 Millionen Tonnen im Szenario „Tradition“.

Mit einer Veränderung der Abfallmengen und ihrer Zusammensetzung ändert sich künftig der Bedarf für Anlagen zur Sortierung, Behandlung, Verwertung und Beseitigung von Abfällen. Anhand thermischer Anlagen (Müllverbrennungsanlagen und Ersatzbrennstoffkraftwerken) zeigt das HWWI beispielhaft, welche Wirkungen sich dort beim Kapazitätsbedarf einstellen könnten. Alle Szenarien zeigen einen Rückgang der im Inland zur Verfügung stehenden Abfallmenge zur thermischen Behandlung an. Von 2009 bis 2020 liegen die Rückgänge hier ausgehend von 24,7 Millionen Tonnen zwischen 11,0 % (Szenario “Trennung”) und 3,6 % (Szenario “Tradition”). Die tatsächlichen thermischen Kapazitäten lagen Ende 2010, je nach Datenquelle und Berechnungsgrundlage, zwischen 23,4 und 26,4 Millionen Tonnen. Mithin könnten Unterauslastungen der Kapazitäten in absehbarer Zeit entstehen oder bestehende Fehlmengen anwachsen. Daraus folgt entweder ein Bedarf an zusätzlichen Abfallimporten oder die Notwendigkeit einer Anpassung der Kapazitäten nach unten. Umgekehrt ist aber zu erwarten, dass der Bedarf an Anlagen zur Sortierung sowie zur biologischen Aufbereitung und Verwertung in Deutschland künftig eher zunehmen wird.

Dr. Sven Schulze, Leiter des Themenfeldes „Umwelt und Klima“ am HWWI, kommentiert die Ergebnisse der Studie wie folgt: „Sowohl die Betrachtung der Vergangenheit als auch unserer Szenarien zeigt, dass die Abfallgesetzgebung stets einen großen Einfluss auf Stoffströme und die Branche der Abfallwirtschaft hat. Der Gesetzgeber tut gut daran, dies in seinen Überlegungen auch in Zukunft angemessen zu berücksichtigen.”

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