Konjunktur

Konjunkturerwartungen

20.10.2022 | News | von Michael Berlemann, Jörg Hinze, Torsten König
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Hamburgs Wirtschaft blickt sehr besorgt auf den Winter

Der Ausblick für Hamburgs Wirtschaft ist im Herbst 2022 noch einmal schlechter geworden. Laut aktuellem Konjunkturbarometer der Handelskammer Hamburg hat sich das Geschäftsklima in der Stadt, im Vergleich zu den Vorquartalen, zum vierten Mal in Folge eingetrübt. Bei der Frage nach den größten Geschäftsrisiken haben die Energie- und Rohstoffpreise einen Betroffenheitsgrad erreicht, den es so in den vergangenen zwölf Jahren nicht gegeben hat.

Die Reaktionen der Hamburger Unternehmen auf die hohen Strom-, Gas- und Kraftstoffpreise fallen differenziert aus. Knapp die Hälfte gibt die gestiegenen Preise zum Großteil an die Kunden weiter. Aber auch die Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen werden von rund 42 Prozent der Befragten als eine Antwort auf die Preiserhöhungen genannt.

Die komplette Auswertung des Konjunkturbarometers für das dritte Quartal 2022 finden Sie hier.

Aktuelle HWWI-Konjunkturprognose: Deutsche Wirtschaft gleitet in Rezession

Inzwischen ist der in den Prognosen von Anfang März und Juni als Risiko beschriebener Worst Case, nämlich ein Andauern des Ukraine-Kriegs sowie damit verbunden eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Energie, insbesondere von Gas, eingetreten. Insbesondere für das kommende Winterhalbjahr zeichnet sich eine rezessive Entwicklung in Deutschland ab. Die Gasmangellage wird die Produktion dämpfen und die Inflation höher halten als vormals erwartet. Das reduziert die Kaufkraft der Haushalte weiter und beeinträchtigt auch die Investitionsbereitschaft. Die deutlich über dem Stabilitätsziel liegende Inflation und die nun höheren Lohnforderungen veranlassen die Europäische Zentralbank zu einer restriktiveren Geldpolitik, die ebenfalls die Wirtschaftsentwicklung dämpft.

Ab Frühjahr 2023 dürfte sich mit Ende der Heizperiode die Versorgungslage von Energie wieder verbessern. Die Preise sollten dann ihren Höhepunkt überschritten haben und die Unternehmen sollten kaum weiter zu Produktionseinschränkungen gezwungen sein. Mit im Jahresverlauf 2023 nachlassender Inflation sollte sich bei höheren Lohnabschlüssen die Kaufkraft und damit der Konsum der privaten Haushalte stabilisieren. Auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen sollte sich dann wieder festigen.

Das HWWI erwartet deshalb für Deutschland nun ein Wirtschaftswachstum von nur mehr 1 ¼ % für 2022 und von -½ % für 2023; für die Inflationsrate wird mit durchschnittlich 8 bzw. 6 % gerechnet. Die Risikofaktoren der jüngeren Vergangenheit – Ukrainekrieg, Energiekrise, Inflationsdruck, Lieferkettenprobleme – bestehen fort. Hinzukommt eine in immer mehr Ländern zunehmend restriktivere Geldpolitik. Unter diesen Umständen sind die Risiken für eine ungünstigere Entwicklung, als in dieser Prognose abgeleitet, sicherlich größer als die Chancen für eine günstigere.

Die HWWI-Konjunkturprognose vom 1. September 2022 finden Sie hier.

Den HWWI-Rohstoffpreisindex im September 2022 finden Sie hier.

Autoren

Prof. Dr. Michael Berlemann
Jörg Hinze