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HWWI verfasst neue Studie: Was bei Offshore-Windenergie und -Rückbau zu tun ist

26.05.2020 | Pressemitteilung | von Mirko Kruse
© Fabian Schmidt

HWWI verfasst neue Studie: Was bei Offshore-Windenergie und -Rückbau zu tun ist

- Stakeholder sehen steigende Relevanz von Offshore-Rückbau in der Nordsee

- Zahlreiche offene Fragen bei Infrastruktur, Qualifikation und Gesetzgebung

- Hindernisse müssen zeitnah ausgeräumt werden

(Hamburg, 26. Mai 2020) Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat im Rahmen des INTERREG-Nordseeprojekts „DECOM Tools“ eine neue Analyse zu Offshore-Windenergie und ihrem Rück-bau verfasst. Im Mittelpunkt steht die Perspektive unterschiedlicher Stakeholdergruppen. Es zeigt sich, dass die Voraussetzungen noch nicht geschaffen worden sind, um die kommenden Herausforderungen zu bewältigen.

Die meisten Offshore-Windanlagen sind auf eine Lebensdauer von 20-25 Jahren ausgelegt. Im Anschluss wird jede Anlage entweder durch neue Komponenten ersetzt oder in Gänze zurückgebaut. Das Ziel des Projekts „DECOM Tools“ ist es, ökologische und innovative Konzepte zum Rückbau von Offshore-Windanlagen zu entwickeln. Das HWWI hat in diesem Kontext eine neue Analyse verfasst, die auf den Erkenntnissen von Workshops mit Stakeholdern in sechs Nordseeländern beruht.

Unter den Stakeholdern zeigt sich ein großes Interesse am Thema Offshore-Rückbau als möglicher Business Case. Allerdings werden beim Rückbau erst in der mittleren Frist für die Industrie relevante Volumina erwartet. „Der Einstieg in den Markt ist für Unternehmen ein Stück weit eine Wette auf die Zukunft, aber wir sehen hier eine noch nicht besetzte Nische“, so Mirko Kruse, Ökonom am HWWI und Autor der Studie.

Es wird erwartet, dass der Großteil der Rückbaukosten bei Transport und Logistik anfallen wird. Besonders für Häfen ergibt sich ein besonderes Potenzial, sofern die entsprechende Infrastruktur vorgehalten wird. Ein potenzieller Engpass: Sowohl die Verfügbarkeit ausreichender Lagerkapazitäten als auch die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte zum Rückbau auf hoher See wird aktuell noch als unzureichend bewertet. Hafenbetreiber und Bildungseinrichtungen sind zeitnah gefragt, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.

Zu den aktuellen Problemen zählen zudem große rechtliche Unsicherheiten. So sind die Vorschriften zum Rückbau oft nicht eindeutig und unterscheiden sich von Land zu Land. „Eine einheitliche europäische Regelung ist erforderlich, um den Betreibern und der nachgelagerten Industrie Planungssicherheit zu geben“, stellt Isabel Sünner, Leiterin Internationale Kooperation am HWWI, fest.

Unzureichend ist auch die nationale Gesetzgebung in puncto Recycling zurückgebauter Komponenten. Zudem fehlt es an Verfahren, Verbundstoffe wiederzuverwerten, wie sie beispielsweise in den Flügeln von Windanlagen verwendet werden. Im Projekt DECOM Tools werden entsprechende chemische Verfahren getestet, die gegebenenfalls auch in anderen Wirtschaftssektoren, die Verbundstoffe nutzen, angewandt werden könnten (zum Beispiel Automobilindustrie, Flugzeug- oder Schiffbau).

Hinzu kommen offene ökologische Fragen. So sind die Fundamente von Offshore-Anlagen zum Lebensraum für zahlreiche marine Lebensformen, darunter auch geschützte Arten, geworden.

Im Projekt „DECOM Tools“ arbeiten Partner aus Deutschland, Dänemark, Belgien, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Norwegen über vier Jahre zusammen. Das Projekt wird durch das INTERREG-Nordseeregion-Programm der Europäischen Union gefördert. Das Gesamtbudget liegt bei rund 4,7 Millionen Euro.

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Download Stakeholder Analysis DECOM Tools 2020 (PDF)

English version (PDF)

Autoren

Mirko Kruse