Demografie, Städtische Räume

Internationalität als Entwicklungsfaktor für die Unternehmen in der Metropolregion Hamburg

13.08.2013 | HWWI Update | von Silvia Stiller

Vor kurzem fand in Hamburg der 2. Hamburg Welcome Day statt. Dort wurde intensiv diskutiert, ob die Metropolregion Hamburg auf dem Weg zur mehr Internationalität ist und welche Rolle die Internationalisierung von Unternehmen und Arbeitskräften, die Interkulturelle Öffnung von Gesellschaft und Verwaltung sowie die internationale Zusammenarbeit von Wissenschaft und Hochschulen dabei spielen können. Dabei konnten unter anderem zahlreiche Handlungsansätze auf Ebene der Unternehmen identifiziert werden.

Deutschlandweit sind besonders Metropolregionen intensiv in das internationale Wirtschaftsgeschehen eingebunden. Auch die Metropolregion Hamburg ist mit ihren mehr als 5 Millionen Menschen, 2,5 Millionen Arbeitsplätzen und einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 25 % seit dem Jahr 2000, als internationalisierte Dienstleistungs-, Industrie- und Logistikregion von überregionaler und internationaler Bedeutung. Die Unternehmen der Metropolregion Hamburg nehmen, gemessen an ihren Absätzen auf den Auslandsmärkten, kontinuierlich am Prozess der Internationalisierung teil. So werden beispielsweise rund 50 % der Umsätze der Hamburger Industrieunternehmen auf Auslandsmärkten realisiert. Und die Internationalität der Belegschaften in der Hansestadt steigt kontinuierlich. So hat die Beschäftigung von ausländischen Arbeitnehmern in der Hansestadt Hamburg seit Mitte der 1980er-Jahre um rund 40 % zugenommen, während die Beschäftigung insgesamt im gleichen Zeitraum um rund 17 % gestiegen ist. Im Jahr 2012 gab es in Hamburg etwa 70.000 Beschäftigte mit ausländischer Nationalität.

Neben der besseren Integration der ausländischen Arbeitskräfte vor Ort, gewinnt die Entwicklung von Strategien für die Arbeitskräftegewinnung aus dem Ausland an Bedeutung. Während die großen Unternehmen in der Metropolregion hier bereits vergleichsweise gut aufgestellt sind und auch über einen höheren Bekanntheitsgrad im Ausland verfügen, stellt die internationale Akquise für die zahlreichen KMUs in der Metropolregion eine größere Herausforderung dar. Die Unterstützung und Beratung von KMUs dazu ist deshalb ein wichtiger standortpolitischer Aspekt, um die Position der Metropolregion Hamburg als Arbeitsort für internationale Arbeitskräfte zu fördern. Dazu kann auch die Unterstützung bei der Internationalisierung durch Branchenverbände beitragen. Generell ist die Netzwerkbildung seitens der Unternehmen zu Universitäten im Ausland ein Ansatz, um qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen. Förderlich für den Zugang zu ausländischen Arbeitskräften sind auch direkte Kontakte über ehemalige ausländische Mitarbeiter, die nach einer gewissen Zeit in der Metropolregion in ihr Herkunftsland zurückgegangen sind.

Eine große Herausforderung für die Unternehmen ist es, zuwandernde Arbeitskräfte an ihr Unternehmen und die Metropolregion Hamburg zu binden. Praktische Erfahrungen zeigen, dass hierfür kulturelle Faktoren zu berücksichtigen sind. Häufig zieht es Fachkräfte nach ein paar Jahren in der Metropolregion Hamburg zurück in ihr Heimatland. Erfolgt die Vorbereitung auf die deutsche Kultur bereits im Ausland, beispielsweise über die weltweit präsenten Goethe-Institute, dann fällt den zuwandernden Fachkräften der Start in der neuen Umgebung häufig leichter. Einige Firmen bieten auch „Look-and-see-Tripps“ an, während derer Arbeitskräften aus dem Ausland die Attraktivität der Metropolregion Hamburg und des neuen Arbeitsplatzes vermittelt werden sollen. Sprachförderung und spezifische Kinderbetreuungsangebote zur Verbesserung der Lebensbedingungen gehören in vielen Unternehmen, besonders den größeren, bereits zum Standardangebot für ausländische Arbeitskräfte. Wichtig für die Funktionsfähigkeit von national-ethnisch diversen Teams ist zudem, dass die Arbeitssprache Englisch ist.

Die Konferenz hat gezeigt, dass die Attraktivität der Unternehmen in der Metropolregion Hamburg für Mitarbeiter aller Nationalitäten ein wichtiger Wettbewerbsfaktor ist. Dabei resultiert die Anziehungskraft der Hamburger Unternehmen nicht nur aus interessanten Jobangeboten, beispielsweise betreffend realisierbarer Einkommen und Arbeitsplatzflexibilität, sondern auch aus der Gestaltung der sonstigen Rahmenbedingungen auf Ebene der Unternehmen und der Metropolregion insgesamt. Deshalb stehen die Verwaltungen und die Gesellschaft in der Metropolregion Hamburg vor der Aufgabe, sich interkulturell weiter zu öffnen, um diese Entwicklungen in den Unternehmen noch besser zu unterstützen. Im Rahmen des 2. Hamburg Welcome Day wurden auch Handlungsansätze diskutiert, welche die Weiterentwicklung der Willkommenskultur fördern. Dazu zählen beispielsweise die weitere Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Dienstes für Bewerber aller Nationalitäten und der weitere Abbau bürokratischer Hemmnisse, beispielsweise betreffend die Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufs- und Studienabschlüssen. Die Konferenz wurde von der FOM Hamburg (Hochschule für Oekonomie & Management) und dem Welcome Center Hamburg durchgeführt.

Autoren

Dr. Silvia Stiller