HWWI-Studie zum Arbeitsmarkt

10.12.2020 | Pressemitteilung | von Dörte Nitt-Drießelmann, André Wolf
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Entwicklung der Arbeitslosigkeit zu Lasten von Gering- und Mittelqualifizierten

- Zunahme der Arbeitslosigkeit fokussiert sich auf wenige Berufsgruppen

- Analyse stark betroffener Berufsgruppen zeigt, dass Helfer und Fachkräfte besonders hohe Zugänge verzeichnen

- Soziodemografische Merkmale der Arbeitslosen variieren deutlich zwischen Berufsgruppen

(Hamburg, 10. Dezember 2020) Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat die Veränderungen der Arbeitslosigkeit nach Berufsgruppen im Zuge der ersten Welle der COVID-19-Pandemie untersucht. Die Studie „Arbeitslosigkeit bei Gering- und Mittelqualifizierten im Zuge der COVID-19-Pandemie: Eine Analyse für ausgewählte Berufsgruppen“ zeichnet ein differenziertes Bild der Auswirkungen der ersten Phase der Corona-Pandemie für Helfer und Fachkräfte, also Gering- und Mittelqualifizierte, am deutschen Arbeitsmarkt. Die Studie wurde durch die Stiftung Grone-Schule unterstützt.

In der auf Basis von Daten der Arbeitsagentur durchgeführten Studie wurden sieben durch besonders hohe Arbeitslosenbestände bzw. -zuwächse gekennzeichnete Berufsgruppen einer genaueren Analyse unterzogen. Als zeitliche Vergleichspunkte wurden die Monatswerte Juli 2019 und Juli 2020 gewählt.

Die gewonnenen Erkenntnisse liefern vielfältige Hinweise über die Zusammenhänge zwischen Berufszugehörigkeit, demografischem Hintergrund und individuellem Arbeitslosigkeitsrisiko in Zeiten der Corona-Pandemie. So sind in der Lagerwirtschaft und der Speisenzubereitung zum Beobachtungszeitpunkt mehr als vier von fünf Arbeitslosen Helfer, während dies bei den Büro- und Sekretariatsberufen nur auf knapp jeden zweiten Arbeitslosen zutrifft. In der Lagerwirtschaft und der Metallbearbeitung sind die Männer unter den Arbeitslosen klar überrepräsentiert, während bei den Arbeitslosen in der Hotellerie, bei den Büro- und Sekretariatsberufen und im Verkauf die Frauen dominieren. Hohe Anteile an Arbeitslosen mit ausländischer Nationalität finden sich vor allem in den Berufsgruppen Speisenzubereitung und Gastronomie. Im Verkauf sind überdurchschnittlich viele bis 25-Jährige arbeitslos, während ältere Arbeitslose (über 55 Jahre) vor allem in der Hotellerie sowie in den Büro- und Sekretariatsberufen überdurchschnittlich stark vertreten sind.

„Es ist auffällig, dass es sich bei den Arbeitslosen in den derzeit von Arbeitslosigkeit besonders stark betroffenen untersuchten Berufsgruppen fast ausschließlich um Gering- und Mittelqualifizierte handelt“, stellt Dörte Nitt-Drießelmann, Senior Researcher am HWWI, fest.

„Angesichts der Ende 2020 im Zuge der zweiten Welle der COVID-19-Pandemie erneut eingeführten Beschränkungen ist nicht davon auszugehen, dass die Entwicklung zu Lasten der Helfer und Fachkräfte lediglich kurzfristiger Natur sein wird. Wir erwarten, dass sie eine durchaus strukturverändernde Kraft entfalten kann“, fügt Dr. André Wolf, Projektleiter am HWWI, hinzu.

„Geeignete Maßnahmen zur Re- und Weiterqualifizierung speziell von Erwerbstätigen mit geringem und mittlerem Qualifikationsniveau sollten somit zukünftig an Relevanz gewinnen“, ergänzt Nitt-Drießelmann.

Die Studie steht zum Download bereit hier.

Autoren

Dörte Nitt-Drießelmann
Dr. André Wolf