Energie- und Rohstoffe

Interdisziplinäres Projekt innogesi gestartet

27.02.2013 | HWWI Update | von André Wolf

Jüngste Ereignisse wie der Hurricane Sandy im Oktober 2012 und der Stromausfall in München im November 2012 führen uns die Abhängigkeit unseres Wirtschaftens von der Funktionsfähigkeit kritischer Infrastruktur vor Augen. Forschung mit dem Ziel einer vergrößerten Versorgungssicherheit muss in einem umfassenden Rahmen erfolgen, der technische, rechtliche und wirtschaftliche Aspekte vereint. Vor diesem Hintergrund versucht das Forschungsprojekt innogesi neue Geschäftskonzepte im Bereich Sicherheit aus einer solchen interdisziplinären Sicht heraus zu entwickeln.

innogesi steht für „Innovative Geschäftsmodelle für Netzversorgungsinfrastrukturen“. Am Beispiel von Netzversorgungsunternehmen im Bereich Energie soll aufgezeigt werden, wie durch eine umfassende Einbindung relevanter Institutionen (Versicherungen, Kapitalmärkte und Regulierungsbehörden) innovative und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähige Sicherheitskonzepte erarbeitet werden können. Dies geschieht auf Grundlage dreier Fallszenarien, die hinsichtlich ihrer räumlichen Dimensionierung in die Kategorien regional, national und international untergliedert sind. Auf diese Weise soll der Omnipräsenz des Themas Sicherheit auf allen wirtschaftlichen und politischen Ebenen Rechnung getragen werden. Ein Verwertungsziel besteht dabei darin, die erarbeiteten Konzepte über den Weg der Normierung erfolgreich am Markt zu etablieren. Gleichzeitig besteht die Hauptzielsetzung mit Blick auf gesellschaftliche Interessen in der Erzielung eines Effizienzgewinns im Bereich der allgemeinen Versorgungssicherheit. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Verbesserungen im Risikomanagement von Großkatastrophen.

An dem über drei Jahre laufenden Verbundprojekt sind neben dem HWWI fünf weitere Institutionen aus den Forschungsbereichen Versicherungswirtschaft, Soziologie, Projektfinanzierung und Innovationsforschung beteiligt. Ferner sind mit der Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg auch Partner aus der Praxis ein direkter Teil des Forschungsprozesses. Weitere Praxispartner aus den Bereichen Versicherung und Energie sind über den Projektbeirat in den Fortlauf eingebunden. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ gefördert. Das Projekt untergliedert sich in fünf Arbeitspakete, die das Thema Sicherheit in verschiedenen inhaltlichen Dimensionen analysieren. Dabei soll eine enge Verzahnung der Forschungspläne einen kontinuierlichen Informationsaustausch zwischen den Arbeitspaketen gewährleisten. Das HWWI ist dabei mit dem Arbeitspaket „Makroökonomie“ vertreten.

Dieses Arbeitspaket beschäftigt sich mit der gesamtwirtschaftlichen Bewertung von Sicherheitsrisiken. Die Analyse wird dabei ausgehend von zwei unterschiedlichen Perspektiven vorgenommen. Zunächst soll vom Standpunkt eines in Sicherheit investierenden Unternehmens untersucht werden, welche Faktoren die Investitionsneigung in Bezug auf Sicherheitsverbesserungen beeinflussen. Dabei wird besonders auf die Rolle der Marktsituation einerseits und des existierenden regulativen Rahmens andererseits einzugehen sein. Als Fallszenario wird hierbei eine aktuell diskutierte Umstrukturierung im Bereich der Gasversorgung im Raum Berlin-Brandenburg betrachtet. Konkret soll die Einrichtung eines gemeinsamen Entstördienstes durch die regionalen Netzbetreiber einer verhaltensökonomischen Analyse unterzogen werden. Dabei steht die Frage im Zentrum, ob das gegenwärtige Rahmenwerk die Akteure hin zu einem gesellschaftlich optimalen Maß an Versorgungssicherheit lenken kann. Darauf aufbauend sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie durch ordnungspolitische Eingriffe ein Abbau möglicher Fehlanreize erzielt werden könnte. Auf methodischer Ebene werden hierzu aktuelle Ansätze aus dem Bereich der Spieltheorie sowie der mikroökonomischen Modellierung der Energiemärkte zur Anwendung kommen.

Im zweiten Teil des Arbeitspaketes wird dann aus einer makroökonomischen Perspektive heraus der Versuch unternommen, ein Maß für die Gesamtheit möglicher Schäden aus einem temporären Versorgungsausfall (zum Beispiel im Zuge von Großkatastrophen) zu gewinnen. Über die Berücksichtigung intersektoraler Handelsbeziehungen wird dabei nicht nur der Schädigung der unmittelbar vom Ausfall betroffenen Sektoren Rechnung getragen, sondern auch den indirekten Schädigungen von Unternehmen aus in Zuliefererbeziehung stehenden Wirtschaftsbereichen. Zur Abschätzung der Bedeutung dieser Kaskadeneffekte in vernetzten Systemen soll das Fallbeispiel DESERTEC herangezogen werden. Dazu werden die wesentlichen Sicherheitsaspekte dieses Großvorhabens einer makroökonomischen Risikoanalyse unterzogen. Methodisch greift dieser Teil des Arbeitspaketes auf aktuellen Adaptionen der Input-Output/CGE-Methodik für die Evaluation von kritischer Infrastruktur zurück.

innogesi im Internet

Offizielle Projekt-Website: http://www.innogesi.net
Projekt-Website des HWWI: http://www.hwwi.org/themenfelder/energie-und-rohstoffmaerkte/projekte/endenergie/innogesi.html

Autoren

Dr. André Wolf