Krieg in der Ukraine und Inflationsprobleme verschlechtern Wirtschaftsentwicklung

20.04.2022 | News | von Michael Berlemann
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Der Krieg in der Ukraine und die steigende Inflation verschlechtern die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland und Hamburg. Das ergab der aktuelle Konjunkturbericht der Handelskammer Hamburg und des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI).

Die Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft haben sich durch den Krieg in der Ukraine erheblich verschlechtert. Der nach Lockerung des Corona-Lockdowns erwartete Erholungsprozess wird dadurch verschleppt. Bei anhaltendem Krieg in der Ukraine besteht die Gefahr einer tieferen Rezession.

Da das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach den jüngsten Problemen – 5. Corona-Welle, durch den Krieg in der Ukraine noch verschärfte Lieferketten- und Inflationsprobleme – voraussichtlich im ersten Quartal wie schon im letzten Quartal des vergangenen Jahres gesunken ist, wäre definitionsgemäß der Tatbestand einer Rezession als Rückgang des BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen bereits erfüllt.

Die Prognose des HWWI von Anfang März, zu Beginn des Ukraine-Krieges, unterstellte lediglich vorübergehende Störungen bei den Energie- und anderen Rohstofflieferungen bzw. deren Preisen durch den Ukraine-Krieg; für diesen Fall wurde ein Wirtschaftswachstum von 2 % und eine Inflationsrate von knapp 4 % für dieses Jahr sowie 3 % Wirtschaftswachstum und 2 % Inflation für 2023 geschätzt. Mit Fortdauer des Ukraine-Kriegs und zunehmendem Umfang gegenseitiger Sanktionen wird die gesamtwirtschaftliche Produktion entsprechend geringer ausfallen.

Aktuell lässt sich für die kommenden Monate die Wirtschaftsentwicklung kaum vorhersehen, zumal bei einem etwaigen Öl- und Gasembargo. Die nochmals kräftige Verteuerung von Energie, aber auch von anderen Rohstoffen, dürfte angesichts der geopolitischen Verwerfungen zumindest auf mittlere Sicht den Inflationsdruck auf allen Stufen erhöhen.

„Die erhoffte Erholung der Wirtschaft nach zwei Jahren Corona-Pandemie ist durch den Krieg in der Ukraine deutlich gebremst“, sagt Prof. Dr. Michael Berlemann, wissenschaftlicher Direktor des HWWI. „Die nochmals kräftige Verteuerung von Energie, aber auch von anderen Rohstoffen, dürfte angesichts der geopolitischen Verwerfungen zumindest auf mittlere Sicht den Inflationsdruck auf allen Stufen erhöhen. Bei anhaltendem Krieg in der Ukraine und zunehmendem Umfang gegenseitiger Sanktionen droht die Gefahr einer tiefen Rezession.“

„In der Hamburger Wirtschaft herrscht große Verunsicherung“, sagt Dr. Malte Heyne, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg. „Viele Unternehmen rechnen mit einem Rückgang ihrer Exporte. Für Hamburg als Außenhandelsstandort sind das düstere Aussichten.“ Rund jedes dritte Unternehmen (35,7 Prozent) rechnet mit einer Verschlechterung der eigenen Geschäftslage in den kommenden Monaten. Besonders stark treffen diese weltwirtschaftlichen Entwicklungen die auf intakte Lieferketten angewiesene Industrie. Grund für die deutliche Verschlechterung der Wirtschaftsentwicklung sind vor allem die steigenden Energie- und Rohstoffpreise. Für sieben von zehn Unternehmen sind sie mittlerweile eines der größten Geschäftsrisiken. Vor einem Jahr galt das noch für jedes vierte Unternehmen.

Zur HWWI-Konjunkturprognose vom 2. März 2022 (PDF)

HWWI-Rohstoffpreisindex im März 2022 (externer Link)

Alle Zahlen des Konjunkturbarometers der Handelskammer Hamburg im Frühjahr 2022 (externer Link)

Autoren

Prof. Dr. Michael Berlemann