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Der Corona-Schock: das Virus, ein fast Schwarzer Schwan und eine veränderte Welt

08.04.2020 | HWWI Standpunkt | von Henning Vöpel
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Der ultimative Systemschock

Für eine globalisierte und freizügige Gesellschaft ist es der ultimative, der größte denkbare Ausnahmezustand: von Hundert auf Null, von grenzenloser Bewegungsfreiheit zu verordnetem Stillstand, von Laissez-faire zu paternalistischer Kontrolle. Es ist so außergewöhnlich, dass es bizarr wirkt – leere Plätze, leere Geschäfte, leere U-Bahnen. Das System wird heruntergefahren, indem es das Gegenteil von dem tut, worauf es ausgerichtet ist: auf Vernetzung und Austausch. Die Corona-Pandemie ist eine Allegorie auf die Verwundbarkeit der modernen Gesellschaft. Etwas Unsichtbares, das Individuum in seiner Existenz Bedrohendes gebietet dem gewohnten Leben harsch Einhalt – aus Angst vor Ansteckung, die zu einem Sinnbild des Systemrisikos wird. Der Kontakt wird zum Tabu, die Kontrolle zur Illusion. Über Jahrzehnte ist die Welt kleiner und die Zeit schneller geworden. Corona ist der Antiklimax: Die Welt wird plötzlich wieder größer, die Zeit langsamer. Alle Menschen sind vor diesem Virus gleich. Der „Corona-Sozialismus“ fühlt sich für ein paar Tage gar nicht so schlecht an, ist aber tatsächlich eine verführerische Illusion, denn der Ausnahmezustand bleibt Ausnahmezustand und ist kein erstrebenswertes Modell für normale Zeiten, weil es weder ökonomisch noch sozial dauerhaft funktionieren kann. Die Corona-Krise ist ferner weder ein Argument gegen die Globalisierung noch eines für den Klimaschutz. Gut möglich aber – und darin liegt gewiss eine Chance der Krise –, dass nach der Corona-Krise das, was „normal“ ist, sich verändert haben wird. Vielleicht ist sogar zu hoffen, dass wir nicht einfach in die gewohnten Muster zurückfallen. Eine Ahnung von gewonnener Freiheit ist an einigen Stellen des Lebens zu vernehmen. Mit etwas mehr Zeit gewinnt das Abendessen plötzlich wieder rituelle Bedeutung, hält das Sporttreiben wieder Einzug in den Alltag. Noch keine Umkehr, aber eine vorübergehende Einkehr ist hier und da zu spüren. Ein anderes Leben ist möglich, keines, das auf Null heruntergefahren wird, aber eines, das in Zukunft weniger Stress gegen mehr Lebensqualität tauscht, sozialer, weil solidarischer, und zufriedener, weil entspannter ist.    

Die Realität ist indes eine andere: Es hat etwas Beängstigendes, Radikales und Faszinierendes, als Individuum und als Gesellschaft so elementar und existenziell mit der eige-nen Idee des Lebens und seiner Verwundbarkeit konfrontiert zu werden. Sehr viele Menschen, insbesondere Risikogruppen, haben ernste Sorgen um ihre Gesundheit, noch mehr fürchten sich vor Arbeitslosigkeit und beginnen, unter den psychischen Folgen der Kontaktsperre und deren sozialen und infrastrukturellen Beschränkungen zu leiden. Wahrscheinlich kann nur ein Ereignis von solcher Wucht uns die Augen öffnen – für viele Dinge, die wir übersehen haben, weil wir keine Zeit für sie hatten, und nun zu fragen beginnen, ob das schon immer so war oder wirklich so sein muss.

Die globalisierte Bedrohung
Vor wenigen Monaten war das Virus, die Coronavirus-Mutation Covid-19 noch völlig unbekannt. Irgendwo in der Nähe der chinesischen Stadt Wuhan übertrug es sich wohl auf eine Fledermaus. Schließlich ist das Covid-19-Virus von dieser Fledermaus auf ein Tier übergesprungen, welches auf dem geschäftigen Marktplatz von Wuhan, unweit des örtlichen Bahnhofs, zum Kauf angeboten wurde. So gelangte es zum Menschen. Unglücklicherweise – eine zufällige Koinzidenz mit gewaltiger Auswirkung – feierten die Chinesen Ende Januar bis Anfang Februar ihren Jahreswechsel, den Chinese New Year, zugleich die längsten Ferien des Jahres in China. In China kommt es aus diesem Anlass zu regem Reiseverkehr, so dass sich das Coronavirus Covid-19 in alle Richtungen verbreitete – von Wuhan aus nach Peking, Schanghai und andere große chinesische Metropolen, von wo aus das Virus seine Reise in alle Welt, bis nach Europa und in die USA antrat und die weltweit größte Pandemie seit der Spanischen Grippe Anfang des 20. Jahrhunderts auslöste. Niemand konnte noch vor Ende Februar vorhersehen oder auch nur ahnen, welche Konsequenzen dies haben würde. Wenngleich es warnende Stimmen gab, wie etwa jene von Bill Gates, der bereits in einem Vortrag im Jahr 2015 auf die prinzipielle Gefahr einer unkontrollierten Pandemie und unsere unzureichende Vorbereitung auf ein solches Ereignis hinwies. Gerade in den USA richtet die Pandemie eine soziale und humanitäre Katastrophe an, dort wo viele Menschen kaum eine Kranken- oder Arbeitslosenversicherung haben und gezwungen sind, trotz Infektion zur Arbeit zu gehen und so noch alles schlimmer zu machen. Letztlich kann die Krise sogar die geopolitischen Entwicklungen, die sich seit einigen Jahren vor allem zwischen den USA und China vollziehen, beeinflussen oder beschleunigen.   

Nun ist der Schwarze Schwan gelandet, und zwar in einer Welt, die ohnedies fragmentiert, fragil und verunsichert, ohne Orientierung ist, in einer Welt, die nun stillsteht, bis auf Weiteres geschlossen ist. Die Corona-Krise ist wie ein Brennglas und ein Zeitraffer, sie schärft unseren Blick und beschleunigt unsere Gedanken. Die Corona-Krise wird einmal der Referenzpunkt für zukünftige Entwicklungen und Entscheidungen sein, der Verweis auf diese Zeit wird uns lange begleiten. Die Krise kommt über uns wie eine Urgewalt, fast wie eine Apokalypse biblischen Ausmaßes – inklusive einer Theodizee, der Deutung von Krise und Leid als Prüfung und Strafe der Menschheit. Wir befinden uns plötzlich, unerwartet und insoweit unvorbereitet in einem Zustand, in dem wir sehr wenig darüber wissen, womit wir es zu tun haben, was zu tun ist und welche Folgen das alles haben wird. Die Nachkriegsgenerationen, die für einen derartigen Ausnahmezustand ohne jedes Beispiel, ohne jede Erfahrung sind, die sich an immer steigenden Wohlstand und unbegrenzte Mobilität gewöhnt haben und nichts anderes kennen, müssen sich mit einer Situation auseinandersetzen, die radikale Unsicherheit mit sich bringt. Die Krise zerstört, sie beschleunigt, sie wirft zurück, aber sie zwingt uns auch, zu reflektieren, zu lernen, uns selbst zu helfen. Es ist eine Begegnung mit uns selbst in einer surrealen und bizarren Gegenwart, die wie eine Unterbrechung des Zeitstrahls, fast wie ein komatöser Zustand wirkt – ohne Vergangenheit und ohne Zukunft, die Frage aufwerfend, ob wir bisher richtig gelebt und die richtigen Maßstäbe angelegt haben. Die Krise verändert den Gradient der Entwicklungen, den Zeitpfeil und unsere Bewegungsrichtung.

Natürlich besteht die Gefahr, die Corona-Krise in ihrer Bedeutung für unsere Zukunft zu überhöhen. Die Corona-Krise wird ein sehr bedeutendes Narrativ sein, auch eines, das sehr unterschiedlich und missbräuchlich verwendet werden wird. Menschen fragen unter dem Eindruck einer Krise immer danach, was sie zu bedeuten habe und wie man sie sinnhaft deuten könne. Schwarze Schwäne sind sehr seltene Ereignisse mit sehr großen Wirkungen. Dies ist der Grund, weshalb Menschen deren Einfluss auf die Zukunft systematisch überschätzen. Sogar und insbesondere Zukunfts- und Trendforscher neigen zu Überschätzung, indem sie die auf der Basis des Ausnahmezustands die Systemfrage stellen. Das Tückische an schwarzen Schwänen ist, dass sie zu selten vorkommen, um mit ihnen rechnen und sich auf sie vorbereiten zu können, wahrscheinlich sogar, um aus ihnen etwas für die Zukunft ableiten zu dürfen. Zudem gibt es potenziell sehr viele sehr unterschiedliche schwarze Schwäne, die zum Teil sehr spezifi-sche Maßnahmen erfordern. Ein tödlicher Virus ist eine gänzlich andere Gefahr als ein Meteoriteneinschlag; mehr Atemmasken vorzuhalten, mag da für die nächste Krise wenig nützen. Sich auf alle schwarzen Schwäne vorzubereiten, ist schlicht unmöglich. Sehr wohl aber gilt es, aus dieser Krise zu lernen, robuster, resilienter oder – wie der Risikoforscher Nassim Nicholas Taleb es nennt – „antifragiler“ zu werden, also die Fähigkeit ausprägen, sich der Krise auszusetzen, um an ihr zu wachsen. Taleb selbst spricht hier sogar von einem »weißen Schwan«, weil die Corona-Pandemie nicht wirklich unerwartet käme. Doch was macht aus einem weißen Schwan einen schwarzen? Wahrscheinlich muss man angesichts der Unvorhersagbarkeit des Zeitpunktes und des Ausmaßes davon ausgehen, dass ein größeres Maß an Krisenvorbereitung nicht unbedingt effizient gewesen wäre

Die Illusion des Wissens und eine neue Politik
In Krisen, in denen wir unter Unsicherheit und unvollständigem Wissen agieren und entscheiden müssen, wird die Güterabwägung sehr viel schwieriger, weil wir notwendig eine viel differenziertere, gemeinwohlorientierte Risikobetrachtung und ethische Erwägungen einbeziehen müssen. Die erste Frage in der Corona-Krise stellt sich folglich nach dem politisch verantwortlichen Handeln. Es hat sich gezeigt, dass es überaus wichtig ist, wissenschaftliche Expertise einzubeziehen, zugleich aber in Rechnung zu stellen, was Wissenschaft eben auch nicht weiß. Handeln unter unvollständigem Wissen wird zukünftig für Politik und Gesellschaft sehr bedeutsam, weil sie eine stärker wissenschaftliche, evidenzbasierte, aber auch risikosensitive Herangehensweise erfordert. Ähnliches sehen wir beim Klimawandel oder in der Digitalisierung. Der unbedingte Schutz der Menschen vor den möglichen Gesundheitsrisiken kann im Fall der Corona-Pandemie kurzfristig nur die einzige Maxime sein, bis weitere Vorkehrungen getroffen werden können, um Menschen intensivmedizinisch zu versorgen, und mehr Informationen und Erkenntnisse über das Virus und dessen Übertragung vorliegen. Bei exponentiellen Verläufen helfen nur schnelle und rigorose Maßnahmen wie Shutdown und Lockdown, um die Ausbreitung zu verlangsamen. Eine unkontrollierte und dann unkontrollierbare Pandemie auszuschließen, zunächst also die Kontrolle über kurzfristige Entwicklungen zurückzugewinnen, ist die wichtigste Aufgabe verantwortlichen politischen Handelns. Die Abwägung der Schutzmaßnahmen mit den ökonomischen Kosten und den nicht unkritischen Eingriffen in Freiheits- und Eigentumsrechte ist dennoch legitim und hat eine geradezu philosophische Dimension. Nach Kants Moralphilosophie wäre hier im Sinne des Kategorischen Imperativs zu argumentieren, also den Schutz der öffentlichen Gesundheit als höchstes moralisches Prinzip zu setzen, während die Utilitaristen in der Tradition John Stuart Mills und anderen vom Ergebnis her argumentieren, also weniger prinzipiell als konsequentialistisch, von den tatsächlichen Wirkungen her gedacht. Die Krise zeigt, dass Politik in Zukunft organischer denken und handeln muss, mehr in Zusammenhängen als in technischen Einzelmaßnahmen, denn sie agiert unter den Bedingungen von unvollständigem Wissen in komplexen Systemen.

Die Welt nach Corona
Die Corona-Krise ist aus einem weiteren Grund ein sehr seltenes Ereignis. Fast alle Menschen auf der Welt machen zur gleichen Zeit eine ähnliche Erfahrung. Dadurch brennt sie sich in das gemeinsame Gedächtnis ein und wird zu einem gemeinsamen Referenzpunkt. Jeder wird wissen, wo und mit wem man diese Zeit verbracht hat und was man dabei empfunden hat, wie etwa beim 9/11 oder bei der Mondlandung. Die Krise ist eine gemeinsame Erfahrung einer plötzlichen existenziellen Bedrohung. Ein solches Ereignis kann einen kollektiven Bewusstseinswandel auslösen, nämlich ein verändertes Bewusstsein für die Verwundbarkeit unseres Lebens, aber auch Verunsicherung und Ängste. Diese Erfahrung kann grundsätzlich zu zwei Reaktionen führen, die sich diametral gegenüberstehen. Sie kann dazu führen, dass Gesellschaften in Zukunft mehr globale Kooperation wollen, um die Risiken besser beherrschen zu können. Sie kann aber ebenso zu dem Gegenteil führen, nämlich zu einer Verstärkung dessen, was wir ohnehin schon seit einigen Jahren beobachten: wiederaufkeimenden Nationalismus, protektionistische Abschottung und ökonomische Autarkie. Die elementare Erfahrung der plötzlichen Verwundbarkeit, die aus der funktionalen Vernetzung und deren ökonomische Abhängigkeiten resultiert, löst das Verlangen nach Sicherheit aus, welches politisch in die eine oder die andere Richtung genutzt und ausgenutzt werden kann. Menschen werden verführbar in diesem Zustand der existenziellen Verunsicherung. Insoweit ist heute mehr als ungewiss, in welche Richtung es gehen wird. Der Historiker Yuval Harari hat die beiden großen Dimensionen genannt, in denen sich die Zeit nach der Corona-Krise entwickeln und entscheiden könnte. Die gesellschaftliche Reaktion auf die Krise wird sich zum einen zwischen Re-Nationalisierung im Sinne stärkerer ökonomischer Autarkie und politischer Souveränität einerseits und globaler Kooperation und Solidarität andererseits bewegen. Die zweite Dimension spannt sich zwischen autoritärem Staat und Staatswirtschaft einerseits und liberaler Demokratie und Marktwirtschaft andererseits. In vielen Ländern war von einem Krieg gegen das Virus die Rede und in einigen Fällen ist der nationale Notstand ausgelöst worden, wodurch die Exekutive zwar handlungsfähiger, aber auch weniger parlamentarisch kontrolliert ist. Massive Eingriffe in Freiheits- und Eigentumsrechte sind in einem völlig legitimen öffentlichen Gesundheitsinteresse vorgenommen worden, die gewiss eine veränderte Ökonomie, wahrscheinlich auch veränderte Gesellschaft hinterlassen werden. Armut mag zunehmen, die Ungleichverteilung von Einkommen, Vermögen und Chancen abermals steigen. Die Suche nach Schutz kann zu einer Hinwendung ins Private, ins Egoistische, ins Nationale und letztlich zu einem starken Staat bedeuten. Corona wird die politisch und gesellschaftlich relevanten Identitätsbeziehungen in Gesellschaften verändern – positiv wie negativ, lokal wie global. Das hat potenziell gravierende Folgen für die Globalisierung, die sich geopolitisch und weltwirtschaftlich in einem kritischen Übergang befindet. Globalisierung benötigt mehr denn je ein Umdenken, sie muss inklusiver und gerechter werden, um dadurch Vertrauen zurückzugewinnen. Auch hier wirkt die Corona-Krise wie ein Brennglas für die Entwicklungen und Trends, die wir schon seit einigen Jahren beobachten. In diesem Sinne kann Corona als ein möglicher Tipping Point ein bedeutsames und einschneidendes Ereignis sein. Das gilt nicht für den Fortgang der Globalisierung, sondern auch für die Entwicklung Europas, das in der Koordination der Corona-Krise keine allzu gute Figur abgegeben hat. Der Mangel an europäischer Solidarität kann in den nächsten Jahren zu gefährlichen Folgenkrisen, wie etwa einer Staatsschuldenkrise führen. Insoweit ist davon auszugehen, dass die Corona-Krise strukturell weit über die Diskussion von Shutdown und Lockdown in unsere Zukunft hineinwirkt.   

Neues Bewusstsein als Weckruf
Der Schwarze Schwan wird uns wieder verlassen, die Krise vorübergehen. Aber sie wird, das kann man heute bereits vermuten, eine veränderte Welt und ein veränder-tes Bewusstsein hinterlassen. Die Corona-Krise kann am Ende unsere Bereitschaft zum Wandel sogar befördern. Die Krise zwingt uns, loszulassen, uns mit dem Gedanken anzufreunden, dass schon in ein paar Monaten alles anders sein kann, weil niemand weiß, wie man gesundheitlich und wirtschaftlich aus ihr herausgehen wird. Die gegenwärtige Disruption kann aufgrund der kollektiven Bewusstseinsveränderung, die sie auslöst, systemverändernd sein. Die gemeinsame Erfahrung, dass nichts sicher ist und plötzlich alles anders sein kann, hilft uns, die anstehenden Aufgaben zu bewältigen, die Zukunft neu zu denken und die Welt neu zu gestalten – von der Globalisierung über die Digitalisierung bis hin zum Klimawandel. Die plötzliche und existenzielle Erfahrung von Disruption kann uns letztlich helfen, den notwendigen Wandel besser und mit einem gemeinsamen Bewusstsein für die wichtigen und elementaren Werte zu gestalten.

Wert und Wertschätzung für die systemrelevante Tätigkeit von Menschen, die bislang im Verborgenen täglich gearbeitet haben, steigen, ohne dass das selbst in einer Marktwirtschaft, die Knappheiten und Präferenzen zu Preisen formt, immer in Form von Preisen, Löhnen und Gehältern zum Ausdruck kommt. Systemrelevanz ist immer eine Frage des Systems. Und das System bestimmen die Menschen, die in ihm leben. Wertmaßstäbe können und werden sich verändern. Die Corona-Krise wäre dann der Weckruf und der Beginn für mehr Empathie und Solidarität, die letztlich notwendig ist für das Maß an Kooperation, das wir in einer global vernetzten Welt zur Lösung der Probleme benötigen. Das Gefühl von Verwundbarkeit kann zu einem Bewusstsein von Zusammengehörigkeit reifen. Die Krise kann uns tatsächlich die Augen dafür öffnen, die richtigen Fragen zu stellen, nicht nur in Bezug auf die Bewältigung der Krise, sondern für eine aktive, bewusste und optimistische Gestaltung der Zukunft. Die Corona-Krise stellt mitnichten die Systemfrage. Aber jede Krise testet das System, das auf Freiheit gründet, auf ihre Voraussetzungen: verantwortungsbewusste Politik, vertrauenswürdige Institutionen und solidarische Menschen. Wenn auch dieser Test bestanden ist, kann es sein, dass Corona uns in vielerlei Hinsicht ärmer gemacht hat, uns in unserer Zukunftsfähigkeit, unserem Vermögen, Zukunft zu gestalten, aber vielleicht sogar reicher.

Auszug aus „Disruption. Neuvermessung einer ver-rückten Welt“, zweite, erweiterte Auflage, April 2020, von Henning Vöpel

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Autoren

Prof. Dr. Henning Vöpel