Branchen und Wirtschaftszweige

Zweite Zukunftswerkstatt Familienunternehmen

15.12.2014 | HWWI Update | von Sara Mercedes Hildenbrand

Familienunternehmen zeichnen sich durch eine hohe Verbundenheit zu ihren Mitarbeitern aus, schreiben Zusammenhalt groß und gelten weithin als beständige und verlässliche Arbeitgeber. Dennoch scheitern Familienunternehmen oftmals daran, diese positiven Attribute nach außen zu kommunizieren und gezielt zur Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern einzusetzen. Entgegen der einst von Henry Ford formulierten Empfehlung „Wer nicht wirbt, stirbt!“ sind Familienunternehmen eher zurückhaltend, was die gezielte Bewerbung ihres Unternehmens als Familienunternehmen betrifft. Eine Vielzahl verzichtet bewusst auf die Kommunikation des Faktors Familie.

Nach der erfolgreichen Prämiere der ersten „Zukunftswerkstatt Familienunternehmen“ im vergangenen Jahr wurde die Veranstaltung zum zweiten Mal am 3. und 4. November 2014 in Hamburg ausgetragen. Organisiert wurde die „Zukunftswerkstatt Familienunternehmen“ vom Hamburger Institut für Familienunternehmen (HIF) gemeinsam mit dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI), der Handelskammer Hamburg, Haus Rissen Hamburg, der Hamburg School of Business Administration (HSBA) und die Familienunternehmer – ASU e.V.. Der thematische Schwerpunkt der diesjährigen „Zukunftswerkstatt Familienunternehmen“ lag auf der Selbstwahrnehmung von Familienunternehmen und wie diese zur Imagebildung genutzt werden kann. Weiterhin wurde erörtert, wie Familienunternehmen im Vergleich zu anderen Unternehmensformen beim Thema Personalmanagement und Employer Branding punkten können.

Den Auftakt der Veranstaltung bildete die Begrüßung durch Fritz Horst Melsheimer (Handelskammer Hamburg), der die zahlreichen positiven Eigenschaften von Familienunternehmen betonte, aber auch darauf hinwies, dass die interne Kommunikation des Faktors Familie von Familienunternehmen oftmals besser genutzt würde als die externe Kommunikation. Herr Prof. Dr. Günther Strunk (HIF) zählte in einem Impulsvortrag sowohl die zahlreichen positiven als auch negativen Vorurteile auf, mit denen Familienunternehmen konfrontiert werden. Weiterhin wies er auf Synergien bei der gezielten Bewerbung des Unternehmenstypus hin, die durch einen Zusammenschluss aller Familienunternehmen entstehen könnten. Durch das Programm führte Herr Dr. Philipp-Christian Wachs (Haus Rissen).

Bereits im Forum Selbstverständnis unterstrichen die beiden Familienunternehmer Dr. Henner Buhck (BAR Buhck Verwaltung GmbH) und Dr. Björn Castan (United Research AG und ASU Hamburg), dass die langfristige Denkweise von Familienunternehmen Auswirkungen auf deren Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten hat. Dieses starke Gefühl von Verantwortlichkeit bestimme das tägliche Handeln. Dennoch wurde deutlich, dass sich die Selbstwahrnehmung von Familienunternehmen und deren Selbstverständnis im Laufe der Generationen wandelt und keinesfalls statisch ist.

Im folgenden Forum zum Thema Image gab Tom Senn (endlichsommer – creativgesellschaft mbh, Preisträger der Imagekampagne Familienunternehmertum – siehe Siegerplakat) den Familienunternehmern den Rat: „Tue Gutes und sprich darüber“. Gestützt wurde die Aussage von Christian Niemeyer (Francis Drake Agenturnavigator GmbH), der die Zurückhaltung von Familienunternehmen damit kommentierte, dass Schweigen der falsche Weg sei. Cord Wöhlke (Iwan Budnikowsky GmbH & Co. KG) und Prof. Strunk waren sich einig, dass es wichtig ist, in die Gesellschaft hineinzuwirken, Glaubwürdigkeit zu bewahren und durch Authentizität zu überzeugen.



Den Impulsvortrag nach dem gemeinsamen Mittagessen nutzte Dr. Christina Boll (HWWI), um auf den demografischen Wandel hinzuweisen und zu verdeutlichen, dass auch Hamburg von einem Bevölkerungsrückgang betroffen sein wird. Dieser manifestiere sich in einer starken Verminderung der Zahl der Erwerbspersonen. Umso wichtiger sei es daher für Familienunternehmen, sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren.

In den Foren Personalentwicklung und Employer Branding bekräftigten die Referenten, unter anderem Jens Stacklies (Stacklies Unternehmensgruppe), Antonia Götsch (Impulse Medien GmbH), Henning Fehrmann (Fehrmann Metallverarbeitung GmbH), Prof. Dr. Markus Reihlen (Leuphana Universität Lüneburg) und Thomas Hölzchen (MCP-Institut GmbH), den weit verbreiteten Eindruck, dass Familienunternehmen eine nachhaltigere und werteorientiertere Personalpolitik verfolgen. So profitieren Mitarbeiter von Familienunternehmen oftmals von einer besseren Work-Life-Balance und in wirtschaftlich turbulenten Zeiten bieten Familienunternehmen ihren Beschäftigten Sicherheit und Loyalität. Auch über das offizielle Ende der Veranstaltung hinaus wurden die Herausforderungen und Chancen von Familienunternehmen als Arbeitgeber diskutiert und zahlreiche Erfahrungen ausgetauscht.


Informationen zu den Veranstaltungen und Publikationen des HIF finden Sie auf der Website des Instituts unter www.hhif.de.