Neue HWWI-Studie im Rahmen des europäischen Projekts „REPLACE“

05.08.2021 | Pressemitteilung | von Mirko Kruse
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Auf dem Weg zum zirkulären Hamburg

- Hamburg als eines der ambitioniertesten Städte Deutschlands beim Aufbau einer Kreislaufwirtschaft
- Großes Engagement in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für ein zirkuläres Hamburg
- Andere Metropolen als Vorbild für eine umfassende Strategie der Kreislaufwirtschaft

(Hamburg, 5. August 2021) Hamburg ist auf einem guten Weg beim Aufbau einer Kreislaufwirtschaft. Es gibt aber noch einige Stellschrauben, um die Stadt zu einer Modellregion für Klimaschutz zu machen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) im Rahmen des INTERREG-Europa-Projekts „REPLACE“ durchgeführt hat.

Die Bedeutung des Themas Kreislaufwirtschaft ist spürbar gestiegen. Ursache hierfür sind unter anderem neue Regulierungen der Europäischen Union (EU), die auf diese Weise ihre Abhängigkeit von Ressourcenimporten reduzieren und die eigenen Nachhaltigkeitsziele erfüllen will. Handelskriege, die Corona-Pandemie oder die Blockade des Suez-Kanals haben zudem gezeigt, wie anfällig die globale Wirtschaft gegenüber Schocks ist. Regionale Ressourcenkreisläufe leisten daher auch einen Beitrag zur regionalen und lokalen Resilienz.

Unter einer Kreislaufwirtschaft wird ein Modell verstanden, bei dem Ressourcen möglichst lange genutzt werden und am Ende in einen neuen Nutzungskreislauf eingehen. Müllhalden als Sammelstätten nicht mehr nutzbarer Materialien würden durch entsprechendes Produktdesign, andere Nutzungsformen und Aufbereitungssysteme deutlich reduziert.

Das Thema Kreislaufwirtschaft gewinnt in Hamburg sowohl politisch als auch wirtschaftlich merklich an Bedeutung. Hinsichtlich der Abfallmenge in Hamburg ist es in der Vergangenheit zwar gelungen, die relative Menge pro Einwohner zu reduzieren, diese Einsparungen wurden allerdings durch ein starkes Bevölkerungswachstum überkompensiert. Bei gewerblichen Abfällen ist eine rückläufige Entwicklung noch nicht dauerhaft erzielt worden (siehe Abbildung).



„Angesichts einer wachsenden Bevölkerung und Wirtschaft werden Ressourcenverfügbarkeit und Abfallbewirtschaftung weiter an Relevanz gewinnen“, sagt Isabel Sünner, Leiterin Internationale Kooperation und Mitglied der Geschäftsführung des HWWI. „Besonders städtische Räume wie Hamburg haben besonderes Potenzial, von einer Kreislaufwirtschaft zu profitieren“, so Sünner.

In Hamburg ist der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft als Zielsetzung etabliert und findet sich in zahlreichen Einzelprojekten, zum Beispiel zum nachhaltigen Bauen, wieder. Darüber hinaus ist Kreislaufwirtschaft in Forschung und Entwicklung ebenso präsent wie im tertiären Bildungsbereich. Innovative Startups und zahlreiche thematische Veranstaltungen unterstreichen die Vitalität des Ökosystems in Hamburg. „Hamburg weist zwar im Vergleich mit anderen Regionen eine besonders ambitionierte und vielseitige Kreislaufwirtschaftsaktivität auf, ist damit aber national kaum sichtbar“, sagt Mirko Kruse, Projektleiter und Forscher am HWWI.

Zur Stärkung der Sichtbarkeit und Weiterentwicklung bestehender Strukturen hat das HWWI in einem Workshop mit Hamburger Akteuren konkrete Vorschläge erarbeitet. Diese umfassen den Aufbau einer Plattform zur Koordinierung, die als Ansprechpartner für Unternehmen dienen und eine Leuchtturmfunktion einnehmen kann. Die Sichtbarkeit des Themas auch in der Stadtgesellschaft ließe sich durch eine konkrete Verortung oder die Ausrichtung eines thematischen Events verbessern. „Die Hamburgerinnen und Hamburger sollten auch praktisch erleben können, wie in ihrer Stadt Zukunft erprobt wird“, so Kruse.

Eine besondere Rolle kommt dem Bildungssektor zu, der über Projektwochen die Themen Nachhaltigkeit und Ressourcen aufgreifen und praktisch erfahrbar machen kann. Der öffentliche Sektor kann nicht nur mit eigenem Handeln ein positives Beispiel setzen, sondern auch in der Beschaffung signifikante Anreize setzen. „Übergeordnetes Ziel sollte sein, eine umfassende Kreislaufwirtschaftsstrategie für Hamburg zu entwickeln, wie sie andere europäische Städte wie Brüssel, Prag oder Rotterdam schon vorgelegt haben“, resümiert Sünner.

Entstanden ist die zugrundeliegende Studie im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts REPLACE, in dem Partner aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Niederlande, Polen, Portugal und Rumänien zusammenarbeiten. Das Projekt läuft von 2019 bis 2024 und wird durch das INTERREG-Europa-Programm der Europäischen Union gefördert. Neben „REPLACE“ beschäftigt sich das HWWI auch in weiteren Forschungsprojekten mit dem Thema Kreislaufwirtschaft und wird die Entwicklung in Hamburg auch weiterhin konstruktiv begleiten.

Download der Studie (PDF)

Autoren

Mirko Kruse