Pressemitteilung

Von der Biografie zur Strategie: 7. Workshop zum Modellprojekt „ThürReg“ zeigt alternative Wege zur Vermittlung von Arbeitslosen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen auf

18. November 2013

Am 12. November 2013 lud das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) zum Thema "ThürReg: Ein Modellprojekt zur Förderung von Innovation und Beschäftigung" in das Landratsamt Schmalkalden-Meiningen zum 7. Projektworkshop ein. Der Landkreis und das HWWI können als Initiatoren des Modellprojekts inzwischen auf eine 16-monatige Zusammenarbeit zurückblicken. Wichtige Forschungsergebnisse wurden vom HWWI und der Fachhochschule Schmalkalden am vergangenen Dienstag in Meiningen präsentiert und in einem Kreis von rund 30 Teilnehmern aus Verwaltung, Politik und Wissenschaft diskutiert.

Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen ist zugelassener Träger der Grundsicherung für Arbeitssuchende und betreibt damit als sogenannte Optionskommune sein Jobcenter in eigener Verantwortung. Optionskommunen bringen viele Vorteile für die Kunden: Sie können Vermittlungshemmnisse durch die regionale Ausrichtung schneller überwinden und die Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitssuchenden erhöhen. Sie besitzen zudem Vorteile bei der Vermittlung von Arbeitssuchenden in nicht-bedarfsdeckende Arbeit. Dies zeigt eine Ende 2008 vom Deutschen Bundestag veröffentlichte Evaluierung. Allerdings wiesen Optionskommunen in der Vergangenheit im Bundesdurchschnitt eine geringere Wahrscheinlichkeit auf, Arbeitssuchende in bedarfsdeckende sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu vermitteln.

Undine Herlan, die Leiterin des Jobcenters Schmalkalden-Meiningen, wies in diesem Zusammenhang auf die Stellungnahme des Deutschen Landkreistages hin, wonach sich die bisherigen Optionskommunen meist durch einen eigenen Arbeitgeberservice eine gute Position am Arbeitsmarkt erarbeitet haben: „Verlässlichkeit und gute Leistungserbringung ermöglichen eine hohe Zufriedenheit der örtlichen Arbeitgeber ebenso wie gute Ergebnisse für Arbeitssuchende. Genau hier wollen wir mit dem Modellprojekt ThürReg ansetzen und weitere positive Ergebnisse erzielen“.

Das Modellprojekt ThürReg legt ein besonderes Gewicht auf die Vermittlung in stabile bedarfsdeckende Beschäftigung. Ziel ist es, durch eine passgenaue, empiriegestützte Beratung von Langzeitarbeitslosen und älteren Arbeitssuchenden den Zugang zu Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu erhöhen. Weitere Ziele sind die Fachkräftesicherung angesichts des demografischen Wandels sowie die Verbesserung der Berufsorientierung. Darüber hinaus soll durch die Identifikation von innovativen Clustern die Wettbewerbsfähigkeit der Region gestärkt werden.“, so Dr. Johannes Jaenicke, Projektleiter von „ThürReg“.

Um das zu erreichen, ist ein detailliertes Wissen über den regionalen sowie bundesweiten Arbeitsmarkt vonnöten. Wie sah die regionale Lohnentwicklung der Beschäftigten in den verschiedenen Wirtschaftszweigen aus? Wie stark sind die Unternehmen bereits vom Fachkräftemangel betroffen? Als zu den alten Bundesländern angrenzender Landkreis ist für Schmalkalden-Meiningen beispielsweise das Pendler- und Wanderungsverhalten eine bedeutsame Komponente für den Arbeitsmarkt, wie der Vortrag von Andreas Trautvetter am Dienstag zeigte. Vor allem junge Frauen verließen demnach den Landkreis, und zwar fast jede dritte Frau im Vergleich zu jedem vierten Mann zwischen 18 und 40 Jahren. Das habe negative Auswirkungen auf das zukünftige Arbeitskräftepotenzial und die zukünftige Geburtenrate. Trotz Rückgangs des Arbeitskräftepotenzials und der Arbeitslosigkeit ist der Saldo der Auspendler gestiegen. Mehr als 50 % der Pendler aus Schmalkalden-Meiningen pendeln über 50 km weit, um in wirtschaftsstarken Nahregionen zu arbeiten. Mit der Pendelentfernung steigt das Risiko weiterer Abwanderung.

Ein weiterer interessanter Aspekt für die Beobachtung des Arbeitsmarktes, auch bundesweit, ist das Verhalten von Personen bezüglich eines Berufswechsels nach Phasen der Arbeitslosigkeit. Projektmitarbeiter Falko Lehmeier zeigte, dass Episoden der Arbeitslosigkeit einen Berufswechsel wahrscheinlicher machen. Ältere Personen schauten sich dabei nach einer Zeit der Erwerbslosigkeit eher nach eng verwandten Berufen um.

Zu den Schwerpunktgruppen von „ThürReg“ zählen neben Langzeitarbeitslosen die älteren und jüngeren Arbeitsuchenden. Für junge Menschen habe sich der Arbeitsmarkt in den letzten Monaten positiv entwickelt. Im Vergleich zu Oktober letzten Jahres wurden hier knapp 30 % weniger Arbeitslose gemeldet. Die Jugendarbeitslosigkeit liege mit 6,3 % jedoch noch immer knapp einen Prozentpunkt über dem bundesweiten Durchschnitt. Bei den älteren Arbeitslosen und Langzeitarbeitslosen habe sich der Markt weniger dynamisch entwickelt; eine erfolgreiche Integration sei bei diesen Gruppen bisher schwierig, erklärte Alexandra Kloß in ihrem Vortrag.

Diese und weitere Informationen über den regionalen Arbeitsmarkt werden zukünftig in einem auf empirischer Basis entwickelten Beratungstool zusammengefasst und aufbereitet. So entsteht ein neues Beratungsinstrument für die Vermittlungsfachkräfte der Optionskommune Schmalkalden-Meiningen. Mit dessen Hilfe können Strategien zur Arbeitsvermittlung entwickelt werden, die auf die persönliche Lebensgeschichte und die Anforderungen des Beratenen abgestimmt sind. Die Beratung soll für Vermittler und Leistungsberechtigte vereinfacht und die Nachhaltigkeit ihrer Wirkung gesichert werden. Richard Abendroth, der hierfür zuständige Projektmitarbeiter, stellte auf dem Workshop die Funktionsweise dieses Beratungsinstruments anhand einer beispielhaften Biografie vor.

Abschließend gab Projektleiter Dr. Johannes Jaenicke einen Ausblick für die Implementierungsphase des Modellprojektes im Landkreis Schmalkalden-Meiningen und den Transfer auf andere Regionen.

Das Projekt "ThürReg" wird vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie (TMWAT) aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Weitere Förderer sind der Landkreis Schmalkalden-Meiningen, die Ernst-Abbe-Stiftung sowie die Gesellschaft der Freunde und Förderer des HWWI gGmbH e.V. Weitere Informationen zu "ThürReg“ finden Sie unter www.thuerreg.de.

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